Quo vadis Kirche? Christlicher Seniorenbund diskutiert über die Zukunft der Kirchen vor Ort

Vortrag von Dr. Grosse
An zwei Nachmittagen konnten sich zahlreiche Mitglieder und Gäste des Chr. Seniorenbundes Laatzen über die derzeitig heftig diskutierte Situation der Kirchen informieren lassen und Meinungen austauschen.
In einem ersten Referat gab Prof. Karl-Fritz Daiber, früher Leiter des Sozialwissenschaftlichen Instituts der EKD, Hinweise zur Lage der Ev. Kirche in Deutschland. Er verwies auf die Beobachtung, dass nach Skandalen in der kath .Kirche wie jetzt um den Bischof von Limburg Menschen durchaus auch aus der Ev. Kirche austreten. Zugleich betonte er, dass der Rückgang der Mitgliederzahl der Ev. Kirche zu 2/3 durch den Überschuss der Sterbefälle über die Zahl der Geburten verursacht wird. Es handelt sich um rund 140.000 Personen pro Jahr. Dieser Rückgang kann nicht durch missionarische Aktivitäten ausgeglichen werden. Es ist deshalb auch in Laatzen mit einem weiteren Abbau in den Kirchengemeinden zu rechnen.
Dem steht gegenüber, dass der Protestantismus in der Welt schnell wächst, vor allem in Südamerika, in Afrika und Asien. Hier vor allem in kleinen evangelikalen und charismatischen Gruppen. In Deutschland wird von den Kirchengemeinden vor allem Diakonie und Seelsorge erwartet. Während die Diakonie mit über 430.000 Beschäftigten eine tragende Säule der Gesellschaft ist, krankt die Seelsorge. Pfarrer und kirchliche Mitarbeiter sind kaum erreichbar. Durch den Stellenabbau und die Zusammenlegung von Gemeinden verschlimmert sich die Lage weiter. Hier liegt die Chance kleinerer Gruppen innerhalb der Ev. Kirche, wie z.B. der Expo-Kirche oder auch des Chr. Seniorenbundes.
Eine nachfolgende Diskussion zwischen Prof. Heinrich Grosse und Dr.Werner Läwen knüpfte hier an. Läwen wies darauf hin, dass die traditionellen Kirchengemeinden nach empirischen Forschungen nur ca. 10% ihrer Mitglieder erreichen. Kleine Gruppen, auch in Vereinsform, seien eine – wenn auch nicht die einzige – Antwort auf diese Defizite der kirchlichen Arbeit. Schon Dietrich Bonhoeffer hat die Bildung von Personalgemeinden gefordert, weil dort ein vertrauter Innenraum entsteht, in dem Menschen sich untereinander kennen, besuchen und in Notlagen helfen können. Das ist das Erfolgsgeheimnis des Chr. Seniorenbundes, der sich nicht als Kirche versteht, sondern als chr. Gemeinschaft, so Läwen. Der Chr. Seniorenbund ist offen für Menschen aller Konfessionen, auch für Konfessionslose. Daher kann er auch Menschen erreichen, die der Kirche fern stehen. Prof. Grosse stimmte dem mit Einschränkungen zu. Er warnte davor, dass derartige Vereine sich nicht ideologisch verengen dürfen. Sie könnten Kirche nicht ersetzen, sondern sollten mit ihnen kooperieren. Läwen betonte, dass es derzeit Ansätze für eine konstruktive Zusammenarbeit mit den örtlichen Kirchengemeinden gäbe.
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1 Kommentar
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Andreas aus Niedersachsen aus Laatzen | 18.11.2013 | 15:34  
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