Stolz auf selbstgebauten Stuhl

Königsbrunn: Fritz-Felsenstein-Haus | Ein Hocker ist nicht gleich ein Hocker. Die einen kaufen ihn in schwedischen Möbelhäusern, die anderen bauen sich ein solches Möbelstück lieber selbst. Wer Fachleute an seiner Seite hat, dem gelingt auch mal ein ganz besonderes Schmuckstück. Die Werkschüler der Berufsschulstufe im Fritz-Felsenstein-Haus werden dabei von zwei Meistern unterstützt. „Das Projekt, an dem zehn körperbehinderte Förderschüler teilnehmen, ist ein besonderes Highlight für unseren Werkunterricht“, so Schulleiterin Petra Lichtenberg.

Viele Arbeitsschritte für vier Metallbeine

Die Eisenstange ist 6m lang, daraus entstehen die kantigen Beine des Hockers. „Wir müssen das Metall abmessen, zuschneiden, entgraten und Bohrlöcher anbringen“, erklärt Alex Schlumpp. Die einzelnen Arbeitsschritte erledigen die Schüler unter der Anleitung von Schlosser Paul Knittl zum Teil in Teamarbeit. Zum Schluss darf jeder Schüler – ausgestattet mit der notwendigen Schutzausrüstung - seine Stuhlbeine selbst schweißen. Das ist der spektakulärste Teil der Metallarbeiten. Alex freut sich, dass es nun endlich soweit ist. Er stellt sich zu Knittl ans Schweißgerät und legt los. Die Funken sprühen bis das Gestell des Hockers fertiggestellt ist.

Vom Rohling zur fein bearbeiteten Sitzfläche

Zeitgleich arbeitet die zweite Schülergruppe im Holzwerkraum an der Sitzfläche des Hockers. Schreiner und Bildhauer Konrad Geldhauser aus Friedberg hat sich dafür etwas Besonderes einfallen lassen. Das von ihm gefertigte Beispiel zeigt, wie das Endprodukt aussehen soll: Die Sitzfläche des Hockers wirkt mit ihren Falten und Dellen wie ein Kissen, in dem gerade noch jemand saß. Doch nicht nur optisch ist der Hocker ein Hingucker, auch das Sitzgefühl ist durchaus angenehm.

Im Werkraum liegen mehrere Sitzflächen vom Rohling bis hin zum fein geschliffenen Fertigprodukt. Das Holz muss erst verleimt, die Form aufgezeichnet, mit der Stichsäge ausgeschnitten und dann mit dem Bildhauereisen bearbeitet werden. Zum Schluss schleifen die Schüler die Oberfläche glatt und ölen das Holz. Konrad Geldhauser gibt Markus Markieton Tipps für die Handhabung des Schleifpapiers.

Anspruchsvolle Aufgabe für Menschen mit Handicap


Rund 20 Stunden dauert der Hockerbau. Das Projekt ist für die meisten Schüler eine besondere Herausforderung, da viele motorisch eingeschränkt arbeiten. Rund zwei Stunden pro Woche stehen Paul Knittl und Konrad Geldhauser den Jugendlichen zur Verfügung. Organisiert hat die Zusammenarbeit Werklehrer Robert Henseler. „Ohne soziales Engagement geht es nicht. Es macht aber unheimlich viel Spaß, hier kommt viel ehrliche Begeisterung rüber“, so Geldhauser. Gegen Ende des Schuljahres soll jeder seinen eigenen Hocker mit nach Hause nehmen. „Er wird mich jeden Tag daran erinnern, was ich selbst geschafft habe“, sagt Bernhard Heilrath stolz.
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Unser "Plus" kennzeichnet alle Beiträge, die durch den Abdruck bei unseren Partnerverlagen noch mehr Aufmerksamkeit bekommen.königsbrunner | Erschienen am 02.05.2015
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