Die Weihnachtswichtel zu Köln und die Grossherzigkeit

  Köln: Weihnachtsmarkt | Hoch oben, in der Gondel des kleinen nostalgischen Riesenrades saßen Blinki und Flinki, die beiden Weihnachtswichtel und schauten über den Markt der Heinzel. Gerade war es ein wenig still auf dem schönen Weihnachtsmarkt, denn es war noch sehr früh und sehr kalt. Nur wenige Leute mischten sich unter die Händler und Schausteller, so dass es den beiden ein wenig langweilig war. Auch die anderen Wichtel, die im verborgenen lebten und zur Familie von Blinki und Flinki gehörten, saßen hier und dort an den Buden und Karussells. Die Frau vom Strickmodenstand sagte zu ihrer Kollegin Angelika, dass sie sich heute Wolle und Stricknadeln mitgebracht habe und etwas stricken wollte. Die Kollegin lachte laut als sie erwiderte: „Haben wir hier nicht genug Strickwaren oder arbeitest du schon an der Kollektion für nächstes Jahr?“
Die Frau lächelte und antwortete nur, dass sie ein paar kleine Schals stricken wollte. Eine Gruppe japanischer Touristen stand wenig später vor dem Stand und schauten der Frau beim Stricken zu. Schnell hatte sie ein paar Schals fertig. Einige der Touristen fotografierten sie dabei. Es waren winzig kleine Schals und die Japaner fragten, ob diese für Puppen seien. Wieder lächelte sie und antwortete höflich: „Nein für gute Freunde.“ Die Kollegin schüttelte den Kopf und raunte ihr zu:

„Verkauf die doch. Die wollen doch unbedingt welche haben, siehst du das denn nicht?“

„Die würden sie doch nur irgendwelchen Puppen anziehen.“ „Ja und du, was hast du damit vor?“ „Verschenken!“ antwortete sie knapp. Langsam wurde es voller auf dem Markt, dadurch dass es so kalt war, verkauften sie heute viel mehr Strickwaren als an anderen Tagen und so wurden die kleinen Schals noch mehrfach bewundert und immer wieder mussten sie sagen, dass sie nicht käuflich zu erwerben waren. Der Tag verlief für die Weihnachtswichtel recht ruhig und es gab kaum etwas zu tun. Erst gegen Abend halfen sie einem kleinen Mädchen, welches seine Eltern suchte. In dem Gedränge hatte die Kleine sie aus den Augen verloren und Blinki und Flinki zogen sie in die richtige Richtung und so fanden die Eltern sie schnell wieder. Vor dem Strickwaren Stand sahen sie sich alle wieder und die Eltern schlossen sie glücklich in die Arme. „Wie hast du uns gefunden?“ fragte die Mutter. „Da hat mich was hergezogen!“ antwortete das kleine Mädchen. Der Vater lächelte und die Strickwarenverkäuferin, die die kleinen Schals strickte auch. Sie nahm einen der Schals und gab ihn der Kleinen. „Hier für deine Puppe. Es ist ein Glücksschal.“ Dankbar gingen die Eltern mit ihrem Mädel weiter und Blinki und Flinki schauten sich die Bude und ihre Waren genauer an. Ein Glücksschal hatte die Verkäuferin gesagt. Wie süß, dass sie der Kleinen so etwas erzählt hatte. Die beiden Wichtelmännchen staunten nicht schlecht als sie die vielen kleinen Schals dort liegen sahen. Die Verkäuferin Angelika war nicht besonders erfreut über diese Geschichte und sie meinte: „Wozu hast du die ganzen Schals denn nun gestrickt? Wir könnten sie wunderbar verkaufen und du gibst sie diesem dummen Kind.“ Blinki und Flinki horchten auf und schauten finster drein. Gut das die Menschen sie nicht sehen konnten, es war nur den Tieren möglich sie entweder zu sehen, zu hören oder zu riechen. „Was sagst du da Angelika, sie sei ein dummes Kind? Woher willst du das wissen. Überhaupt, hast du dich je gefragt, warum manche Menschen etwas tun, obwohl man es selber nicht verstehen kann? Du willst schon den ganzen Tag diese Schals verkaufen und ich nicht. Ich will sie verschenken, an die, die sie verdienen und nötig haben. Angelika es fehlt dir an Großherzigkeit, du wirst nur getrieben von deiner Gier nach Geld. Du interessiert dich nicht wirklich für die Menschen sondern nur für ihr Geld.“ „Ich bin Verkäuferin und lebe schließlich vom Verkauf der Waren und hab nichts zu verschenken.“ „Siehst du Angelika, genau da ist dein Fehler. Tue Gutes so wird auch dir Gutes widerfahren.“ Angelika wollte nun wissen, wer denn so viele Schals bekommen würde und dann noch so winzige und was daran schon gut sein sollte.
„Abwarten!“ war die Antwort. „Wir machen jetzt Feierabend und wer sie gebrauchen kann und wem sie passen, der soll sie sich nehmen. Verkaufen kann ich sie immer noch, wenn sie nicht gebraucht werden.“
Angelika verstand nichts von alledem und als sie später zu Hause war, schüttelte sie immer noch den Kopf über ihre Kollegin.
Die Wichtel hatten genau zugehört was die Strickwarenverkäuferin gesagt hatte und als es still auf dem Markt wurde, sah man Blinki und Flinki mit den Schals über das Karussell hüpfen und jedem Wichtel, der einen Schal gebrauchen konnte, bekam einen geschenkt. Immer wieder mussten sie in der Nacht die Geschichte von dem Mädchen und der strickenden Verkäuferin erzählen und so kam es das morgens kein einziger kleiner Schal mehr in der Bude war.
Wieder erwachte der Markt der Heinzel zu neuem Leben und in der Strickwarenbude traute Angelika ihren Augen nicht, es lag kein einziger kleiner Schal mehr da und als die andere Verkäuferin kam, lächelte sie und sagte: „Hab ich es doch gewusst. Sie haben sie gebrauchen können.“ „Wer? Gab es einen Einbruch?“ „Nein Angelika, es müssen die Weihnachtswichtel gewesen sein, die haben sich die Schals geholt.“ Angelika lachte laut auf und rief: „Was für ein Unfug! Für mich zählt mein Umsatz.“ Dies hörte ein Eichhörnchen, welches in dem Baum vor der Bude saß und nur kurze Zeit später hatte es den Wichteln von Angelika erzählt.
In der Bude strickte die Verkäuferin diesmal kleine Fäustlinge und Angelika belächelte sie mitleidig. Am Abend holten sich die Wichtel die fertigen Fäustlinge und am anderen Tag der wieder sehr kalt war, fror nicht einer der Weihnachtswichel. Die Frau strickte ihnen nun noch Ohrschützer und auch diese verschwanden über Nacht. Angelika hätte viel lieber all diese Dinge verkauft und sie glaubte immer noch nicht an die Wichtelmännchen. Sie glaubte vielmehr daran, dass die Strickerin nachts heimlich in die Bude ging um die Sachen wegzunehmen und ihr Glauben zu machen, es seien Wichtel gewesen.
Nachdem nun alle Wichtel so reich beschenkt waren beschlossen Blinki und Flinki, dass sie der Frau auch eine Freude machen wollten. Sie beantragten beim Oberwichtel 7 Tage Glück für die fleißige und gutmütige Strickerin und für Angelika, die von ihrer Geldgier zerfressen wurde 7 Tage Pech.
Am darauf folgenden Tag konnte die Strickwarenverkäuferin einen großen Umsatz machen und fast alle Waren verkaufen. Angelika, die sich bereits beide Hände rieb, da sie am Umsatz beteiligt war, zerriss sich als erstes ihre Jacke an einer herausragenden Schraube und dann fiel auch noch das Handy zu Boden und das Display zerbrach. Eine Reparatur die einiges kosten würde. Und so sollte es für sie noch eine ganze Woche weitergehen. Denn Habgier war etwas, was die Weihnachtswichtel gar nicht leiden konnten.
Flinki und Blinki schauten aus der Ecke des Standes zu und fragten sich, ob Angelika überhaupt wusste, wie arm sie in ihrer Gier nach Geld doch war und wie reich ihre Kollegin war, die mit ihrer Großherzigkeit eine ganze Wichtelsippe glücklich gemacht hatte.

Für diesen Winter war nun auch ihre Arbeit getan und als die Schausteller und Händler kurz darauf ihre Geschäfte abbauten, sah man zwei glückliche Weihnachtswichtel mit Fäustlingen, Ohrenschützern und Schal über die Eisbahn laufen und freudige Pirouetten drehen. Sie hatten aber auch allen Grund dazu, schließlich hatten sie in diesem Jahr dem Weihnachtsmarkt wieder zu seinem Glanz verholfen und vielen Menschen einen Spiegel vorgehalten. Jetzt konnte Weihnachten kommen und die Wichtelmännchen würden sich im nächsten Jahr alle wiedersehen, auf dem Markt der Heinzel zu Köln.

(Text: ©Elisabeth van Langen)
1
Einem Mitglied gefällt das:
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
1 Kommentar
1.189
Elisabeth van Langen aus Köln | 21.12.2013 | 10:07  
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.