Jazz(-Underground) und Politik in Berlin
Unser Projekttreffen am vergangenen Montag (8.3.2010) war anders als die bisherigen: Auf einer großen Leinwand sahen wir eine Diashow; Jazzmusik von Coco Schumann tönte aus den Lautsprechern. In entspannter Atmosphäre sahen wir uns die Fotos von unserem Wochenend-Workshop an, der unter dem Motto „Widerstand und Zivilcourage – gestern und heute“ vom 5.3. - 7.3.2010 in Berlin stattfand.
Wer ist Coco Schumann? Dieser Frage gingen die Projektteilnehmer im Learning Centers des Jüdischen Museums in der Lindenstraße nach.
Zu zweit oder zu dritt saßen die Schüler vor den Bildschirmen und erarbeiteten die Lebensgeschichte des Jazzgitarristen Coco Schumann von den Anfängen im Berlin der 20er Jahre bis heute. Die interaktive Arbeit am Computer ermöglichte den Teilnehmern, die überzeugende multimediale Informationspräsentation zu nutzen: Die Schüler füllten einen Fragebogen über das Leben Schumanns aus und erfassten auf diesem Weg die Entwicklung des Nationalsozialismus von den Anfängen mit den Vorschriften und Verboten, die bald alle Lebensbereiche reglementierten, bis zur Befreiung 1945.
Die anschließende Führung "Überleben mit Musik" beinhaltete auch ein Gespräch mit Interpretationen über das Libeskind-Gebäude.
Das Jüdische Museum war für viele sicher eines der beeindruckendsten Erlebnisse an diesem Wochenende.
Spannend empfanden viele Schüler auch die Sitzung im Plenarsaal des Bundestags, den wir gleich nach unserer Ankunft am Freitagmorgen ansteuerten. Die aktuelle Debatte um Hartz IV wurde hitzig weitergeführt.
In den Bundestag eingeladen hatte uns der Bundestagsabgeordnete Dr. Matthias Miersch, der unser Projekt unterstützt und durch seine Einladung die Fahrt nach Berlin ermöglichte.
Im Besucherraum des Reichstages sprach Dr. Miersch mit uns über das Projekt und zog den Bogen zur heutigen Politik; er gab uns Einblicke in seine Arbeit und seine Auffassung von Politik. Eine interessante Diskussion entstand.
Die anschließende Besichtigung der Reichstagskuppel war in zweifacher Hinsicht ein besonderes Erlebnis: Die beeindruckende Architektur der gläsernen Kuppel mit ihrer Stahlskelett-Konstruktion und der Blick auf Berlin aus der Vogelperspektive.
Mit einer lebhaften Diskussion über Zivilcourage in der Friedrich-Ebert-Stiftung am Abend endete der erste Tag.
Weitere Besichtigungen und Führungen standen auf dem Programm: das Holocaust-Mahnmal unweit vom Brandenburger Tor und die Gedenkstätte Deutscher Widerstand.
Wie die Schüler unseren Workshop empfanden und was ihnen wichtig war, haben sie während der Rückfahrt nach Hannover festgehalten:
Carolin (18), Julia (13) und Svenja (18):
Für uns war das Wochenende in Berlin weitaus mehr als Shopping und Party. Einfach gesagt, wir sind ins heutige Geschehen und in ein Stück deutsche Vergangenheit eingetaucht. Besonders beeindruckt hat uns die Vielfalt von Möglichkeiten, Geschichte darzustellen, z.B. der Garten des Jüdischen Museums. Auch die Gründlichkeit war in unserer Hauptstadt allgegenwärtig: Wir verbrachten viel Zeit damit, unsere Mäntel an- und auszuziehen sowie Taschen und uns selbst durchleuchten zu lassen. Die Menge an Sicherheitskontrollen in vielen öffentlichen Gebäuden war uns in diesem Ausmaß nicht bekannt. Alles in Allem konnten wir, vor allem Dank des sehr gut geplanten Programms (Kompliment an Frau Luedtke) eine Vielzahl von Eindrücken für unser Projekt gewinnen - und hatten dabei viel Spaß.
Anne (16):
Mir hat das Wochenende in Berlin sehr viel gebracht. Ich wurde öfter durch diverse Sicherheitskontrollen geschickt, als in meinem ganzen bisherigen Leben. Das zeigt so viel Misstrauen zwischen den Menschen und eigentlich (egal, ob berechtigt oder nicht) sollte die Botschaft doch eine andere sein.
Courage und Widerstand waren für mich schon immer sehr zentrale Begriffe, denn ich habe selbst erfahren wie es ist, wenn man allein da steht und wie das Menschen brechen kann. Genau deswegen sollte es mehr Projekte wie das unsere geben - solange bis ALLE Folgendes verstanden haben: Es ist wichtig, dass auch DU hinschaust und für DEINE Überzeugungen eintrittst.
Marius (17), Björn (19), Daniel (19), Lara (19), Annalena (19):
Das Wochenende in Berlin hat uns gezeigt, dass wir nicht vergessen.
Schon im Bundestag haben wir uns als Gruppe Gedanken gemacht und diese mit Matthias Miersch austauschen können - sei es über Politik, unser Projekt oder andere Fragen, die uns auf dem Herzen lagen. Vor allem aber der Besuch im Jüdischen Museum hat uns eine spannende Auseinandersetzung mit dem Holocaust und dem jüdischen Hintergrund geliefert.
Wir haben Berlin als Stadt genossen, aber nicht vergessen, dass Berlin als Hauptstadt zwischen 1933 bis 1945 Schauplatz der nationalsozialistischen Politik und dessen menschenverachtender Vorgehensweise war.
Efi (19) und Dimitra (16):
Das Berlin-Wochenende war für uns ein Erfolg, da wir viele neue Eindrücke gewonnen haben.
Durch das Gespräch mit Matthias Miersch konnten wir das Projekt vertiefen und engeren Kontakt zu ihm knüpfen. Das jüdische Museum hat uns sehr beeindruckt, denn wir konnten einen tiefgründigen Einblick in das Leben der Juden während der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft gewinnen. Das Thema des Workshops war hochinteressant und wir konnten so neues Wissen erlangen. Das Wochenende verhalf uns zur Erweiterung unseres Bildungshorizontes und hat uns unvergessliche Momente erleben lassen.






Mit dem Aktivieren des Buttons erlauben Sie einen begrenzten Datenaustausch mit Facebook. Mehr dazu rechts unter .