Windräder im Wald - Fachliche Argumente bisher kaum angeführt

„Wir alle tragen eine hohe Verantwortung für unsere Umwelt, und es können nicht nur wirtschaftliche Gesichtspunkte Beachtung finden“, sagt Martin Görner im Gastbeitrag zu Windkraftanlagen im Wald.
Dieses Thema wird derzeit in den unterschiedlichen Bevölkerungskreisen und in der breiten Öffentlichkeit heftig und widersprüchlich diskutiert.
Man stellt zunehmend fest, dass es vorwiegend aus der jeweiligen Einstellung der betreffenden Personen und ihrer damit verbundenen Ziele diskutiert wird. Es fällt auf, dass Formulierungen wie „wir müssen Wege für einen naturverträglichen Ausbau der Windenergie im Wald aufzeigen“ oder „es handelt sich um Waldflächen, die ökologisch nicht so bedeutungs- oder wertvoll sind“ (zum Beispiel Fichtenforste oder Kiefernkulturen) dominieren.
Fachliche Argumente, die dafür oder dagegen sprechen, werden kaum angeführt. Alle Fachbehörden und die breite Fülle der vermeintlichen Fachleute weisen auch kaum auf die vorhandenen Wissensdefizite im Rahmen der Windenergie im Wald hin.
In Wäldern errichtete Windkraftanlagen schaden auf mehreren Ebenen den komplizierten im Wald stattfindenden biologischen Abläufen und bewirken tiefgreifende Beeinträchtigungen der Waldökologie. Dies betrifft besonders solche Komplexe wie die Verdichtung der Bodenstruktur. Selbst künstliche Lockerung kann das ursprüngliche Bodengefüge nicht wiederherstellen.
Je tiefer die Bodenverdichtung (Wegebau, Trassen, Freistellung) erfolgt, desto schwerwiegender ist der Eingriff auch in die hydrologischen Vorgänge unserer Waldbodentypen. Der Frage nach der Wasserbildung und den hydrologischen Besonderheiten von Waldböden wird in der öffentlichen Diskussion kaum nachgegangen. Schon diese Faktoren sind so ernst, dass sie bei Entscheidungen über die Errichtung von Windkraftanlagen im Wald viel stärker bedacht werden müssten.
Pro Windrad sind bis zu ein Hektar Wald zu roden
Je Windkraftanlage können bis zu 1 Hektar – also 10 000 Quadratmeter – Wald gerodet werden, was einer ungeheuren Veränderung des dem Wald eigenen „Waldinnenklimas“ entspricht. Es kommt ferner hinzu, dass Windkraftanlagen im Wald dem Klima schaden und die CO2-Konzentration in der Atmosphäre erhöhen.
Wirtschaftswälder, in denen Holz geschlagen wird oder in denen Holzvorräte durch forstliche Maßnahmen aufgebaut werden, sind eine wirksame Kohlenstoffsenke. Jede Versiegelung von Böden schränkt die biologische Produktion an den Standorten ein und durch die Öffnung des Waldes finden zahlreiche von Natur aus nicht im Wald vorkommende Pflanzen und Tiere Eingang. Somit werden Voraussetzungen geschaffen, dass alle Schutz- und Fördermaßnahmen für waldbewohnende Arten nahezu in Frage gestellt werden.
Die Windräder, die auf massiven Stahlbetonfundamenten ruhen und zu denen jederzeit aus Sicherheitsgründen freier Zugang gewährleistet sein muss, erreichen inzwischen Höhen bis zu 157 Meter und mehr. Die höchste Ausdehnung der Spitze eines Rotorblattes über dem Boden beträgt heute schon zirka 200 Meter.
Auch die Meinung, dass die Rotorblätter zu den Baumkronen größere Abstände aufweisen und somit unproblematischer seien, ist schlichtweg Unsinn. Bekannt ist, dass besonders Vögel und Fledermäuse sowie zahlreiche Insektenarten diese Lufträume nutzen. Die zeitlichen und räumlichen Nutzungsmuster sind für die meisten Tierarten nach wie vor unbekannt und ständige neue Forschungen belegen gerade diesen Wert des Kronen- und darüber liegenden Luftraumes.
Nicht zu vergessen ist, dass durch die Windkraftanlagen eine hohe Verwirbelung der Insektenfauna stattfindet. Wenn Millionen von Insekten an den Rotoren durch kleine Blutströpfchen nachgewiesen werden können wird lediglich dieser Tatbestand belegt. Was die Reduzierung der Insektenfauna in den Waldbereichen bedeutet, ist für von Insekten lebende Tiere keineswegs ausreichend aufgehellt.
Selbst jüngste Forschungen belegen, dass nicht nur Schwarzstörche, sondern auch Weißstörche täglich mehrmals 3 bis 4 Kilometer große Waldgebiete überfliegen. Selbst für die fluggewandten Waldschnepfen stellen offensichtlich – wie Untersuchungen belegen – Windkraftanlagen ein Problem dar. Es ist oftmals nicht geklärt, ob die Vögel direkt mit der Anlage kollidieren oder ob Waldgebiete durch Geräusche unattraktiv werden.
Im Falle der Fledermäuse ist hinreichend bekannt, dass jedes Jahr zehntausende Fledermäuse an Windkraftanlagen sterben. Diese Tiere – unabhängig um welche Arten es sich handelt – sterben in den Turbulenzen der Rotoren. Neuere Untersuchungen belegen das Zerplatzen von Lungen und inneren Organen bei den fliegenden Säugetieren.
Die Situation konsequent weitergedacht, bedeutet, dass die Populationen der betreffenden Tierarten immer weiter ausdünnen und diese Entwicklung den Zielen der Erhaltung der Biodiversität entgegensteht. Biologen, Ökologen, Förster, Jäger, Naturschützer, Politiker und Geisteswissenschaftler, aber auch Techniker müssen sich mit diesen Argumenten auseinander setzen und sofern sie Entscheidungen treffen, diese Komplexität beachten.
Martin Görner / Jena / 16.03.15 / OTZ
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