Kindheitslexikon: Weihnachtswünsche

Frohes Fest!
 
Weihnachten 1977: Mein erstes Weihnachten in der DDR nach meiner Adoption aus der Sowjetunion. Zu dem ich viele Autos bekam!
 
Ab hier ein wenig Weihnachtsbaumschmuck. Diese Sterne (Es gibt noch mehr davon.) habe ich als Kind aus irgendeinem Bastelbogen gebastelt. Seitdem hängen wir sie Jahr für Jahr mit an den Weihnachtsbaum.
 
Hat mal irgendjemand aus unserer Verwandtschaft gebastelt. Seitdem hängen wir es ebenfalls jedes Jahr mit an den Weihnachtsbaum.
Allen myheimat-Schreibern ein recht frohes, besinnliches und gesundes Weihnachtsfest!

Christoph Altrogge

(Die Fahrzeuge da unten auf dem Bild sollen die Spielzeugautos symbolisieren, die man zu Weihnachten so geschenkt bekommt. Keineswegs, dass ich jemandem wünsche, dass er im Weihnachtsstau stecken bleibt!)


Verschiedene Erinnerungen an das Fest, vor und während meiner Zeit:

In früheren Zeiten sah man am Ersten und Zweiten Weihnachtsfeiertag überall in den Straßen der Stadt Leute, die zu Fuß zu ihren Verwandten unterwegs waren. Die Kinder hatten in der Regel ihre Geschenke dabei, um sie vorzuführen. Richtige "Wallfahrten" müssen das gewesen sein.
Mit zunehmender Motorisierung verlor sich das dann irgendwann.

Direkt nach dem Zweiten Weltkrieg gab es Versuche einiger übereifriger Kommunisten, in der sowjetisch besetzten Zone in Deutschland das Weihnachtsfest abzuschaffen und durch das russische Neujahrsfest zu ersetzen. Es blieb allerdings beim Wollen, ein solcher kultureller Eingriff hätte in der Praxis schlichtweg nicht funktioniert.

Weihnachten 1977: Mein erstes Weihnachten in der DDR nach meiner Adoption aus der Sowjetunion. Zu dem ich viele Autos bekam!

Auf Weihnachten 1978 folgte der Katastrophenwinter des Jahres 1979. Die Infrastruktur des Landes schrammte bedenklich am Zusammenbruch entlang. Einige Dörfer an der Ostsee waren völlig eingeschneit, sodass sie nur von Hubschraubern aus versorgt werden konnten. Auch ein paar Todesfälle waren zu beklagen. Bis Ende April hielt diese Kälteperiode an.

Weihnachten 1979 bekam ich eine elektrische Eisenbahn. In den Jahren danach bis zum Beginn der Neunziger kamen immer mehr Plastikhäuschen dazu, größtenteils als Bausätze, welche ich in den Weihnachtsferien bastelte.

Weihnachten 1980 brachte der Weihnachtsmann unter anderem eine Autorennbahn-Metallplatte für aufziehbare Metallautos. (Samt Autos natürlich.)

Kurz vor Weihnachten 1981 war ich mit meiner Mutter und meiner Großmutter in Erfurt. Mutter ging ins dortige Kaufhaus, um noch ein paar Weihnachtsgeschenke für mich einzukaufen, während Großmutter mit mir unten auf der Straße wartete. Von rechts kam eine der Erfurter Straßenbahnen. Großmutter machte darauf aufmerksam mit den Worten: "Da kommt die Elektrische!"
Ich habe bald Tränen gelacht über den kuriosen Begriff, den ich noch nie zuvor gehört hatte!
Wenn ich erst einmal in dem Alter bin, wird sich die dann junge Generation wahrscheinlich über Begriffe wie Internet, E-Mail oder Browser amüsieren, was dann in jener Zukunft irgendwie vollkommen anders heißen wird.

Weihnachten 1984. Ein ganz belangloses Detail habe ich hier noch vor dem geistigen Auge: Als ich die Weihnachtsstube betrat, in der die elektrischen Kerzen am von oben bis unten mit Lametta geschmückten Weihnachtsbaum bereits brannten, fiel mein Blick zunächst auf die Pappe mit den Motivdrucken aus meinem leergegessenen Schokoladenweihnachtskalender, die wir beiläufig auf einem Fach des Bücherregals abgelegt hatten.
Ich bekam jedes Jahr zu Weihnachten Plastikhäuschen-Bausätze für die Modelleisenbahn geschenkt. Die von jenem Jahr hatte ich zum ersten Mal ganz alleine gemacht. Außerdem kann ich mich noch an etliche Kinderbücher aus der Reihe "Die kleinen Trompeterbücher" und an die Eisenbahnbücher "Schmalspurbahnen zwischen Spree und Neiße" und "Die Mecklenburg-Pommersche Schmalspurbahn" erinnern, welche ich zu diesem Weihnachten geschenkt bekam.
Ebenfalls in der Weihnachtszeit 1984 sah ich mit meiner Familie im Westfernsehen zum ersten Mal die Sissi-Filme.

Zu Weihnachten 1985 bekam ich unter anderem meine zweite Federmappe für die Schule geschenkt. Sie war in wesentlichen Bestandteilen grün, kann ich mich noch erinnern.
Ebenfalls zu diesem Weihnachten bekam ich das sehr schöne Kinderbuch "Max und Lottchen in der Schule" geschenkt, welches ich noch während der Festtage durchlas.
Auch noch von diesem Weihnachtsfest weiß ich, dass am Ersten Weihnachtsfeiertag am Vormittag im Fernsehen die DEFA-Verfilmung von "Frau Holle" lief.

Die Weihnachtsserie des DDR-Fernsehens von 1987 hieß "Spuk von draußen". Sie handelte davon, wie eine sehr langlebige außerirdische Spezies zuerst zu Beginn der Neuzeit und schließlich in der Gegenwart im Erzgebirge landete, um dort allerlei dunklen Geschäften nachzugehen.

An sich waren wir in unserer Familie vom Musikgeschmack her nicht unbedingt Fans der Show "Musikantenstadl". An eine Folge jedoch denken wir heute noch zurück, und zwar die anlässlich des Mauerfalls am 17. Dezember 1989 aus Cottbus in der Noch-DDR übertragene Sonderfolge. Die Stimmung bei dieser Veranstaltung war aufgrund der aktuellen welthistorischen Umwälzungen unglaublich! Sehr positiv bei allen Beteiligten kam auch die authentische Ergriffenheit des Stargastes Harald Juhnke über die Situation an.

Der damalige deutsche Bundeskanzler Helmut Kohl hielt am 18. Dezember 1989 seine berühmte Rede vor der Ruine der Dresdner Frauenkirche, wo er erstmals die deutsche Einheit forderte.

Unsere Westverwandtschaft schickte uns in den Paketen unter anderem auch immer Ananaskonserven. Die vom Paket vor Weihnachten wurden natürlich immer für Weihnachten aufgehoben. Bei Großmutter oben in der Stube gab es zuerst das Festessen, und dann als Nachtisch mit selbergemachter Schlagsahne die Ananasringe. Ich bekam natürlich immer ungefähr zwei Stück mehr. Weihnachten 1989 war wohl die letzte Ration aus einem Westpaket gewesen. Bald darauf konnten wir diese Konserven selbst im Laden kaufen.
Dieser 25. war, wie ich es schon oft von diesem Datum in Erinnerung hatte, hell und wolkenlos.
Als wir zu Großmutter hoch zum Essen gingen, hatte ich das Thriller-Buch "Eiskalt im Paradies", welches ich zu Weihnachten geschenkt bekommen hatte und über die Feiertage zu lesen begonnen hatte, mitgenommen.

Ein ziemlich scheußliches Weihnachten war 1990, da kurz zuvor eine Mitschülerin durch Freitod aus dem Leben geschieden war. Mit noch nicht einmal 15 Jahren wirft dich so etwas ziemlich aus der Bahn. In der Zeit danach läufst du erst einmal durch die Gegend, als hättest du mit Karacho eine mit dem Vorschlaghammer vor den Schädel bekommen.

Weihnachten 1991 stand dann schon ziemlich im Zeichen des Umzuges nach Österreich, welcher elf Monate später über die Bühne ging.

Am 25. Dezember 1992 betrat ich von Niederösterreich aus, wo wir damals lebten, zum ersten Mal Wien.

Weihnachten 1993: Kurz zuvor hatte ich meinen ersten Arbeitgeber im Pressegeschäft kennengelernt. Ich begann für Ihn dann ab Anfang 1994 zu arbeiten.

Weihnachten 1994: Die Zeitung, für die ich arbeitete, feierte ihr einjähriges Bestehen. Mein Arbeitgeber hatte zu diesem Anlass Weinflaschen mit speziell dafür gestalteten Etiketten bedrucken lassen. Kurz vor den Festtagen brachte er bei uns zuhause ein paar Flaschen vorbei.

1996 gab es seit vielen Jahren wieder einmal weiße Weihnachten.

Weihnachten 1999 stand bereits ganz im Zeichen der Millenniumssilvesterfeiern.

Weihnachten 2001: Abschied von den nationalen Währungen. Mit Jahresbeginn 2002 wurde der Euro gesetzliches Zahlungsmittel.

2004 feierte ich, fast genau vier Wochen nach dem Umzug, zum ersten Mal Weihnachten in Wien.


"Zwischen Frühstück und Gänsebraten" war von 1957 bis 1991 die Weihnachtsshow des DDR-Fernsehens, welche immer am 25. Dezember zwischen 11:00 und 13:00 Uhr im 1. Programm ausgestrahlt wurde. Moderiert von Margot Ebert und Heinz Quermann.

Mein absolutes Fernsehpflichtprogramm heute noch ist die Übertragung des Weihnachtsoratoriums von Johann Sebastian Bach alljährlich zu Heiligabend aus der Thomaskirche zu Leipzig auf MDR.
Dazu die Wikipedia:
"Das Weihnachtsoratorium BWV 248 ist ein sechsteiliges Oratorium für Soli (SATB), gemischten Chor und Orchester von Johann Sebastian Bach. Die einzelnen Teile wurden erstmals vom Thomanerchor in Leipzig in den sechs Gottesdiensten zwischen dem ersten Weihnachtsfeiertag 1734 und dem Epiphaniasfest 1735 in der Nikolaikirche und der Thomaskirche aufgeführt. Feierliche Eröffnungs- und Schlusschöre, die Vertonung der neutestamentlichen Weihnachtsgeschichte in den Rezitativen, eingestreute Weihnachtschoräle und Arien der Gesangssolisten prägen das Oratorium. Die sechs Teile werden durch die Freude über die Geburt Christi verbunden. Von der musikalischen Gattung steht das Weihnachts-Oratorium Bachs oratorischen Passionen nahe. Es ist das populärste aller geistlichen Vokalwerke Bachs und zählt zu seinen berühmtesten geistlichen Kompositionen. Das Oratorium wird heute häufig in der Advents- und Weihnachtszeit ganz oder in Teilen aufgeführt."
(Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Weihnachtsoratorium_(Bach), Abruf vom 5. März 2016)


Ein paar Beiträge zum Thema Weihnachten hatte ich hier schon veröffentlicht:

http://www.meinbezirk.at/ottakring/kultur/jahreskr...

http://www.meinbezirk.at/ottakring/kultur/jahreskr...

http://www.meinbezirk.at/ottakring/kultur/jahreskr...
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