Können Tiere Alzheimer bekommen?

  Eine Geschichte für Katzenfreunde oder besser, können Tiere Alzheimer kriegen?
Wir leben auf einem Bauernhof in Gleidingen. In den neunziger Jahren bekam eine sehr scheue verwilderte Katze ihre Jungen immer auf dem Strohboden.
Im September fand ich auf dem Hofplatz ein kleines weißes Wollknäuel das laut schreiend auf einem dort abgestellten Kartoffelsack saß.
Ich nahm es mit ins Haus, es war ein kleiner Kater, circa 6 Wochen alt. Er war weiß mit ein paar schwarzen Flecken, und hatte einen schwarz,- weiß geringelten Schwanz.
Bei Aufregung und Angst wurde sein Fell ganz struppig und er sah mit seinem Ringelschwanz aus wie ein kleiner Waschbär.
Ich nannte ihn Waschdy. Er war wirklich ein ganz besonderer Kater. Mit 16 Jahren musste ich ihn leider Einschläfern lassen, sonst wäre er verhungert.
1994 hatte die Katze wieder mal 4 Jungen auf dem Boden abgelegt.
Ich wusste wo sie waren, und sah dass es der Mutterkatze sehr schlecht ging. Die jungen Kätzchen wurden nicht mehr ausreichend ernährt. Sie sahen hungrig und abgemagert aus. Ich beschloss ihnen jeden Tag Futter und vor allen Dingen immer genügend Wasser zu geben.
Langsam wurden sie etwas zutraulicher, aber anfassen war nicht . Zwei waren grau getigert, eine war schwarz und eine war weiß.
Die Mutter der Kleinen war inzwischen gestorben. Und was ich noch nie erlebt hatte, der Vater unseres Kleeblattes, ein großer „Grautiger“ war wieder da und übernahm die Erziehung der kleinen.
Aus meinem Versteck beobachtete ich oft sehr menschliche Erziehungsmethoden.
Es waren drei Katzen und ein Kater. Den Kater nannte ich Tiger.
Die getigerte Katze, sie war am zutraulichsten hieß Mäuschen. Sie wurde später überfahren.
Die schwarze Katze nannte ich Momo und die weiße Weity. Alle vier waren inzwischen vom Strohboden heruntergekommen und hatten sich auf dem Bauernhof ihre Verstecke gesucht, den es gab hier auch zwei Hunde.
Die Katzen waren inzwischen zum großen Teil Selbstversorger geworden. Aber einmal am Tag bekamen sie ihr Futter.
Mit circa 10 Monaten haben wir die drei Katzen mit List und Tücke eingefangen und ließen sie kastrieren. Weity war immer die wildeste, sie ließ sich nie anfassen. Das hat sich in 20 Jahren nicht geändert.
Tiger, von dem gibt es auch tolle Geschichten, vertrug sich nicht mit meinem Kater Waschty. Er suchte sich ein neues Zuhause .Aber ich wusste wo er war. Momo und Weity blieben hier, die beiden hingen sehr aneinander.
Vor circa 3 Jahren wurde Momo von einem Auto angefahren und wir mussten sie eischläfern lassen.
Jetzt war Weity, sie hatte übrigens ein blaues und ein grünes Auge, ganz allein.
Inzwischen sah man ihr ihre Jahre auch an. Und was schlimm war, sie konnte nicht mehr hören.
Seit langem wurde sie wieder regelmäßig gefüttert, aber der Abstand zum Menschen betrug mindestens 3 Meter.
Für die Wintermonate bekam sie von mir immer eine frostsichere Hütte aufgestellt, wo sie schlafen konnte.
Im Sommer 2012 lief mir eine schildpadfarbene Katze zu. Sie wollte auch nicht mehr weg.
Ich nannte sie Jolly. Sie nimmt inzwischen Waschty`s Platz ein, das heißt, sie wohnt bei uns im Haus.
Aber sie hat ihre Katzenklappe, wo sie raus und rein kann. Weity orientiert sich inzwischen sehr an Jolly. Wenn Jolly länger wegbleibt, fängt Weity an sie zu suchen. Dabei miaut sie schrecklich laut, weil sie sich selbst nicht hören kann.
Vielleicht denkt sie ja auch es ist ihre Schwester Momo.
Es war im Januar 2014, ich ging von der Küche in den Wintergarten und vor mir auf dem Teppich saß Weity. Ich wollte sie nicht erschrecken und ging zurück in die Küche. Aber sie blieb sitzen. Sie war wohl Jolly hinterhergelaufen. Ich wartete eine halbe Stunde, Weity war immer noch da. Dann ging ich zu ihr, sie saß geduckt und ängstlich vor mir. Der Blick sagte mir: „kann ich bitte hierbleiben, mir ist schrecklich kalt.“ Ich konnte es nicht fassen 20 Jahre ist sie im Mai geworden und der Abstand betrug immer 3 Meter.
Hatte sie vielleicht vergessen das sie immer ihren Abstand einhielt?
Von dem Tag blieb Weity im Wintergarten, wo sie jetzt auch ihr Futter bekam.
Ihr Lieblingsplatz war im Winter auf der Heizung, obwohl sie auf der Bank ein weiches Kissen hatte. Jetzt ist es fast Sommer und sie geht auch wieder nach draußen in die Sonne.
Manchmal liegt sie mitten auf dem Hofplatz auf den warmen Steinen.
Da sie ja nichts mehr hört habe ich immer Angst, dass sie mal jemand überfährt.
Anfassen darf ich sie immer noch nicht. Aber ich wundere mich jeden Tag über diese Katze.
Sie hat 20 Jahre gebraucht um ein bisschen Vertrauen zu fassen. Vielleicht hat sie ihre Angst vor den Menschen einfach vergessen.
Man sagt ja Katzen haben 7 Leben. Wenn das stimmt hat Weity mindestens 8 Leben.
Ich habe nur das wichtigste geschrieben, sonst währe dies ein Buch geworden.

Petra Hansen 29.05.2014
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Uwe F. aus Laatzen | 31.05.2014 | 19:38  
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