Förderung für Frauen in Handwerksbetrieben
Frauen im Handwerk haben – teilweise schneller als die Männer – erkannt, dass nur der an der Spitze stehen kann, der auch Spitzenleistungen bietet. Astrid Irnich, Journalistin, führt dazu das nachfolgende Interview mit Rolf-Peter Medler, ehem. Architekt und Bauunternehmer im schlüsselfertigen Umbau- und Modernisierungsbereich:
IRNICH: Herr Medler, Sie sind Vorsitzender des Bundesverbandes der Leistungsgemeinschaften e.V. und haben quasi als „Mann vom Bau“, als Praktiker das Konzept des MEHRWERT-Handwerkers entwickelt. Sie stellen aber in Gesprächen mit Chefs fest, dass die sich außerstande sehen, den besonderen Service des MEHRWERT-Handwerkers zu leisten. Wie kommt das?
Medler: Firmenchefs haben oft (zu) viel um die Ohren. Sie brauchen Entlastung gerade bei dem, was sie besser machen wollen als andere, nämlich bei der Wunscherfüllung, Qualitätssicherung, Kommunikation mit dem Kunden, Kundenzufriedenheit und der Auftragsbeschaffung ohne Preiskampf.
IRNICH: Das hört sich in der Tat nach viel Arbeit an. Aber wer kann diese Arbeiten übernehmen? Die Mitarbeiter sind im Einsatz, und die Schreibkraft im Büro hat mit den üblichen Büroarbeiten genug zu tun.
Medler: Das ist ein wichtiger Ansatz. Es fängt im Büro an. Das kam bei der letzten Fachtagung der Leistungsgemeinschaft der MEHRWERT-Handwerker (siehe www.mehrwert-handwerker.de) heraus: Frauen sind für solche Aufgaben besser geeignet, weil sie mehr auf Kommunikation setzen als die Männer. Wir wissen heute, dass die weichen Faktoren der Firmenführung (Soft Facts) wie Kundenbeziehungen, Unternehmenskultur und Vertrauen, die durch Kommunikation entstehen, die entscheidenden Faktoren für den zukünftigen Erfolg sind.
IRNICH: Wer könnte in der Firma dann diese, wie mir scheint, sehr verantwortungsvolle Aufgabe übernehmen?
Medler: Z.B. die Ehefrauen der Chefs, Töchter oder bewährte Mitarbeiterinnen aufgrund - ganz wichtig - ihrer Vertrautheit mit dem Betrieb. Der BVLG e.V. hilft aber auch gern bei der Suche und Auswahl geeigneter Mitarbeiterinnen, die dann als Vollzeit-, Halbtags- oder Teilzeitkraft arbeiten können.
IRNICH: MEHRWERT-Beauftrage - kann man das denn ohne eine Art Ausbildung sein?
Medler: Nein. Denken im Sinne des Kunden muss gelernt werden, und die Betreffende muss eigenständig arbeiten können und zukünftig gut mit der Firma vertraut sein. Der BVLG hat extra Fortbildungsangebote zur MEHRWERT-Beauftragten entwickelt und damit sogar ein neues Berufsbild geschaffen (siehe www.mehrwert-beauftragte.de).
IRNICH: Sie haben eingangs von dem gesprochen, was den MEHRWERT-Handwerker vor anderen auszeichnet. Was heißt denn z.B. „Wunscherfüllung“?
Medler: Die Wünsche des Kunden sind für den MEHRWERT-Handwerker immer oberstes Gebot. Wir ermitteln sie mit dem Fragebogen „Grüner Punkt“, den die MEHRWERT-Beauftragte auswertet. Sie ist die Ansprechpartnerin für den Kunden. An sie kann er sich mit allen Anliegen wenden. Chef und Mitarbeiter vor Ort werden dann entsprechend informiert. Im Zusammenwirken aller entsteht so der BEST-Service, der den MEHRWERT-Handwerker von anderen unterscheidet.
IRNICH: Stichwort Qualitätssicherung: Was ist darunter zu verstehen?
Medler: Qualitätssicherung heißt nichts anderes, als dass der Kunde die Qualität bekommt, die er wünscht. Damit dies schon während der Arbeiten gewährleistet ist, überprüft die MEHRWERT-Beauftragte, ob der vereinbarte Handwerkerknigge umgesetzt wird (siehe www.handwerker-knigge.info). Nach Abschluss der Arbeiten geht das aber weiter, und dafür haben wir den Fragenbogen „RoterPunkt" entwickelt. Damit befragt die MEHRWERT-Beauftragte ganz einfach den Kunden, ob tatsächlich alles nach seinen Wünschen gelaufen ist. Sie übernimmt so eine wichtige Funktion als Bindeglied zwischen handwerklicher Ausführung der Arbeiten und dem Wohlgefühl des Kunden.
IRNICH: So erklärt sich für mich jetzt auch das andere Stichwort: Kommunikation, denn die MEHRWERT-Beauftragte scheint ja in ständigem Kontakt mit dem Kunden zu sein.
Medler: Ja. Von der ersten Minute an und eigentlich dauerhaft, auch noch nach dem abgeschlossenen Auftrag und darüber hinaus. Denn regelmäßige Kommunikation mit dem Kunden heißt noch mehr: Kunden müssen gepflegt werden, und darum kümmert sich die MEHRWERT-Beauftragte. Sie lernt das auf den Schulungen. Es ist wichtig, dass die Firma immer wieder beim Kunden in Erinnerung gebracht wird.
IRNICH: Wenn der Kunde die Qualität bekommt, reicht das denn nicht dafür, dass er zufrieden ist?
Medler: Es reicht heute auf keinen Fall mehr. Wohlgefühl stellt sich ja, egal in welcher Situation, erst ein, wenn auch die Atmosphäre stimmt. Das beste Büffet z.B. reicht nicht aus, damit die Party ein Erfolg wird. Der Fragebogen RoterPunkt erfasst daher gleichzeitig mit der Qualitätssicherung das Drumherum bei der Ausführung der Arbeiten. Die MEHRWERT-Beauftragte weiß nach der Auswertung oder internen Bewertung im Internet, wo Chef und Mitarbeiter vor Ort ggf. etwas versäumt haben und beim nächsten Mal besser machen müssen, damit der Kunde begeistert ist.
IRNICH: Ihr letztes Stichwort war Auftragsbeschaffung ohne Preiskampf. Ist das heute, wo „Geiz geil“ ist, überhaupt möglich?
Medler: Ja, natürlich. Wenn einmal das Vertrauen des Kunden durch das eben Beschriebene gewonnen ist, hat die MEHRWERT-Beauftragte neue Möglichkeiten für die Zukunft, indem sie „Alt“- und Neukunden immer mal wieder anspricht. Sie bietet z.B. Wartungsverträge (ABC-Analyse) an und sorgt dann dafür, dass sie auch termingerecht umgesetzt werden. Dabei kann sich dann leicht ein neuer Auftrag ergeben. Und wenn der Kunde vorher zufrieden war, verhandelt er jetzt auch nicht (mehr) über den Preis. Oder: Sie bietet dem Kunden den „Alterstauglichkeitsprüfung“ für seine Immobilie an. Jeder sollte ihn eigentlich mit 50plus, also weit vor dem Rentenalter, vornehmen, d.h. überprüfen lassen, ob Wohnung, Haus, Immobilie zur Wohn- und Lebenssituation im Alter passen.
IRNICH: Was für einen Nutzen hat denn der Kunde davon? Es hieße doch nur in Konsequenz: wieder Handwerker im Haus, wenn die Immobilie nicht alterstauglich ist.
Medler: Der Nutzen ist sogar erheblich: Erstens steckt man in jüngeren Jahren Handwerker im Haus leichter weg. Zweitens: Man kann durch das „SoWieSo-Prinzip“ Kosten sparen. Wer z.B. als junge Familie ein Haus bezieht, muss dreißig Jahre später „SoWieSo“ renovieren. Dabei können genau die Maßnahmen ergriffen werden, die später das Wohnen im Alter erleichtern: Verbreiterung der Türen, Dusche statt Badewanne, eine bedienungsfreundliche Küche und dergleichen mehr.
Die MEHRWERT-Beauftragte kann auch hier Aufträge beschaffen, wenn sie z. B. die Kunden rechtzeitig auf diesen Check hinweist, den man auch im Internet unter www.bvlg.de/alterstauglichkeitsprüfung abrufen kann. Sie weiß auch, wie man Zuschüsse und (KfW-) Darlehen bekommt. Daher lautet das Motto unserer MEHRWERT-Handwerker: Handeln - und zwar rechtzeitig. In allem.
Weitere Infos zur Leistungsgemeinschaft der MEHRWERT-Handwerker, zur Fachgruppe für Frauen in Unternehmen, die MEHRWERT-Beauftragten der Mitgliedsbetriebe, zum Handwerker-Knigge für Auftraggeber erhalten Sie hier vom ...
Bundesverband der Leistungsgemeinschaften BVLG e.V.
Hauptstraße 107a
41352 Korschenbroich
Tel. 02182/8552-62, Fax -64
www.mehrwert-handwerker.de


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