Die Schmierer - außerordentliche Talente und gehobenes Theater

Noch ist der Vorhang herunten
 
Wartezimmer

Wer hierzulande lebt, ist nicht besonders Theater verwöhnt. In der Regel müssen wir eine lange Fahrt und das dazugehörige Spritgeld auf uns nehmen, um besseres als nur Bauertheater zu sehen. Für einen unterhaltsamen, meist vergnüglichen und lachmuskeltrainierenden Abend sind die Dorftheater hierherum sehr gut. Wenn es jedoch um mehr als nur Unterhaltung geht, also Theater auf höherem Niveau, versagt die ländliche Theaterkulisse meist.

Aber:

Es gibt einen Lichtstreifen am Horizont. Ein Theater, das den ländlichen Raum zum Theatermekka macht. Theaterbegeisterte, also die Kenner auf diesem Gebiet, kennen es bereits.


14 Spieltermine bezeugten es, und dabei sind die vielen Nachspieltermine noch gar nicht mitgezählt. Wer noch nicht in der „Schmiere“ in Babenhausen war, hat auf jeden Fall was versäumt.

Alleine die Stücke der letzten 5 Jahre (2003-2007) sind unübertroffen, das Musical „Windrose 1+2“, Historie auf heimatlicher Basis „Lu“, dramatisches Theater „Rauhnacht“ und das letzte Stück, Satire vom Feinsten „Tot oder Lebendig“ sind Zeugen des Können dieser Theaterlaien. Und dabei ist dieser Ort der Spitzenleistungen absolut gemeinnützig, unbesoldete ehrhaftspielende Schauspieler, Techniker, Stylisten und Fotografen leisten hier ihren hoch zu lobenden Beitrag.

So und jetzt zum aktuellsten aber sicherlich nicht letztem Theaterstück. 2007 haben sich die Theaterleute der Schmiere wieder einmal was ganz Besonders einfallen lassen. Das bereits zuvor genannte Satirestück „Tot oder Lebendig“ hat wider Erwarten alle unsere Erwartungen übertroffen. Die „Schmierer“ schreiben es in ihrem Programmheft selbst. Zitat: „Eine reine Komödie ist es nicht geworden, eher eine Spezialform des Lustspiels, eine Satire.“ Sie haben nicht zu viel versprochen, als sie von reflektierender Lachkomödie, Komödiantischem, beißender Satire und überzogener Darstellung schrieben.


„Tot oder lebendig“ ist ein Stück in 12 Szenen. Gleich in der ersten Szene haben wir uns vor Lachen kaum halten können. In dem „Wartezimmer“ wurde unter Andrem die Abrechnungsmoral der Ärzte auf die Schippe genommen. Es wurde zwar auch von „… Gesundheit ist das höchste Gut …“ gesprochen, aber gleich Kurz danach meint der Allgemeinarzt „… wir werden schon was finden …“, damit den alleinstehenden gelangweilten Patienten die Zeit vertrieben werden konnte. Das bestätigte auch eine Patientin mit dem Satz „ … darf ich a bisserl da bleiben, zuhause ist es so langweilig …“ und der gleich folgenden Entschuldigung des selben Patienten „… gestern konnte ich nicht kommen, da war ich krank …“.

Die zweite Szene ist mir besonders hängen geblieben. Die Szene „Beim Psychologen“ erklärt warum die Schule so wenig Einfluss auf die Moral der Schüler hat. Kein Wunder, dass die Schüler immer mehr zur Gewalt neigen, wenn doch die Eltern alleine damit ihre Einstellungen durchsetzen. Der Vater schreit den total verängstigten Sohn an, weil er sich auf dem Schulhof geprügelt hat, und schlägt ihn dabei um seiner Entrüstung Kund zu tun.

Und wer in der dritten Szene „Die Geburt“ noch ruhig sitzen bleiben konnte, dessen Lachmuskeln waren wohl eingerostet. Hier erlebt ein Vater die Stresssituation einer Geburt, lässt ungewollt die Mutter im Stich, fällt in Ohnmacht und wird zum Vater gemacht, obwohl er es gar nicht ist. Die Mutter erklärt zum Schluss der Szene die Dunkelhäutigkeit des Kindes folgender Masen: „Die Kinder die unter südlicher Sonne gezeugt wurden, kommen von Natur aus dunkler auf die Welt, die Sonne verändert die Gene.“

Die Szenen „Rationalisierung“ und „Notaufnahme“ sind außerdem besonders hervor zu heben. Hier wird darüber gelästert, dass die Krankenkassenkarte und damit die Finanzierung der Krankenhausleistungen und die Einsparung im Krankenwesen wichtiger sind als das menschliche Leben. Hier wird über „Patientenschieber“, „1-Euro-Shopper“, „Leiharbeiter“ und „Schlaflosen Rentnern“ gesprochen.

Was noch zu erwähnen wäre. Die "Schmiere" arbeitet hinter den Kulissen auf engstem Raum. 47 Mitwirkende, davon 38 auf der Bühne müssen dort Platz finden. Dazu 80 Kostüme der verschiedenen Typen und das dazugehörige Umkleiden, die Maskenabteilung mit 2 Friseurinnen und 3 Maskenbildnerinnen und für eine Rückzugsmöglichkeit zur Konzentration auf die nächste aktive Rolle reicht lediglich der Heizkesselraum und der Waschraum.

Ein großes Lob auf alle Beteiligten, Mitwirkenden und Verantwortlichen: "Macht weiter so, wir freuen uns schon auf ein faszinierendes 2008."

Mehr unter : http://www.schmiere.de/

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3 Kommentare zum Beitrag
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Josie Hoffmann aus Aichach am 01.01.2008 um 13:02 Uhr  
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Dietrich Kothe aus Landsberg am Lech am 01.01.2008 um 14:35 Uhr  
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Thomas Jacobi aus Annaberg-Buchholz am 01.01.2008 um 14:37 Uhr  
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