Alte und uralte Bäume - Eindrucksvolle Naturdenkmale

Alte Bäume faszinieren. Viele Jahrhunderte sind unter ihren Zweigen ins Land gegangen.
 
Je älter sie werden, desto mächtiger werden ihre Stämme.
 
Auch an kräftigen Wurzelansätzen erkennt man ein hohes Alter.
Königslutter: Kaiser-Lothar-Linde | Gerade für uns Deutsche als Entdecker der Romantik und als Wandervolk spielte und spielt der Wald schon immer eine große und ganz besondere Rolle. Er steht für Natürlichkeit, Einsamkeit und Stille. In diese grünen Naturgebiete kann man sich vom oft so hektischen Alltagstreiben unserer technisierten Welt zurückziehen. Einmal ohne störende Umweltgeräusche frei durchatmen. Klare und saubere Luft. Zu den grünen weitverzweigten Dächern hinaufschauen und dabei, mit etwas Glück, so manches Tier beobachten. Den Buntspecht, der an der Baumrinde klopft, in den frühen Morgenstunden auf einer Lichtung vielleicht einen Hirsch oder einen Fuchs, der auf der Pirsch ist. Man freut sich über das alles.

Noch zu Beginn der Zeitrechnung war Germanien fast vollkommen bewaldet. Ausnahmen bildeten die Moorflächen. Doch um das siebte und achte Jahrhundert wurden immer mehr Siedlungen mit den dazugehörigen Feldflächen angelegt. Man erkennt es noch an den Namen vieler Dörfer, die mit Rode… beginnen oder mit …rode enden. Und da der Mensch in den immer größer werdenden Siedlungen viel Holz benötigte, für den Bau von Bauern- und später auch Fachwerkhäusern in den sich langsam entwickelnden Städten, zum Heizen, zum Kochen, zur Herstellung von Werkzeugen und auch für den Bergbau und die Verhüttung der Erze, lichtete sich der Wald immer mehr.
Und es veränderte sich auch sein Bild. Aus natürlichen Urwäldern entstanden, vom Menschen stark beeinflusst, im Laufe der Zeit schnell wachsende Wirtschaftswälder. Und die sind es in erster Linie, die heute die Waldlandschaft prägen. Fichten-Monokulturen, in denen die Bäume häufig so eng zueinander stehen, dass kaum Licht eindringt und dass es darin kaum höheres Leben gibt. Am Boden nur einen dicken, braunen Nadelteppich ohne jeden Pflanzenbewuchs. Kiefern- oder Laubbaumwälder, nicht selten in Reih und Glied angepflanzt und oft anfällig für Stürme oder Insektenbefall. Der Wald muss dicht sein und er muss schnell wachsen, damit das Holz nach 30 bis 50 Jahren geerntet werden kann. Ein Wald muss Ertrag bringen, damit er Rendite abwirft. Und das funktioniert anscheinend nur auf kosten eines natürlichen Waldes. Immerhin findet heute in der Forstwirtschaft so ganz langsam ein Umdenken statt. Zu mehr Mischwald hin, zu mehr Natürlichkeit, zu mehr Lebensvielfalt. Und das wird der Natur in Zukunft besser zu Gesicht stehen.

Immerhin ein Drittel der Fläche Deutschlands besteht aus Wald. Damit ist unser Land eines der waldreichsten Europas. Und das ist gut so, denn Wälder beeinflussen das Klima positiv, speichern Wasser und sorgen für frische und saubere Luft. Sie nehmen Kohlendioxid auf und produzieren daraus Sauerstoff, den wir einatmen und ohne den wir nicht leben könnten.
Leider dürfen in Deutschland nur etwa drei Prozent des Waldbestandes natürlich sein, in dem sich dieser frei entfalten kann, in dem Bäume auch alt werden dürfen. Und gerade diese Waldgebiete mit ihrer großen Artenvielfalt sind es, die in uns eine Art Sehnsucht nach Ursprünglichkeit wecken, die deutsche Dichter zurzeit der Romantik in vielen Versen gepriesen haben und die in das deutsche Liedgut eingegangen sind. Wer aus der älteren Generation kennt nicht Lieder wie „In einem kühlen Grunde, da steht ein Lindenbaum“, gesungen von Richard Tauber. „Vor meinem Vaterhaus steht eine Linde“ hat Willy Schneider einst vorgetragen. In späterer Zeit „Mein Freund der Baum“ von Alexandra oder von den Puhdys „Alt wie ein Baum möchte ich werden“. Und in welchen Opern könnte der Deutsche Wald romantischer dargestellt werden als in „Der Freischütz“ von Carl Maria von Weber oder in Humperdinks „Hänsel und Gretel“. Auch viele deutsche Maler haben alte, knorrige Bäume in Öl auf Leinwand festgehalten. Allen voran Ludwig Richter und Caspar David Friedrich. Wenn man sich deren Bilder anschaut, dann trauert man ihm nach, dem früheren ursprünglichen Wald.

Doch auch wenn es diesen Wald heute kaum noch gibt, so gibt es doch zumindest einige Bäume, wenn auch nicht viele, die erhalten geblieben, die tatsächlich alt geworden sind. Manche sogar uralt. Und diese sind es eben, die manchmal in Gruppen, meist jedoch einzeln stehend, so dass ihre Kronen genügend Platz hatten sich weit auszubreiten, die uns faszinieren.
Manchmal stehen sie in Wäldern, auch Hutewäldern, in die die Bauern in früheren Zeiten ihr Vieh zur Mast hineingetrieben haben. Schafe, Ziegen und Schweine. Durch den Verbiss weisen diese Bäume oft die seltsamsten Wuchsformen auf. Andere Bäume stehen einzeln neben uralten aus Feldsteinen errichteten Kirchtürmen, haben ein ähnliches Alter wie diese auch. Oder sie breiten ihre mächtigen Kronen auf Dorfplätzen aus. Nicht selten auf dem Thie, dem Versammlungsplatz. Unter ihren weit ausladenden Zweigen wurde einst auch Gericht gesprochen. Wiederum andere dienten als Tanzlinde, in die Bretterböden als Tanzfläche und irgendwo weiter oben im Geäst die für die Kapelle eingezogen waren. Und einige wenige waren vielleicht sogar Marienbäume, die zurzeit der Christianisierung eingepflanzt wurden.

Mit diesem Bericht möchte ich einige besondere Bäume vorstellen, die alle eines gemeinsam haben: Ein höheres oder sogar sehr hohes Alter und damit einen dicken Stamm, der manches Mal allerdings auch aus mehreren Bäumen entstanden ist. Und wenn man direkt davor steht, in das uralte Geäst, das von Stürmen und Blitzeinschlägen gezeichnet ist, hinaufblickt. Wenn man über den verknorpelten Wuchs staunt. Wenn man die zerfurchte, zerrissene Borke mit den Händen berührt, befühlt. Dann bekommt man eine Ahnung davon, was diese Bäume alles erlebt haben. Verschiedenste Zeitalter. Das der Romantik, manche den Dreißigjährigen Krieg und einige wenige die hohe Zeit des Mittelalters oder sogar die Karl des Großen. Unter ihrem Geäst und um sie herum hat sich die Welt im Laufe der Zeit vollkommen gewandelt. Von der Zeit des bäuerlichen Lebens, der Pferdefuhrwerke und der Handarbeit bis hin zur Industriellen Revolution und dem Computerzeitalter. Und einige von diesen besonderen Bäumen werden vielleicht noch in Jahrhunderten stehen, wenn wir nicht mehr sind und sich an uns längst niemand mehr erinnern wird. Und jedes Jahr wieder wird dann im Frühjahr frisches Grün aus ihren Zweigen sprießen, auch wenn manche nur noch Baumruinen sein werden. Dann, wenn kein Sturm sie dahingerafft hat, wenn kein Feuer sie vernichtet hat, wenn der Feinstaub ihnen nicht zu stark zugesetzt hat und wenn die Welt wiederum eine völlig andere sein wird. Auch dann werden Menschen unter ihren uralten Ästen stehen, zu ihnen hinaufblicken und über diese Wunderwerke der Natur staunen.

Siehe auch: Der verwunschene Waldreben-Urwald von Misburg
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4 Kommentare
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Basti S. aus Aystetten | 07.09.2016 | 07:16  
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Gabriele F.-Senger aus Langenhagen | 07.09.2016 | 16:29  
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Manfred W. aus Nebra (Unstrut) | 09.09.2016 | 08:27  
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Elfie Haupt aus Einbeck | 25.09.2016 | 13:52  
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