Grasdorfer Viertklässler erkunden die Vergangenheit

Tessa und Tufan an der großen Kamera
Laatzen: Grasdorf |

„Wir hatten drei Ziegen, Hühner und auch ein Schwein im Stall am Haus. Und natürlich wurden die auch geschlachtet. Das war ganz selbstverständlich.“

„Der Bombenangriff auf Grasdorf war das Schlimmste, was ich je erlebt habe. Ich habe auch Tage danach nur noch gezittert. Ich wünsche keinem, dass er jemals so etwas durchmacht.“

Mit diesen oder ähnlichen Aussagen mussten sich 14 Schülerinnen und Schüler der Grundschule Grasdorf vom 25.-27. September 2015 auseinandersetzen. Im Rahmen des Film- und Fotoprojekts „Wir wollten doch nur zur Schule gehen“ der Stiftung Grasdorf an der Leine tauchten sie tief in die Geschichte Grasdorfs ein. Sie führten Interviews mit 11 Zeitzeugen der Kriegs- und Nachkriegszeit, die von ihrer Kindheit in Grasdorf berichteten. Dabei hörten sie traurige und schreckliche Geschichten über den Krieg und die viel strengeren Lehrer von damals, aber auch schöne Erlebnisse wurden geschildert wie z.B. über die Badefreuden am Schwimmbad an der Leinebrücke. Insgesamt ergab sich so ein umfassendes Bild über den Kinderalltag und das Leben in Grasdorf zu dieser Zeit.
Unter der Anleitung von Herbert Dohlen, einem Filmemacher aus Göttingen, filmten die Kinder diese Interviews selbst. Nach einer kurzen Einführung in die Technik ging es los. Mit großer Kamera¬ausrüstung, machten sie Aufnahmen in der Schule, an der Leinebrücke und am Südtor. Sowie das Wort „Action“ ertönte war es mucksmäuschenstill und die Kameras liefen. Dass die Filmerei gar nicht so einfach ist, wurde dabei jedem klar. Manche Sequenz musste doch das eine oder andere Mal wiederholt werden. Insgesamt kamen über sechs Stunden Filmmaterial zusammen, die zu einem Film von ca. 30 bis 45 Minuten zusammengeschnitten werden.
Außerdem verglichen die Schülerinnen und Schüler in einer Fotorallye historische Bilder Grasdorfs mit der aktuellen Situation. Aus dem Vergleich der alten Aufnahmen und den aktuellen Fotos erarbeiteten sie unter Anleitung von Udo Hetmeier von Jukus e.V. eine Ausstellung.

„Die Idee war zum einen, so lange es noch Zeitzeugen gibt, die historische Situation so zu dokumentieren, dass dieses Thema auch für Kinder heute interessant ist. Es sollte gemeinsam, generationsüber- greifend ein handfestes Produkt erstellt werden. Dies fördert auch das Verständnis füreinander. Zum anderen stand das Thema „Krieg“ im Mittelpunkt und die Frage welche Auswirkungen eine Kriegssituation vor allem für Kinder hat. Ein Thema wie es leider heute aktueller nicht sein kann“, sagt Dorit Battermann, die die Idee zu dem Projekt hatte und die Leitung übernahm.
Die finanziellen Mittel für das Projekt hat die Stadt Laatzen über das Programm „Demokratie leben!“ zur Verfügung gestellt.
Neben dem Film und der Ausstellung, die voraussichtlich erstmals im November gezeigt werden, wird es begleitendes Unterrichtsmaterial geben, das anderen Schulen zur Verfügung gestellt wird.
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Andreas aus Niedersachsen aus Laatzen | 03.10.2015 | 01:50  
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