Kindheitslexikon: Lebensmittel- und Tabakgeschäfte in Kölleda

Eine Lageskizze von Maxi Herta Altrogge. Relevant sind hier vor allem die Kästchen "Konsum-Warenlager" und "neuer Laden". "Konsum-Warenlager": Selbsterklärend. Der hier so bezeichnete "neue Laden" ist ein mehr oder weniger provisorischer Supermarkt, der irgendwann nach der Wiedervereinigung in einer der Lagerhallen der Firma Axthelm eingerichtet wurde. Es gab dort en gros sehr günstige Abverkaufswaren aus alten DDR-Beständen, aber auch ein gewisses Sortiment an westlichen Waren.
 
Blick auf das Backleber Tor auf einer Aufnahme aus dem Jahr 1964. Im Haus direkt davor, dessen Fassade durch die Dachrinne zweigeteilt ist, sieht man noch sehr schön die seinerzeitige Obstaufkaufsstelle. Der augenscheinliche Holzrahmen in der Wand war die Geschäftsauslage, direkt daneben der Eingang. Als Geschäftslokal wurde das Anwesen zu dem Zeitpunkt allerdings schon nicht mehr genutzt.
Auch hier wäre eine genauere Abgrenzung aufgrund der damaligen Sortimentspolitik der Geschäfte im Einzelfall zu schwierig geworden.

Geschäft: "Konsum"-Verkaufsstelle 44.
Frühere Nutzung/Vorbesitzer: Familie Laue. Inhaber in den Dreißiger Jahren Carl Laue. War laut historischer Eigenwerbung ein Kolonialwaren- und Delikatess-Geschäft.
Wurde vermutlich im Jahr 1993 ein Blumengeschäft.
Lage: Bahnhofstraße/Ecke Dr.-Stockmann-Straße.

Geschäft: "Treppen-Konsum" (Volksmundbezeichnung, da eine Außentreppe zum Eingang des Geschäftes führte.).
Gegen Ende der Achtziger Jahre Spezialgeschäft für Diabetiker-Lebensmittel.
Frühere Nutzung/Vorbesitzer: Gegründet 1809. Wurde noch in den Dreißiger Jahren unter dem Namen Thilo Junne geführt. Inhaber zu Beginn der 1930-er Jahre: Hermann Preßler. Führte damals laut historischer Eigenwerbung: Feinkost, Kolonialwaren, lebende Fische, Weine, Liköre, Tabak, Zigarren, Zigaretten, Kaffees eigener Röstung, landwirtschaftliche Sämereien.
Lage: Bahnhofstraße/Ecke Gerbergasse, gegenüber Bäckergasse.

Geschäft: Kiosk in der Brückenfeldstraße in der Siedlung.
Frühere Nutzung/Vorbesitzer: Unbekannt.
Lage: Brückenfeldstraße.

Geschäft: Lebensmittelgeschäft am Beginn der Straße der DSF, Südseite, am Eingang zum Markt.
Frühere Nutzung/Vorbesitzer: Inhaber zu Beginn der 1930-er Jahre: Carl Haupt. Davor muss es Otto Haupt gewesen sein, da das Geschäft zu diesem Zeitpunkt offiziell den Namen Otto Haupt trug. Angeboten wurden zu Beginn der Dreißiger Jahre laut einer historischen Werbeeinschaltung Kolonialwaren, Kleesaaten, Weine, Spirituosen, Tabakfabrikate, Zucker-, Salz- und Soda-Niederlage.
Lage: Markt/Ecke Straße der DSF.

Geschäft: Gemüseladen.
Im Volksmund übrigens meistens "Gemüse-HO" genannt, da er der staatlichen Einzelhandelskette "Handelsorganisation" (HO) unterstand.
Für die doch eher kleine Ladenlokalfläche führte er ein recht beachtliches Sortiment an Obst, Gemüse, tiefgefrorenem Gemüse, Säften, Schnittblumen und Tütensamen.
Frühere Nutzung/Vorbesitzer: Bis 1958 Reparaturwerkstatt Heyne. Dann ab irgendwann bis zum deutschen Schicksalsjahr 1990 Gemüse-Laden. Ich selbst kannte den Laden ab frühester Kindheit nur als Gemüseladen. Ab 1990 Autohaus Heyne.
Lage: Markt, in derselben Häuserzeile wie May. Wenn man von Westen her kam, das zweite Haus. Adresse vermutlich Markt 19.

Geschäft: Gemüseladen in der Bahnhofstraße.
Frühere Nutzung/Vorbesitzer: Ganz früher, bis irgendwann nach Kriegsende, befand sich mal eine Stellmacherei in dem Geschäftslokal.
Später wurde es die Kölledaer Filiale des Dienstleistungskombinates.
Nachdem das Dienstleistungskombinat dort ausgezogen war, ging da ein Spielwarenladen rein. Die Betreiber machten nebenher übrigens auch kleine Reparaturen von Gegenständen aus dem Haushalt (Schirme, Strümpfe, kleine Elektrogeräte und Ähnliches).
Um das Jahr 1987 herum befand sich dort mal ganz kurz ein Gemüseladen drin.
Lage: Auf der Ostseite der Bahnhofstraße, gleich im übernächsten Haus nach dem Eckhaus zur Prof.-Hofmann-Straße, wenn man Richtung Stadtinneres ging.

Geschäft: H. Boerner Nachf..
Inhaber zu Beginn der 1930-er Jahre: Kurt May. Handelte zu jener Zeit mit: Feinkost, Kolonialwaren, Wein, Zigarren, Zigaretten, Tabak, Kaffeerösterei mit Kraftbetrieb, lebende Flussfische, Seefische.
Hieß auch noch während meiner Kindheit im Volksmund Firma May, obwohl zu diesem Zeitpunkt längst verstaatlicht.
Frühere Nutzung/Vorbesitzer: An dieser Stelle kann nur auf den Namen H. Boerner verwiesen werden.
Lage: Markt 22/Ecke Enge Gasse.

Geschäft: "Konsum"-Verkaufsstelle (?).
Frühere Nutzung/Vorbesitzer: Lebensmittelgeschäft Koch.
Haus wurde im Frühsommer 1986 abgerissen und durch einen Neubau ersetzt. Im Nachfolgerbau befand sich im Erdgeschoss aber auch wieder ein Lebensmittelgeschäft.
Lage: Am Ende der Straße der DSF/Ecke Straße Am Brauhaus. Nahe den Abzweigungen zu den Straßen "Brückentor" und "Am Pferdeteich."

Geschäft: Kiosk in der Johann-Sebastian-Bach-Straße.
Frühere Nutzung/Vorbesitzer: Erstnutzung.
Wurde im Jahr 1993 oder 1994 abgerissen, um Platz zu schaffen für den Neubau einer Cafeteria.
Lage: Nordseite der Johann-Sebastian-Bach-Straße, Nähe Weimarisches Tor.
Wenn man von der Ostseite des Weimarischen Tors kommend die Bach-Straße betrat, stand die Baracke in ungefähr 10 Meter Entfernung auf der Wiese zwischen Fußweg und Privatgärten.

Geschäft: "Delikat" (Hierbei handelte es sich um eine DDR-weite Handelskette, die Lebensmittel aus dem nichtsozialistischen Ausland sowie qualitativ besonders hoch stehende Lebensmittel aus der DDR vertrieb. Das Preisniveau war daher für DDR-Verhältnisse ziemlich hoch. Nichtsdestotrotz kann ich mich aber daran erinnern, dass dieses Geschäft in unserer Stadt immer sehr gut frequentiert war.)
Frühere Nutzung/Vorbesitzer: Lebensmittelgeschäft "Damm's & Garf's". (Bei der Schreibweise der Namen bin ich mir allerdings nicht hundertprozentig sicher.)
Lage: Mitte der Südseite der Prof.-Hofmann-Straße.

Geschäft: "Schnapsladen". Die genaue Bezeichnung ist mir unbekannt.
Existierte meinen Erinnerungen nach auf jeden Fall Mitte der Achtziger Jahre.
Frühere Nutzung/Vorbesitzer: Unbekannt.
Lage: Das Geschäft, das zwischen Foto-Görtz und dem Eis-Café lag.

Geschäft: "Fischladen". Die genaue Bezeichnung ist mir unbekannt.
(Das Angebot war übrigens ganz exzellent, meine Leidenschaft für Fisch, die bis heute anhält, ist durch dieses Geschäft geweckt worden!)
Frühere Nutzung/Vorbesitzer: Unbekannt.
Lage: Straße der DSF, Nordseite. Am Ende der Straße Richtung Ortsausgang hin, das erste Haus in der Abzweigung Richtung "Brauhaus".

Geschäft: Um 1990 herum entstandener Supermarkt auf dem Gelände der Firma Axthelm.
Frühere Nutzung/Vorbesitzer: Lagerhalle der Spedition Axthelm.
Lage: Siehe Lageskizze.


Lebensmittelgeschäfte, die vor meiner Zeit in der Stadt existierten:

Geschäft: Kolonialwarengeschäft C. Reifschneider.
Spätere Nutzung/Nachbesitzer: An der Stelle wurde später ein Wohnhaus-Neubau errichtet.
Lage: Roßplatz 24, neben Bäckerei Triebel.

Geschäft: Buchmann.
Spätere Nutzung/Nachbesitzer: War später Ausstellungsraum der Firma Möbel-Becker.
Lage: Pfortenstraße, neben Farbengeschäft Mundt/später Ohlenforst.

Geschäft: Ulrich. (Schrieben sich im Gegensatz zu den Drogerie-Ulrichs nur mit einem "L".)
Spätere Nutzung/Nachbesitzer: Unbekannt.
Lage: Erfurter Straße/Kalte Gasse.

Geschäft: "Drogerie, Photohandlung und Kolonialwaren Alfred Ullrich. F. W. Kahnmeyer Nachf.". Gegründet 1786.
Lage: Brückenstraße 13. Ecke "Am Pferdeteich". (Wenn man mit dem Gesicht zum Eingang stand, zweigte gleich rechts daneben der "Pferdeteich" ab.)

Geschäft: Willy Schröter. Zigarren, Zigaretten, Tabak, Kolonialwaren.
Spätere Nutzung/Nachbesitzer: Resi Dittmar. "Krimskrams"-Lebensmittelladen.
Wieder später Radio-Reparaturwerkstatt.
Nach Wende Schreibwaren.
Lage: Roßplatz 30. (Ostseite, letztes Haus vor der Häuserzeilenlücke, die zum Stadtgraben führt.)

Geschäft: A. Tentscher. Spezialvertrieb sämtlicher Tabakerzeugnisse. Großhandel, Kleinhandel.
Spätere Nutzung/Nachbesitzer: Unbekannt.
Lage: Brückenstraße 15.

Geschäft: Marie Bernstein. Kaffee Richter-Leipzig, Schokoladen, Pralinen, Zuckerwaren, Backwaren und Fischmarinaden.
Spätere Nutzung/Nachbesitzer: Unbekannt.
Lage: Friedrichstraße.

Geschäft: Willi Seidenstücker. Tabakwaren, Schreibwaren, Schulartikel, Zuckerwaren.
Spätere Nutzung/Nachbesitzer: Unbekannt.
Lage: Obergasse.

Geschäft: Tabakwaren Eduard Trabitzsch.
Spätere Nutzung/Nachbesitzer: Unbekannt.
Lage: Hindenburgstraße 14/15. (Nordseite heutige Salzstraße, direkt an der Ecke zur Pfortenstraße gelegen.)

Geschäft: Alter "Fischladen".
Spätere Nutzung/Nachbesitzer: Unbekannt.
Lage: Bäckergasse, neben "Scherbel-Schmidt".

Wörtlich hieß es auf einer historischen Werbeeinschaltung folgendermaßen: "Curt Koch i. Fa. Franz Koch.
Kolonialwaren, Feinkost und Vertretung von Allianz- und Stuttgarter Verein Versicherungs-Aktiengesellschaft."
Ich nehme stark an, es handelt sich hierbei um das Papierwarengeschäft am östlichen Ende der Prof.-Hofmann-Straße.

H. Boerner Nchf.
Filiale der Weingroßkellerei Pottel & Broskowski G. m. b. h.
???

Geschäft: Obstaufkaufstelle.
Spätere Nutzung/Nachbesitzer: Unbekannt.
Lage: Siehe Bild.

Erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang auch die Drogerie und Photohandlung Alfred Ullrich. Sie existierte zwar auch noch zu meiner Zeit, aber in den Dreißiger Jahren führte sie zusätzlich Kolonialwaren.

Ein ganz ähnlich gelagerter Fall ist die zweite Drogerie, die mir während meiner Kindheit in unserer Stadt bekannt war, nämlich die Drogerie Schubert in der Salzstraße 18. Ungefähr zur Zeit des Nationalsozialismus firmierte das Geschäft als "Drogerie und Kolonialwaren W. Pfeifer".



Eine Lieferquelle für den staatlichen Lebensmittelhandel waren übrigens Privatgärten.
Nicht wenige Besitzer von Kleingärten, vor allem Rentner, verdienten sich etwas dazu, indem sie Obst- und Gemüseerzeugnisse aus ihren Privatgärten an die lokalen Lebensmittelgeschäfte verkauften. Bei der Übergabe der Ware wurde sowohl seitens der Produzenten als auch der Verkaufsstellenleiter sehr genau auf Qualität geachtet!
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