Fast 250 Autowäschen „für Neele“ – Behinderungen im Fokus

  Krefeld: Autowaschanlage |

Krefeld-Hüls. Trotz schlechtem Wetters fanden 246 Autos am vergangenen Samstag für 5 € ihren Weg durch die Waschstraße von Hans-Jörg Pins in der Klever Straße. Dabei war der saubere Lack „der Deutschen liebstes Kind“ nur Nebensache, der Hülser Tankstellenpächter spendete von jeder Wäsche 2,50 € für die Aktion „Alles für Neele“. Die Firma Wintec Autoglas erhöhte den Spendenerlös zusätzlich mit 50 Cent pro Wäsche, mit dem Verkauf von Sympathieaufklebern von Car Design & Werbetechnik und Spenden der Kunden und Mitarbeiter der Tankstelle konnte am Abend ein stolzer Betrag von 1338 € an Ralf Zanders überreicht werden. Zanders hatte mit seiner Teilnahme an der ProSieben-„Millionärswahl“ nicht nur auf sein Patenkind Neele aufmerksam gemacht, sondern vielmehr wieder Menschen mit Behinderungen und ihre Familien in den gesellschaftlichen Fokus gerückt.


Neele kam mit Gen-Defekt zur Welt

Der 36-jährige Ralf Zanders aus Kerken trat bei der Millionärswahl unter dem Motto „Alles für Neele“ an, vor laufender Kamera überwand er bei seiner Challenge seine extreme Höhenangst. Er lief eine 26 Meter hohe senkrechte Wand an einem Sicherungsseil hängend kopfüber hinunter nur mit dem Ziel vor Augen seinem einjährigen Patenkind Neele die bestmöglichen Versorgungen und Therapien zu ermöglichen. Es war für Ralf Zanders Schwägerin Stefanie Schönbeck und ihrem Mann Christian kurz vor der Geburt ihres ersten Kindes eine Schock-Nachricht: Bei einer Gen-Untersuchung wurde festgestellt, dass Ihre Tochter mit dem seltenen Chromosomen-Defekt, dem sogenannten „Wolf-Hirschhorn-Syndrom“ zur Welt kommen würde. Das Ehepaar Schönbeck lehnte eine angeratene Abtreibung ab, Neele sollte selbst entschieden, ob sie leben will. Körperliche und geistige Wachstumsverzögerungen und Fehlbildungen erfordern strenge Medikationspläne, dauerhafte Pflege und Förderung. Die Wohnung der Schönbeck’s ist nicht barrierefrei, Umbauten sind nötig. Für Neele’s Eltern ist die Versorgung ein 24 Stunden-Job, sie erhalten teilweise Unterstützung durch eine Nachtschwester. Nicht alle Kosten werden vollständig von der Kranken- und Pflegekasse getragen. Neben der körperlichen und psychischen Belastung hat die junge Familie daher auch die Sorge stets die notwendigen finanziellen Mittel zur Verfügung zu haben.

Menschen mit Beeinträchtigungen im Blick

Die Million gewann Ralf Zanders wegen dem stark kritisierten Wahlmodus des Sendeformates nicht, aber dafür die Herzen der Zuschauer. Der Kerkener gibt weiterhin alles für sein Patenkind, mit einem starken Team gründete er inzwischen einen Verein. „Vorrangig wollen wir Neele helfen, aber wir werden auch nach rechts und links schauen. Viele Familien mit behinderten Kindern sind auf Unterstützung für zum Beispiel Umbauten, Therapiemittel oder besondere Rollstühle und Fahrzeuge angewiesen. Unser Verein wird sie nicht vergessen“, gesteht der sympathische Niederrheiner, der sich als „Gallionsfigur“ oder „Getriebe“ für eine wichtige Bewegung sieht. Derzeitig findet das Leben von Ralf Zanders nur noch auf der Überholspur statt. Sein Tag benötigt deutlich mehr als 24 Stunden um alle Zuschriften und Hilfsangebote zu beantworten und zu koordinieren. Eine wichtige Stütze ist seine Ehefrau Stephanie und der große Freundes- und Helferkreis. Gemeinsam packen sie auch wie bei der Autowaschaktion in Krefeld für den gemeinsamen Erfolg mit an, waschen Autofelgen und machen die Vorwäsche mit Hochdruckstrahlern. „Ich bin überwältigt von dieser Unterstützung, es hat Riesenspaß gemacht“, äußert Zanders und hebt besonders hervor, dass Mitarbeiter von Hans-Jörg Pins an ihrem freien Tag ehrenamtlich die Aktion begleiteten.

Noch viel Engagement nötig

So etwas zieht Kreise, zum Beispiel spendet der Autoglaser Wintec auf dem Tankstellengelände für jede Scheibenreparatur im Februar 10 €. Ein Helm mit den Unterschriften der Millionärswahlteilnehmer und Moderatoren wird in einer Auktion zugunsten des Vereins „Neele“ vom 7. bis 16. Februar im Internet versteigert. Das traditionelle „Hand in Hand“-Fußballturnier eines Clubs in Kempen-Tönisberg im Mai wird auch für Zanders Patenkind ausgetragen. „Ich kann gar nicht alle Aktionen und Unterstützer auf einmal hervorheben, dafür reicht bestimmt Ihr redaktioneller Rahmen nicht“, mutmaßt Ralf Zanders und teilt mit, dass für den notwendigen Badezimmerumbau schon ein Drittel der Kosten gespendet wurde. Aber dieses wird nicht die einzige dringliche „Baustelle“ bei den Schönbecks bleiben, um Zanders Motto „alles für ein würdiges und selbstbestimmtes Leben von Menschen mit Beeinträchtigungen zu erreichen“ wird noch viel weiteres Engagement benötigt.


Fotos: Marc Monderkamp, NR-News
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