„Andy Römer ohne Eishockey wird es nicht geben“

26 Jahre Karriere in Trikots (v.l. Augsburg, Bayreuth, Landsberg, Königsbrunn, davor Abschiedsspieltrikot)
 
Die drei Römer-Brüder zusammen mit ihrer Mutter
 
Römer wie er vielen Eishockeyfans in Erinnerung ist

Eishockeyspieler Andreas Römer über seine Karriere, Berufliches, Privates

Aktive Spieler aller Sportarten sind meist in vieler Munde. Sei es ein Fußballstar wie Michael Ballack oder Miroslav Klose, oder auch Superstars vom Schlag eines Michael Schumachers oder Dirk Nowitzkis. Kleine Jungs spielen auf Bolzplätzen in den Trikots der Stars und Presse, Funk und Fernsehen berichten zahlreich über die angehimmelten Persönlichkeiten.
Doch was ist mit Sportlern, die ihre aktive Zeit hinter sich gelassen haben. Denken sie oft an alte Zeiten zurück? Haben sie mit ihrem ehemaligen Leben abgeschlossen? Genießen sie schlicht und einfach den Ruhestand? Es kann schließlich nicht jeder ein Franz Beckenbauer sein, der auch nach seiner Profikarriere in aller Munde ist.
Einer der viele Jahre im professionellen Sport beheimatet war, ist Andreas „Andy“ Römer. Der gebürtige Augsburger machte sich in und um die Fuggerstadt über viele Jahre einen hervorragenden Namen im schnellsten Mannschaftssport der Welt, Eishockey.
„Andy“, der Ende April das 42. Lebensjahr vollendet, stellte sich den Fragen eines jungen Mannes, der zum Zeitpunkt von Römers Profi-Karrierebeginn gerade auf drei Jahre Lebenserfahrung zurückblicken konnte.


myheimat: Wie und wann begann deine Karriere?
Römer: Begonnen habe ich 1970 mit den ersten Schritten auf der Eisfläche des Curt-Frenzel-Stadions. Danach habe ich alle Nachwuchsmannschaften beim Augsburger EV durchlaufen, bis ich 1984 erstmalig in der ersten Mannschaft, die in der zweiten Bundesliga spielte, auflaufen durfte. Angefangen habe ich, da bereits meine beiden älteren Brüder Eishockey spielten und ich infiziert wurde.
myheimat: Was passierte nachdem du in die erste Mannschaft gekommen bist?
Römer: Ich blieb bis 1987 beim AEV und wechselte, nachdem der Verein Konkurs gegangen war, nach Bayreuth. Aber das waren nur zwei Monate, da die Spieler dann vom AEV zurückgeholt wurden. Nebenbei hatte ich damals Angebote von Preußen Berlin und dem Mannheimer ERC aus der ersten Liga.
myheimat: Warum hast du die Chance nicht wahrgenommen zu einem der großen Vereine zu wechseln?
Römer: Ich war und bin zu heimatverbunden und wollte irgendwie nie wirklich weg. Vielleicht hätte ich mehr erreichen können. Aber ich war bereits mit Nachwuchsmannschaften in Berlin und die Vorstellung als 20-jähriger mit Geld alleine in Berlin samt all den dortigen Verlockungen zu sein, machte mir durchaus Sorgen.
myheimat: Gab es damals einige Ereignisse, an die du dich gerne zurückerinnerst?
Römer: Im Nachwuchs spielten wir in Holzkirchen und ich lief alleine auf den gegnerischen Torhüter zu, als diesem seine Hose herunterrutschte. Außerdem spielten wir ein großes internationales Turnier in einer amerikanischen Kaserne in Baden-Baden, an das ich mich gerne zurückerinnere. Kurios waren auch die Zeiten rund um den Konkurs des AEV. Wir zogen uns bei Kerzenschein um, da der Strom abgedreht war und wir jungen Spieler bekamen unser Geld in 2- und 5-Mark-Stücken aus einem Schuhkarton.
myheimat: Wie ging es nach dem Konkurs weiter in deinem Eishockeyleben?
Römer: Bis auf ein halbes Jahr Bayreuth (Anm. d. Red.: Saison 1990/1991) bin ich bis 1996 beim AEV geblieben. Nach dem Konkurs arbeiteten wir uns von der Oberliga wieder bis in die zweite Liga. 1995 gelang dann der Aufstieg in die DEL. Nach einem Jahr musste ich mir allerdings einen neuen Verein suchen.
myheimat: Wieso kam es dazu?
Römer: Man teilte mir mit, dass man neue Gesichter wollte. Es lag weder am Geld oder der Leistung, sondern nur am Verlangen nach neuen Spielern.
myheimat: Die Enttäuschung muss riesig gewesen sein.
Römer: Das war wohl die größte Niederlage, nach 478 Spielen im DEB-Bereich, den AEV verlassen zu müssen. Ich hätte gerne die 500 voll gemacht.
myheimat: Wohin verschlug es dich dann?
Römer: Ich hatte Angebote aus Heilbronn und Garmisch-Partenkirchen, aber letztendlich wechselte ich nach Erding in die sogenannte Hacker-Pschorr-Liga (Anm. d. Red. Sponsor der 2. Bundesliga). Allerdings folgte bereits Weihnachten der erstmalige Wechsel nach Königsbrunn, dann im Sommer ging ich nach Landsberg. Dort war es sportlich super, aber finanziell durcheinander. So kam 1998 der Wechsel zum Pro Junior Team beim AEV in Regional- und Oberliga. 2000 folgte der endgültige Wechsel nach Königsbrunn.
myheimat: Deinen endgültigen Abschied vom aktiven Sport hast du 2006 gefeiert.
Römer: Mein Abschiedsspiel war wohl neben dem Aufstieg in die DEL das Größte in meiner Karriere, da fast alle Freunde und Mitspieler aus alten Tagen mit von der Partie waren.
myheimat: Verbunden geblieben bist du dem Eishockey allerdings als Nachwuchstrainer.
Römer: Bereits mit meinem Wechsel nach Königsbrunn half ich in der Laufschule mit, 2001 machte ich meinen Trainerschein und trainierte dann drei Jahre die Kleinstschüler und seitdem die Kleinschüler der Pinguine.
myheimat: Wie kommt es das du dich für den Trainerjob entschieden hast?
Römer: Ohne Eishockey wird es Andy Römer nicht geben. Es macht unwahrscheinlich viel Spaß mit den Kleinen zu üben. Im März war ich mit der Mannschaft bei einem internationalen Turnier in Sterzing, Italien. Mitzubekommen was für ein Erlebnis das für die Kinder war, ist ein tolles Gefühl. Außerdem möchte ich meine Erfahrung weitergeben und vielleicht einen Teil dazu beitragen das Eishockey wieder stärker zu machen.
myheimat: Kurz und knapp, deine besten und unangenehmsten Mitspieler und Trainer.
Römer (nach etwas Überlegen): Beste Mitspieler Georg Hetmann, Jaroslav Pouzar, Rob Heidt, Thomas Gröger und Roland Hanemann. Unangenehmster waren eindeutig Hannes Lohrer aus Pfaffenhofen und die Greiter-Brüder aus Sonthofen. Bester Trainer war ganz klar mein Ziehvater Jojo Chapla.
myheimat: Was machst du beruflich?
Römer: Ich bin gelernter Gas- / Wasserinstallateur und habe, bis auf eine Saison, immer gearbeitet. Früher half mein Chef unheimlich mit, indem er mich oft freistellte und mir so das Eishockeyspielen ermöglichte.
myheimat: Wie schaut es im Privatleben des „Andy“ Römer aus?
Römer: Verheiratet bin ich seit 1995. Kennen gelernt habe ich meine Frau Inga in der Nachbarschaft. Ein Jahr musste ich darum kämpfen mit ihr auszugehen, da sie ziemliche Vorurteile gegenüber dem Eishockeyspieler Römer hatte. Durch sie kam ich wohnlich bedingt nach Königsbrunn, da sie von hier stammt. 1996 kam unser erster Sohn Joshua, 2001 der Zweite, Luis, zur Welt.
myheimat: Herzlichen Dank für das Gespräch und weiterhin auf und neben dem Eis viel Erfolg.

Entweder – Oder
9 Fragen an die Nummer 9 des Augsburger Eishockeysports, Andreas Römer

1. Wasser oder Bier? – Wasser
2. Strand oder Berge? – Strand
3. Fußball oder Eishockey? – Eisfußball
4. Sommer oder Winter? – Sommer
5. Balkon oder Biergarten? – Biergarten
6. Trainer oder Spieler? – Jetzt Trainer
7. Kochen oder bringen lassen? – Kochen
8. Kino oder DVD? – Kino
9. Angestellter oder Chef? – (Römer schmunzelnd) Chef

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1 Kommentar zum Beitrag
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Günther Friemel aus Königsbrunn am 14.04.2007 um 17:12 Uhr  
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