Das letzte Samstagsmorgenfrühstücksbrötchen!
Ich bin der Typ Mann, der gerne Hausarbeit macht und nach dem Frühstück noch ein Weilchen in der Küche sitzen bleibt und das passiert ganz regelmäßig am Samstag. Das letzte Samstagmorgenfrühstücksbrötchen fristete dieses Wochenende bei uns mit den zehn anderen nur ein sehr kurzes Leben, denn immerhin wissen alle hier im Haus, bis auf meine Wenigkeit, - ich hasse nämlich Brötchenkrümmel -, nur ein frisches Brötchen ist auch ein gutes Brötchen und dann geht es bei uns richtig zur Sache. Also um eines dieser letzten Brötchen ging es bei uns. Irgendwie war der Frühstücks-Samstag schon gelaufen. Tassen und Unterteller befanden sich in der Spülmaschine, als ich die Brötchentüte dort am Rande der Herdplatten liegen sah. Als ich drauf patschte, war da nur noch ein vergessenes Brötchen drin. Ich zollte es den nötigen Respekt eines Einzelgängers-Brötchens und legte es auf eine Untertasse. So war es für alle viel schneller im Fokus und musste nicht vor lauter Traurigkeit austrocknen um dann von mir in Semmelbrösel zum Panieren verwandelt zu werden. Irgendeine unserer Mädels hatte das Glas mit Pindakaas,der holländischen Erdnussbutter, noch nicht in den Schrank zurück gestellt und so spielten zwei ganz banale Lebensmittel plötzlich die Hauptrollen in meiner/unserer Küche, denn es passierte etwas Unvorstellbares. Ich saß am Esstisch und löste Kreuzworträtsel, als ich plötzlich eine leise, zischelnde Stimme hörte: Boa ey, den ganzen Tag immer mit sonem Schraubverschluss rumstehen wär nix für mich! Zuerst hatte ich den Verdacht: Kinderkanal! Haben sie wieder mal den Fernseher im Wohnzimmer nicht abgeschaltet! Aber diese Stimme kam so nicht aus dem Wohnzimmer, sondern aus Richtung unserer Dunstabzugshaube bzw. von den Herdplatten.
Und dann ging es auch schon richtig zur Sache: Hömma du, früher wart ihr alle mal aus Glas, abba aus Kostengründen machen se euch getz auch schon in Plastik. Bist du auch so einer, oder wat bis du denn? Jeder halbwegs vernünftig denkende Mensch weiß, das Brötchen nicht reden können, aber trotzdem konnte ich eindeutig beobachten, wie sich das Erdnussbutterglas ein wenig nach links in Richtung des Brötchens drehte und dann dröhnte der Pindakaas: Sag mal du kleines ordinäres Brötchen! Kommst du aus dem Ruhrpott und kannst du kein Hochdeutsch? Es wäre schön, wenn du mich nicht von der Seite anquatschen würdest, nur weil der Pimpf da drüben dir nen Unterteller verpasst hat. Wenn du lesen könntest, wüsstest Du, wer ich bin! Ich bin die La Comtesse, eine Amerikanerin mit französischen Wurzeln, aber das macht in deinen Kreisen sowieso keinen Unterschied,Ihr werdet doch sowieso alle nur angeschmiert. Daraufhin das Brötchen nickend zu mir gewandt: Ach der Pimpf da drüben war mein Retter? Eigentlich is et mir sowatt von egal wo du herkommen tust Mutta, ich bin hia nur auf Besuch, sozusagen nuar aufe Durchreise, aber duuu, du wirst wohl noch einige Zeit hier im Schrank rumgammeln. Hähähää. Und dann war es plötzlich wieder ganz still im Raum. Wahnsinn, das würde mir zwar keiner glauben, aber ich hatte Tags zuvor das Diktiergerät in der Küche vergessen, sodass ich es schnell einschalten konnte, als der Dialog los ging. Was für eine Sensation, das letzte Samstagmorgenfrühstücksbrötchen spricht mit einem Crunchy Peanut Erdnussbutterglas leicht gesalzen mit 350 Gr. zu 2,99 Euro von Amazon.de, mitten in Deutschland an einem Februartag anno 2006 in meiner, unserer Küche von Jo und Co. Während ich noch überlegte, ob ich die Geschichte direkt an die Deutsche Presse Agentur (DPA) verkaufe oder nur an den Stern, sah ich auf das Diktiergerät. Da leuchtete ja gar kein Licht auf wie sonst, wenn es aufnimmt. Nein, bloß das nicht. Batterien leer. Mensch, jetzt fiel es mir siedendheiß ein, die hatte ich ja gestern für die neue Digicam gebraucht. Aus der Traum vom schnellen Geld und meiner Idee mit dieser Geschichte groß raus zu kommen, als mir ein blaues Krokodil durchs Gesicht leckte. Stopp,wieso eigentlich Blau? Langsam begangen meine Gehirnwindungen zu arbeiten. Ich saß gar nicht in der Küche und es war auch nicht Samstag. Der Sittenwächter stand vor mir am Bett und betrachtete mich, seinen Alpha-Hund, unterwürfig wie immer. Es war Donnerstag, der 19. Februar 2004 und meine.eine rief aus dem Badezimmer: " Sag, Schätzeken, kommst du auch runter? Wir frühstücken jetzt zusammen, bevor die Mädels in die Schule müssen. Mic hat doch heute Geburtstag, und ich habe extra frische Brötchen geholt." Und plötzlich war da so ein Heißhunger auf ein frisches, knackiges Brötchen mit ganz viel Pindakaas drauf.


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