23.Treffen deutsch-franzoesische Partnerschaft Deisenhausen

 

Die Partnerschaftsmitglieder von Deisenhausen sind aus Frankreich zurückgekehrt. Wieder eine Erfahrung mehr und wieder neue Kenntnisse gesammelt. Der Besuch der Benediktinerabtei Ambronay und die Besichtigung der Seidenfabrik J. C. Bonney in Jujurieux waren dieses Mal die Höhepunkte.
Jede Abtey kann eine abwechslungsreiche Geschichte erzählen. Zu unseren geschichtlichen Vorkenntnissen lernt man immer noch was hinzu. So war es ganz besonders hier wo die Gründung in den Zeiten des Karl den Grossen liegt. Vom ersten Bau bleibt nur noch eine Mauer übrig, dafür kann man noch Zeugnisse anderer Epochen betrachten . Leider gab es zur Zeit der französischen Revolution barbarische Zerstörungen die nur zum Teil behoben werden konnten. Deswegen bietet heute die Fassade der Kirche einen völlig asymmetrischen Anblick. Heute ist der ganze Gebäudekomplex im staatlichen Besitz und dient verschiedenen kulturellen Einrichtungen. Das wichtigste Ereignis des Jahres ist ein internationaler Barok- Musikfestival.
Das zweite Ereignis war die Besichtigung der ehemaligen Seidenfabrik J.C.Bonnet in Jujurieux, heute Museum. Gegründet im 19. Jh. in Lyon, verlegte der Gründer sein Unternehmen in seine Heimatstadt Jujurieux wo er günstigere Bedingungen für die Beschaffung von Arbeitskräften fand. Herr Bonnet gehörte zu den sozial ausgerichteten Grossunternehmer wie es im 19. Jahrhundert in Frankreich und England gab. Es war eine Zeit in der sich, wie man heute sagt, das kapitalistische, auf Ausbeutung des Proletariats eingestellte Bürgertum entwickelte. In diesem Klima gab es als Gegenbewegung einige Unternehmer, hauptächlich in Frankreich und England, die mehr Menschlichkeit und Gerechtigkeit dem Arbeitervolk bieten wollten. Wie eine solche Institution materiell aufgebaut wurde kann man in Jujurieux mit eigenen Augen betrachten. Als erstes fällt einem auf, dass inmitten der Baulichkeiten eine Kirche und ein Pfarrhaus stehen. Daraus kann man schliessen, dass die Einsicht zur Menschlichkeit und Gerechtigkeit religiösen Ursprung hatte. Eine weitere Einrichtung von sozial-reliogiösen Charakter ist ein Heim für Mädchen. Von 13 bis 21 Jahren konnten Mädchen armer Familien hier leben. Sie lernten schreiben, weibliche Handarbeiten verrichten, kochen, berufliche Ausbildung im Textilbereich. Von Montag bis Samstag waren sie täglich zehn Stunden im Einsatz. Im übrigen gibt es in diesem Museum die Fabrikanlagen zu besichtigen mit sämtlichen Abteilung von der Musterung, Aufarbeitung der Cocons, Spinnerei, Färberei, Webstühle verschiedener Modelle, Kontor, und was sonst alles zu einem kompletten Zyklus der Stoffherstellung gehörte. Selbst Werkstätten verschiedener Handwerksarten fehlten nicht. Das Ganze ist von einer Mauer umgeben wie eine mittelalterliche Stadt. In den Jahren nach dem zweiten Weltkrieg, als verschiedene neue chemische Fasern auf den Markt kamen, konnten die Enkeln des Gründers gegen diese Konkurrenz nicht standhalten und machten zu.
Die übrige Zeit verbrachte man, wie üblich, im Kreise der einzelnen Familien. Auch dieser persönliche, engere Kontakt einzelner Gruppen ist einer der Sinnreichsten Momente in diesen Partnerschaftsbesuchen, denn nur durch persönliche Gespräche kommt man sich näher und können dauerhafte Freundschaften bestehen.
Alles in allem kann man wahrhaftig sagen, auch der diesjährige Besuch in Chatillon-la-Palud und Villette-sur-Ain hat alle zufriedengestellt, man hat sich amüsiert und man hat was dazugelernt. Eine bessere Bilanz kann es nicht geben. Nächstes Jahr trifft man sich in Deisenhausen.

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