Ein bunter Liederstrauß – der „Orpheus“ begeistert

Der Gleidinger Männerchor hatte zu seinem Konzert in die Turnhalle der Gleidinger Grundschule eingeladen und die Gleidingerinnen und Gleidinger kamen. Bis an die zulässige Grenze von 200 Besuchern, war die Turnhalle ausgelastet. Heinz-Georg Kotmann begrüßte die Gäste und Klaus Hentschel führte mit launigen Worten durch das Programm. Schon das erste Lied von „den alten Säcken“ als Persiflage auf das reife Alter der Sänger, kam beim Publikum gut an. Der Gefangenenchor aus Nabucco als nächster Aufmacher war wie immer ein Renner. Danach wagte sich der Chor auf neue Gefilde vor. „Frei wie der Wind“ von Santiano gehörte genauso dazu wie „Über den Wolken“ von Reinhard May. Dazwischen erklangen mit südamerikanischem Temperament Chorstücke aus „Fiesta Brasiliana“ und mit ungarischem Feuer Gesang aus den Ungarischen Tänzen. Beim Kriminaltango erschreckte ein plötzlicher Knall, der den textlichen Schuss untermalte, Publikum und scheinbar auch den Chor, aber die Dirigentin Nicoletta Ion fing die Sänger gekonnt wieder ein und brachte sie auf den richtigen Weg. Am Klavier wurden die Sänger von dem Ehepaar Irina und Assen Boyadjiev begleitet. Beide kommen von der Musikhochschule Hannover und brillierten mit ihrem einfühlsamen Spiel.
Werbung in eigener Sache wollte der Chor mit seinem Lied „Männer“ machen, das von der Freude der Männer am Singen berichtete. Es endete mit den Worten: „Männer, so singt doch! Männer, wagt Euch vor! – und das an jedem Freitag, ab 19.30 Uhr in Gleidingen im Gemeinderaum St. Godehard neben der katholischen Kirche. Wer Lust hat, den Männerchor Orpheus kennen zu lernen und vielleicht einmal mitzusingen, ist herzlich willkommen – so noch einmal der Vorsitzende Heinz-Georg Kotmann. Die Zuschauer sind gebeten, diese Botschaft weiterzutragen. Es wäre jammerschade, wenn dieser hervorragende Chor mangels Nachwuchs nicht mehr existieren könnte.
Das zum Schluss vorgetragene Lied „Ich glaube“ von Udo Jürgens machte angesichts der derzeitigen Flüchtlings- und Asylsituation betroffen und nachdenklich. Für alle, die das Lied gehört haben und die es vielleicht noch nicht kennen, hier die aufwühlenden Worte eines der kritischen Udo-Jürgens-Lieder:
Ich glaube, dass der Acker, den wir pflügen,
nur eine kleine Weile uns gehört.
Ich glaube nicht mehr an die alten Lügen,
er wär‘ auch nur ein Menschenleben wert.
Ich glaube dass den Hungernden zu Speisen
Ihm besser dient, als noch so guter Rat.

Ich glaube, dass man die erst fragen müsste,
mit deren Blut und Geld man Kriege führt.
Ich glaube, dass man nichts vom Krieg mehr wüsste,
wenn wer ihn will ihn auch am meisten spürt.
Ich glaube dass die Haut und ihre Farben,
den Wert nicht eines Menschen je bestimmt.
Ich glaube, niemand brauchte mehr zu darben,
wenn der auch geben würd‘ der heut‘ nur nimmt.

Refrain:
Ich glaube, diese Welt müsste groß genug,
weit genug, reich genug, für uns alle sein.
Ich glaube dieses Leben ist schön genug,
bunt genug, Grund genug, sich daran zu erfreu’n.

Nachdenklich ging sicher manche Zuhörerin, mancher Zuhörer nach Hause.

Herzlich brandete der Beifall auf, als Kotman sich bei der Dirigentin und den beiden Klaviersolisten mit einem kleinen Präsent bedankte. In seine Dankesworte schloss er auch die Helfer am Rande und die Gleidinger Unternehmen Jessberger, Prelle und Volkmann ein, die diese Veranstaltung unterstützt haben. Die Sänger und viele der Gäste trafen sich dann noch in der Aula der Schule, wo unter Leitung von Waltraud Röhrich für einen Imbiss und Getränke gesorgt war.
Ein gelungener Abend mit dem „Orpheus“, dem hoffentlich noch viele weitere folgen werden.

Günter Bolten
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