"Eine innovative Stadt, die sich aktiv der Energiewende widmet"

Bürgermeister Franz Feigl (Foto: Stadt Königsbrunn)
 
(Foto: Wolfgang Staible / Stadt Königsbrunn)
 
Vorstand Begegnungsland Lech-Wertach (Foto: Wolfgang Staible / Stadt Königsbrunn)

Ein Gespräch mit Königsbrunns neuem Bürgermeister Franz Feigl über die vergangenen Monate und die Pläne der Stadt für 2015

mh bayern: Zuerst noch einmal herzlichen Glückwunsch zu Ihrem Sieg bei den Kommunalwahlen im Frühjahr. Wie haben Sie das erste Dreivierteljahr als Bürgermeister erlebt?

Franz Feigl: In einem Wort zusammengefasst würde ich es als „bunt“ beschreiben. Der Bürgermeister einer Stadt wie Königsbrunn hat drei Aufgaben: die Leitung einer Stadtverwaltung, die Repräsentation der Stadt nach innen wie nach außen und den Vorsitz im Stadtrat. Jede dieser Aufgaben ist für sich wiederum vielfältig und der Bürgermeister hat es jeweils mit sehr vielen unterschiedlichen Menschen zu tun. Das macht diese Aufgabe für mich so interessant und spannend, aber auch anstrengend.

mh bayern: Zudem sind Sie nun auch Vorsitzender des Vereins Begegnungsland Lech-Wertach. Welche Fortschritte konnten in diesem Jahr in der Regionalentwicklung gemacht werden?

Franz Feigl: Aufgabe des Begegnungslands Lech-Wertach ist die interkommunale Entwicklung unseres Lebensraums im Augsburger Süden. Hier konnten wir erreichen, dass nun mit dem Beitritt von Langerringen und Hiltenfingen sowie den Orts- bzw. Stadtteilen von Schwabmünchen, Bobingen und Großaitingen der gesamte südliche Landkreis Augsburg zum Begegnungsland Lech-Wertach gehört. Durch die LEWA 2014 und die erfolgreiche Erstellung der Lokalen Entwicklungsstrategie 2014 – 2022 wurde zudem ein wichtiger Beitrag für die Vernetzung der Akteure unserer Region geleistet. Was ich jedoch als besonderen Nutzen empfinde, ist der regelmäßige Austausch mit meinen Amtskollegen im Begegnungsland. Hier können – ganz ohne parteipolitische Einflüsse – kommunale Themen besprochen und gemeinsame Vorgehensweisen erörtert werden. Von diesem Netzwerk profitiert Königsbrunn immens – und das nicht nur durch Fördermittel. Das sehe ich als wesentlichen Fortschritt.

mh bayern: Ein Thema, das die Brunnenstädter schon seit Jahren bewegt, ist die mögliche Erweiterung der Straßenbahnlinie 3 nach Königsbrunn. Im Zusammenhang mit dem Augsburger Projekt „Mobilitätsdrehscheibe“ könnten sich neue Finanzierungsmöglichkeiten ergeben. Wie schätzen Sie die Chancen für die Realisierung der Straßenbahnlinie nach Königsbrunn derzeit ein?

Franz Feigl: Die Verlängerung der Straßenbahnlinie 3 ist für Königsbrunn eine Infrastrukturmaßnahme, denn Schienentrassen sind in erster Linie Entwicklungsachsen. Ich bin davon überzeugt, dass sich durch die Straßenbahnanbindung die anliegenden Gewerbe- und Wohngebiete weiterhin positiv entwickeln werden. Aber die Entscheidungsträger sind die Stadt Augsburg und der Landkreis Augsburg, die beide grundsätzliches Interesse an der Maßnahme signalisiert haben, was nicht immer so war. Die sich nun ergebenden Chancen dürfen wir nicht ungeprüft verstreichen lassen. Deshalb gilt es jetzt unter anderem, die Auswirkungen der neuen Finanzierungsmöglichkeiten und einer Reduzierung der Taktung von 10 Minuten auf 15 Minuten auf das Betriebskostendefizit zu ermitteln. Sollte sich dadurch das Defizit in einen Bereich senken lassen, der durch den Landkreis, die Stadt Augsburg und die Stadt Königsbrunn tragbar erscheint, rückt die Verlängerung der Straßenbahnlinie 3 nach Königsbrunn in greifbare Nähe.

mh bayern: Die Königstherme feiert in diesem Jahr ihr 30-jähriges Jubiläum. Doch sowohl der Zustand des Gebäudes als auch die Besucherzahlen bieten wenig Anlass zur Freude. Halten Sie es für sinnvoll, die Therme mit finanzieller Unterstützung der Stadt zu sanieren oder sind die Tage der Spaßbäder gezählt?

Franz Feigl: Die Königstherme war lange Zeit ein überörtliches Alleinstellungsmerkmal Königsbrunns und die Königsbrunner Bürgerschaft war stolz auf diese Besonderheit – machte sie doch Königsbrunn über die Ortsgrenzen hinaus bekannt. Darum ist mir dieses Thema besonders wichtig und aus diesem Grund hat die Stadt Königsbrunn ein umfassendes Gutachten zur Klärung der Zukunft der Königstherme beauftragt. Die Ergebnisse werden voraussichtlich bis Mitte Januar 2015 vorliegen und bei der Entscheidungsfindung maßgeblich helfen. Aus heutiger Sicht spricht für eine Sanierung der Königstherme ihre Lage in Königsbrunn, ihre Geschichte und Bedeutung für Königsbrunn sowie der immer noch grundsätzlich akzeptable Saunen-/Wellnessbereich. Gegen eine Sanierung sprechen die hohen Kosten, die je nach Sanierungsgrad und Zielvorgaben von grob 6 Millionen bis 15 Millionen Euro geschätzt werden. Daneben hat die Stadt Königsbrunn in den letzten 30 Jahren insgesamt ca. 9 Millionen Euro Zuschüsse für Investitionen an den Betreiber bezahlt. Für den Betrieb des Bades hat sie aber keinerlei Zuschüsse geleistet. Diesen Umstand verdanken wir den ehemals mehr als 300.000 Besuchern im Jahr. Mit den derzeit nur rund 200.000 Besuchern im Jahr können die Betriebskosten nicht erwirtschaftet werden. Die Struktur des Bades ist nach 30 Jahren nicht mehr auf dem aktuellen Stand. Die Konkurrenzsituation im Spaßbadebereich hat erheblich zugenommen. Die Königstherme als eine der ersten Thermen der 80er Jahre und Vorreiterin ist inzwischen zur Großmutter der Thermen geworden.

mh bayern: Mit der Umsetzung des Europaplatzes soll die Attraktivität des Stadtzentrums gesteigert werden. Welche Fortschritte können dabei in diesem Jahr schon verzeichnet werden und wie sehen die Planungen für 2015 aus?

Franz Feigl: Die mit bestimmten Maßgaben versehene, grundlegende Entscheidung zur Errichtung des Visioneums Energie Plus wurde im Stadtrat getroffen. Daraufhin konnten die Planung und die Vertragsverhandlungen mit den Projektpartnern Hochschule Augsburg, den LEW und dem Architekturbüro G.A.S. auch in den Details maßgeblich vorangetrieben werden. Die Verträge für die Umsetzung werden aktuell im Stadtrat diskutiert, ein Nutzungskonzept über 15 Jahre wurde bereits erarbeitet. Das erklärte Ziel ist es, dass Königsbrunn als innovative Stadt wahrgenommen wird, die sich aktiv der Energiewende widmet. Jede Bürgerin und jeder Bürger kann sich so vor Ort in einem attraktiven und zentrumsnahen Umfeld über Themen des Klimaschutzes und der Energieeffizienz zum Thema „Zukunft Wohnen“ informieren.
In Zusammenarbeit mit der Hochschule Augsburg wird darüber hinaus ein Ideenwettbewerb vorbereitet, der sich mit der Neugestaltung des Europaplatzes befasst. Für alle Maßnahmen ist es gelungen, Fördermittel der Städtebauförderung zu akquirieren.

mh bayern: Der Stadtrat hat vor kurzem beschlossen, für die Realisierung unterschiedlicher Projekte im kommenden Jahr acht Millionen Euro neue Schulden aufzunehmen. In welche Projekte sollen diese Mittel in erster Linie investiert werden?

Franz Feigl: Uns beschäftigt auch in 2015 weiterhin die Abarbeitung von Projekten aus der vergangenen Wahlperiode, dazu gehören die Kindertagesstätte am Ilsesee, der Infopavillon zur Schlacht auf dem Lechfeld, die neue Jugendfreizeitstätte und das neue Sportzentrum am Sport- und Freizeitpark West. Der Anbau von Umkleiden an die Eishalle als auch das Visioneum Energie Plus samt Europaplatz sind weitere Projekte. Dem Erwerb von Grund und Boden messe ich eine große Bedeutung bei, um eine geordnete städtische Entwicklung auch zukünftig gewährleisten zu können. Diesmal machen auch der Unterhalt und die Sanierung bestehender Liegenschaften einen großen Posten im Haushalt aus.


mh bayern: Ein aktuelles Thema, das Königsbrunn wohl auch im kommenden Jahr beschäftigen wird, ist die Unterbringung von Asylbewerbern. Welche Schritte sind in diesem Zusammenhang in Königsbrunn geplant und worin sehen Sie die größten Herausforderungen?

Franz Feigl: Den Menschen, die auf der Flucht vor politischer Verfolgung in ihrer Heimat sind, dürfen wir unsere Hilfe nicht grundsätzlich verwehren. Allerdings bestehen durch den starken Zuwanderungsstrom besondere Herausforderungen für uns als Gesellschaft, weshalb uns die Frage der menschenwürdigen Unterbringung als Stadt sehr beschäftigt. Derzeit sind in Königsbrunn 36 Asylbewerber untergebracht. Es ist aber davon auszugehen, dass uns über den Landkreis Augsburg weitere Kontingente zugewiesen werden. Für diesen Fall prüfen wir gerade die Eignung von Liegenschaften im Stadtgebiet, um dann adäquat vorbereitet zu sein.
Besonders die Integration der Asylbewerber und deren Betreuung ist dann ein wichtiger Aspekt, der nicht vernachlässigt werden darf, um ein gutes Miteinander mit den Königsbrunnerinnen und Königsbrunnern zu gewährleisten. (Fotos: Stadt Königsbrunn)
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