Skivergnügen pur

Königsbrunn: Fritz-Felsenstein-Haus | Rollifahrer auf der Skipiste? Geht das? Wer Spaß am Skifahren hat, der schafft auch mit einer Körperbehinderung auf Skiern Unglaubliches - Mut, Training und eine gute Portion Selbstvertrauen vorausgesetzt.

Vier Jugendliche aus dem Königsbrunner Fritz-Felsenstein-Haus haben gemeinsam mit Schülern aus anderen bayerischen Förderzentren für körper- und mehrfachbehinderte Schüler diese sportliche Herausforderung angenommen und an einem speziellen Skikurs in Mitterfirmiansreut/Bayerischer Wald teilgenommen. Ausgerichtet wurde die Skiwoche vom Bayerischen Behinderten- und Versehrtensportverband, der gemeinsam mit dem Deutschen Rollstuhlsportverband das Projekt auch finanziell unterstützt.

Anfänger und Könner
Unter den FFH-lern waren sowohl Anfänger als auch „alte Skihasen“: Während der 9-jährige Marcel seine ersten Fahrversuche am Gummiseil seines Betreuers unternahm, fuhr Maria - zum zweiten Mal dabei - schon nach kurzer Zeit alleine den Hang hinab. Und auch die anderen Teilnehmer zeigten sportliches Geschick.

Je nach Grad der körperlichen Einschränkung gibt es für Skifahrer im Behindertensport zwei Alternativen: Den Monoski, ein handelsüblicher Carving-Ski, auf den eine individuell angepasste Sitzschale montiert ist; statt mit Skistöcken wird das Fahren mit zwei Krückenski unterstützt. Oder die Bi-Ski-Variante, bei der die Sitzschale zur besseren Stabilität auf zwei Ski montiert wird. Gesteuert wird dieser Ski durch den Betreuer, der mit einem Bügel oder einem Gummiseil mit dem Fahrer verbunden ist und korrigierend eingreifen kann. Der Fahrspaß für die körperbehinderten Kinder- und Jugendlichen ist in jedem Fall garantiert.

Gleichgewichtstraining
„Die Skilehrer, selbst Rollifahrer, haben es hervorragend verstanden unseren Jugendlichen das Gefühl für den Ski zu vermitteln“, so Physiotherapeutin Dagmar Simnacher. Sie leitet die Therapieabteilung im Fritz-Felsenstein-Haus, dem Förderzentrum für körper- und mehrfach behinderte Menschen. Mono-Ski oder Bi-Ski zu fahren ist gar nicht so einfach: Der Fahrer muss erst das richtige Gespür für sein Gleichgewicht entwickeln. Die Bewegungsabläufe sind komplex, Oberkörper und Arme sind dabei stärker gefordert, als beim Fahren auf zwei Skiern. Vor allem die Schrägfahrt am Hang verlangt den Schülern viel ab. Umso stolzer sind sie, wenn es mit dem alleine Fahren klappt.

Abschlussrennen
Ehrgeiz zeigten die Sportler auch beim Abschlussrennen, das der 15-jährige Corbinian für sich entscheiden konnte. Sieger ist derjenige, der nach zwei Durchgängen im Riesenslalom die geringste Zeitdifferenz zwischen beiden Läufen aufweist. Corbinian preschte im zweiten Durchgang bis auf die Hundertstel Sekunde mit genau mit der gleichen Zeit durch das Ziel - eine Kuriosität, die es beim Monoskifahren unter FFH-lern noch nie gab.

Skikurse sind beliebt
Die Organisatoren im FFH können dieses Angebot nur mit einem beachtlichen personellen Aufwand stemmen, da jeder Fahrer einen eigenen Betreuer benötigt. Deshalb ist man besonders dankbar für die Unterstützung ehrenamtlicher Helfer wie Stefan Bruggmoser, der sich für die Skiwoche Urlaub genommen hat. Seit vielen Jahren schon bietet die Therapieabteilung des FFH diese Skikurse an. „Unsere Schüler trainieren Gleichgewicht und Motorik, sie entwickeln großes Selbstvertrauen und wachsen über sich hinaus. Die Motivation dafür ist in erster Linie der Spaß am Sport und das soziale Miteinander“, weiß Dagmar Simnacher. Der Traum vom Skivergnügen im Schnee ist für die vier FFH-Schüler in diesem Jahr in Erfüllung gegangen.

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myheimat-Stadtmagazin königsbrunner | Erschienen am 04.03.2011
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