Burn Out, Depression - Stresstests auch für Betriebe Psychische Erkrankungen sind ein ernstes Problem in der Arbeitswelt
"Psychische Belastungen in der Arbeitswelt müssen konsequenter als bisher bekämpft werden. Stresstests sind nicht nur für Bahnhöfe, Atomkraftwerke oder Banken, sondern auch und vor allem für die Arbeitsbedingungen in den Unternehmen nötig", fordert nun Krefelds DGB-Vorsitzender Ralf Köpke.
"Burn-out betrifft laut DGB nicht nur Fußballtrainer und Schlagersänger, sondern ist ein wachsendes Problem für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in den Betrieben auch in unserer Region", so Köpke weiter. Psychische Erkrankungen sind der Hauptgrund für Erwerbsminderung. Fast jeder fünfte Rentenzugang erfolgt über die Erwerbsminderungsrente. Die Ursache ist bei rund 40 Prozent der betroffenen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer eine psychische Erkrankung.
Im Frühjahr erst hatte die AOK in Krefeld Zahlen über die gestiegenen Erkrankungen mit psychischen Ursachen berichtet, mit einem deutlichen Plus von über 8% mehr im Vergleich zum Vorjahr.
Die KKH-Allianz veröffentlichte nun bundesweit Zahlen, die laut DGB die Dimension des Problems verdeutlichen. Von 2004 bis 2010 stieg die Zahl der seelischen Erkrankungen bei Männern in der Altersgruppe 50-64 Jahren um unglaubliche 82 % an.
Die psychischen Belastungen in der Arbeitswelt müssen deshalb energisch und auf allen Ebenen eingedämmt werden. Eine Voraussetzung dafür ist die konsequente Umsetzung des Arbeitsschutzgesetzes durch flächendeckende Stresstests in den Unternehmen (Gefährdungsbeurteilungen). Gleichzeitig müssen die Beschäftigten, die aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr arbeiten können, durch die Erwerbsminderungsrente deutlich besser abgesichert werden.
Wie stark der Druck inzwischen gestiegen ist, zeigen auch die Einschätzungen der Beschäftigten hinsichtlich ihrer beruflichen Perspektiven: Nach dem DGB-Index 2010 glauben 60 Prozent der Befragten nicht, dass sie ihre Arbeit bis zum Rentenalter ausführen können. Außerdem gehen mehr als die Hälfte der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer mehrmals pro Jahr krank zur Arbeit. Entsprechend sind auch die Verschreibungen von Antidepressiva gestiegen - von 2005 bis 2008 hat sich diese Zahl verdoppelt. Doping für die Arbeit ist also keine Randerscheinung mehr.
"Psychische Erkrankungen entwickeln sich zu einer ernsten Epidemie in der neuen Arbeitswelt."
Der DGB verweist auch auf Erhebungen, nach denen sich einmal die Behandlungskosten für psychische Erkrankungen auf jährlich 27 Milliarden Euro, und daneben auch der Produktionsausfall auf weitere 26 Milliarden Euro summieren.
"Der drastische Anstieg bei psychischen Erkrankungen hängt auch eng mit der fatalen Ausweitung des Niedriglohnsektors zusammen, der gerade die junge Generation in Unsicherheit hält. Die Bundesregierung muss auch deshalb die Perspektivlosigkeit aus unsicheren, befristeten und schlecht bezahlten Jobs überwinden", so Köpke abschließend.

Mit dem Aktivieren des Buttons erlauben Sie einen begrenzten Datenaustausch mit Facebook. Mehr dazu rechts unter .