Rückblick: Vor einem Vierteljahrhundert: Fußball-Weltmeisterschaft in Italien. Teil 19: Medien

Das Sportmagazin "kicker" berichtete von insgesamt 6.000 akkreditierten Journalisten vor Ort.

In insgesamt 167 Ländern weltweit konnten Fernsehzuschauer das Turnier mitverfolgen.

Bundeskanzler Helmut Kohl sah sich übrigens die meisten Spiele der WM mit Kanzleramtsminister Rudolf Seiters an.

Hans-Peter Briegel, ursprünglicher FC-Kaiserslautern-Spieler und späterer Legionär bei verschiedenen italienischen Vereinen, hatte zu dieser Zeit eine Kolumne im "kicker" unter dem Titel "Briegels Brief", von wo aus er Stimmungsberichte aus Italien lieferte.

Ebenfalls im "kicker" schrieb zur selben Zeit unter dem Glossentitel "Blickensdörfers Blickwinkel" der Bestseller-Autor Hans Blickensdörfer ("Die Baskenmütze", "Salz im Kaffee".). Thematische Herangehensweise ähnlich wie bei Briegel. (Er kolportierte unter anderem den bemerkenswerten Satz seines italienischen Freundes: "Die WM ist ein Zirkus, und es gibt keinen Zirkus ohne Clowns, Artisten und Tiere."

Täglich, gegen 12:45 Uhr, machte Franz Beckenbauer im großen Konferenzraum des Castello di Casiglio seinen Bericht zur Lage der Nationalmannschaft bekannt.

Die deutschen öffentlich-rechtlichen Fernsehsender ARD, ZDF und DFF (vormals Fernsehen der DDR) zeigten alle WM-Spiele im Ausmaß von insgesamt 180 Stunden.
Kommentatoren des öffentlich-rechtlichen Fernsehens der Bundesrepublik:
- ARD: Heribert Faßbender, Walter Johannsen, Wilfried Luchtenberg, Gerd Rubenbauer, Fritz von Thurn und Taxis.
- ZDF: Dieter Kürten, Günter-Peter Ploog, Marcel Reif.
Der neue Bundestrainer Berti Vogts berichtete hinterher in der SPORT-BILD: "In Mailand waren es 140 deutsche Journalisten, dazu die Fernsehsender."

Ein spezieller deutsch-deutscher Aspekt dieser WM äußerte sich darin, dass dies für den Deutschen Fernsehfunk (DFF) das letzte sportliche Großereignis vor seiner Abschaltung mit Jahresende 1991 war.
In der Vorrunde teilten sich DFF 1 und DFF 2 die Arbeit. Das erste Programm übertrug die Nachmittagsspiele (ab 16:45 Uhr), das zweite Programm die Matches am Abend (ab 20:45 Uhr). Ab der Hauptrunde übertrug dann DFF 2 allein alle Spiele. Dazu kam am Vormittag ab 10:00 Uhr noch einmal die Aufzeichnung der Spiele des Abends.
Vier Reporter des DFF berichteten vor Ort: Wolfgang Hempel, Gottfried Weise, Uwe Grandel und Bodo Boek.

Und noch ein Fernseh-Detail, das vermutlich nur wenigen Zuschauern auffiel: Beim Einblenden der Spielstände auf dem Fernsehbildschirm stand erstmal Germany. Nicht mehr wie früher FRG für Federal Republic of Germany oder West-Germany, einfach Germany.
Auch hier ein langsames Einkehren deutscher Normalität.
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