Kindheitslexikon: Kleindenkmäler in Kölleda

Das Bild hier im Beitrag zeigt ein Feldkreuz, vermutlich irgendwo im Umfeld von Kölleda. Diese Kreuze wurden meist aufgestellt, wo ein Bauer oder Schäfer vom Blitz erschlagen wurde. Das Foto befindet sich seit Jahrzehnten im Besitz unserer Familie, allerdings ohne irgendeine schriftliche Angabe dazu.

Pranger: Der seinerzeitige Pranger des Ortes, ein etwa ein Meter hoher, fast kubischer Stein, stand auf einer schmalen Rasenfläche entlang der Westseite des Rathauses.

Ein Flurdenkmal in unserer Stadt ist ein ziemlich kleines, vielleicht 50 Zentimeter hohes Malteserkreuz aus Sandstein. Es steht in der Nähe der alten Polizeiwache, 50 Meter südwestlich gegenüber dem Rathaus. Auf der Nordseite ist auf dem Querbalken "1649" eingeritzt.
Während meiner Kindheit war es Bestandteil einer kleinen, dreieckigen Grünanlage mit Rasen, Bäumen und Sträuchern. Deren Hypotenuse bildete die Straße, ihre Ankathete im Westen das ehemalige Lebensmittelgeschäft Haupt, die Kathete im Süden die damals noch in Verwendung befindliche Polizeiwache. Die Grünfläche war außerdem von einer Gehwegpflasterung eingefasst, längs der Straße bestand sie aus dem stadtüblichen Kleinpflaster.
Das Internet gibt Auskunft:
"Obertägige Maße: Höhe 0,76 m, Br. 0,52, T. 0,20, das Steinkreuz lat. Form aus rotem Sandstein mit markant breiten Armen zeigt auf der Vorderseite die eingerillte Jahreszahl ‘1649’, angeblich früher noch die nicht mehr erkennbaren Initialen 'S. W.'; das Denkmal stand bis etwa 1958 ca. 3 km südwestl. der Stadt im Verlauf der Gemarkungsgrenze Kölleda/Großneuhausen, ca. 200 m östl. des Weges nach Orlishausen und war bis zur Neuaufstellung 1962 an heutiger Stelle eingelagert; aus einem Protokoll von 1649, Stadtarchiv Kölleda, des ersten Flurumzuges nach dem Dreißigjährigen Krieg geht eine Umsetzung des Kreuzes am ursprünglichen Platz hervor, es wurde aus der Nähe direkt zur Markierung auf die Gemarkungsgrenze gesetzt und mit den Initialen des damaligen Bürgermeisters Simon Wettig (S. W.) versehen (Denkstein 1929)
Quellangaben: Lit.: 1. Frank Störzner, Steinkreuze in Thüringen, Katalog Bezirk Erfurt, Weimar 1984, S. 104-105, Nr. 239 m. Abb. 248, daraus: 2. Denkstein: Ein längst vergessener Denkstein, zur Erinnerung an den Frieden des 30 jährigen Krieges errichtet am 19. April 1649, Kölledaer Anzeiger, Amtl. Kreisblatt für den Kr. Eckartsberga 76, 1929, 3. B. Liebers, Unsere Steinkreuze, Germanische Kultstätten ?, Naumburg 1935, S. 23 u. Heilige Steine im Kreise Eckartsberga, Eckartsberga 1937, S. 32/37-38, 4. F. Toepfer, Flurumzüge im Wandel der Jahrtausende, Eckartsberga 1939, S. 58-61 m. Abb., 5. Walter Saal, Verzeichnis der Steinkreuze des Landes Sachsen-Anhalt, Halle 1952, S. 155, Nr. 67 u. Steinerne Flurdenkmale als Territorialgrenzen, Rudolstadt 1981b, S. 150, 6. Heinz Köber, Die alten Steinkreuze und Sühnesteine Thüringens, Erfurt 1960a, S. 54, Nr. 291 u. Nachtrag, 1965, S. 5, Nr. 291"
(Quelle: http://www.kreuzstein.eu/html/body_koelleda.html, Abruf vom 8. Oktober 2016)

Reifensteingrab auf dem Kölledaer Friedhof:
Gottlob Benjamin Reiffenstein ist ein deutsch-österreichischer Maler, Lithograph und Fotograf, welcher am 10. September 1822 in Cölleda (damals noch mit "C" geschrieben) im seinerzeitigen Kurfürstentum Sachsen geboren wurde. Bis 1842 studierte er Kunst in Erfurt. Im selben Jahr ging er zu Prof. Christian Friedrich Ludwig Ritter von Förster nach Wien, der damals schon ein bekannter Architekt war.
1854 machte sich Reiffenstein als Unternehmer selbstständig, als er gemeinsam mit seinem Schwager, dem ebenfalls aus Cölleda stammenden Ludwig Rösch, eine lithographische Anstalt erwarb. Ab 1855 firmierte diese unter "Reiffenstein & Rösch" und wurde im Laufe von Jahren eine der erfolgreichsten ihrer Art im Kaiserreich. Ebenfalls noch 1855 wurden seine Fähigkeiten auf der Pariser Weltausstellung mit einer "Medaille 1. Classe" gewürdigt.
In den kommenden Jahren erzielte er in seiner Firma entscheidende Durchbrüche bei der Verbesserung der Fotolithografie und der Chromolithografie.
Am 7. November 1861 erfolgte seine Aufnahme ins Wiener Künstlerhaus, eine Einrichtung, aus der später unter anderem der weltweit bekannte Gustav Klimt hervorgehen sollte.
Er starb am 27. März 1885 in Wien. Seine Beisetzung erfolgte zwei Tage später auf dem evangelischen Friedhof in Wien-Matzleinsdorf, Gruppe 19, Grab 91.
2006 wurde sein Grab durch die Initiative der ebenfalls aus Kölleda stammenden Ahnenforscherin Angelika Ende in ein Ehrengrab umgewidmet.
Und im Jahre 1860, ließ Reiffeinstein, inzwischen wohlhabend geworden, für seinen Vater, den Tischler Johann Andreas Reifenstein (1782 – 1851), auf dem Cölledaer Friedhof die imposante Grabstele mit dem betenden kleinen Mädchen an der Spitze errichten.

Das Kriegerdenkmal unseres Ortes befindet sich in der Bahnhofstraße, ungefähr bei der Abzweigung Dr.-Stockmann-Straße. Noch genauer beschrieben: Ostseite Bahnhofstraße, unmittelbar nördlich der Abzweigung Dr.-Stockmann-Straße.
Errichtet wurde es für die Gefallenen der Kriege
- der Jahre 1864 (Preußisch-Dänischer Krieg – Konflikt um die Herzogtümer Schleswig und Holstein, ging zugunsten Preußens aus);
- 1866 (Preußisch-Deutscher Krieg – Krieg Preußens gegen den Deutschen Bund um die Vormachtstellung Preußens auf deutschem Territorium)
- und 1870/71 (Deutsch-Französischer Krieg).
Zur Form: Obelisk mit eisernem Kreuz auf einem Säulenstumpf. Vor- und rückseitig beschriftet. Vierfach abgestufter Sockel. Eine Namensliste, wie sonst meistens üblich, ist nicht vorhanden.
Inschrift Vorderseite: "Zur Erinnerung an deutsche Tapferkeit und Treue in den Kriegsjahren 1864 1866 u. 1870 - 71".
Inschrift Rückseite: "Errichtet am 25 jährigen Gedenktage der Schlacht bei Gravelotte vom Kriegervereine zu Cölleda
18. August 1895".

Genau gegenüber vom Eingang der Post stand eine kunstvoll gemauerte Ehrenwand. Sie wurde für irgendwelche propagandistischen Zwecke genutzt; das dementsprechende Material in ihrem Doppelschaukasten wechselte immer mal.
Ich bilde mir ein, auf ihrer Oberfläche befanden sich auch zwei Feuerschalen. Leider habe ich von dem Objekt vor unserem Wegzug kein Foto gemacht.
Die Blumenanlagen rings um die Mauer wurden von den Stadtgärtnern stets mustergültig gepflegt.

Mahnmal für die Opfer des Faschismus: Das diesbezügliche Denkmal unserer Ortschaft befand sich in unserer Stadt am Rand der heutigen Bundesstraße 85, der früheren Fernverkehrsstraße 85. Und zwar beim "Ineinanderfließen" von "Roßplatz" und "Weimarisches Tor" (beides Abschnitte der B 85). Auf der Ostseite dieser zwei "andockenden" Straßen, ziemlich genau auf der Höhe Friedrichstraße im Westen davon.
Sein Basiskörper ist ein mit behauenen Steinen zusammengesetzter Würfel. Auf der Vorderseite befindet sich eine eingesetzte Platte. Obenauf steht eine Pflanzschale. Eingeschlossen wird der Denkmalbereich seitlich und hinten durch eine geschwungene Natursteinmauer und vorn durch einen Eisenrohrzaun mit Pforte.
Inschriften:
"FIR
Den toten Widerstandskämpfern
zu Ehren
Den Lebenden zur Mahnung."
Ganz in der Nähe des Objektes, Richtung Stadtgraben hin, befand sich übrigens eine stets sehr schön gepflegte Blumenanlage, kann ich mich erinnern.
Einstmals war es ein Kriegerdenkmal. In diesem Zustand verfügte es unter anderem über einen deutschen Reichsadler sowie eine steinerne Soldatenskulptur. Beides wurde nach Kriegsende 1945 aus ideologischen Gründen entfernt und zerstört. Wie mir meine Großmutter berichtet hatte, sah man den Kopf des Soldaten danach noch eine Weile im Freien irgendwo vor den Toren der Stadt liegen. Ein Straßengraben war es wohl, so genau kann ich mich an die Erzählungen nicht mehr erinnern.
Danach erfolgte die Umgestaltung des Denkmales. Während des Zweiten Weltkrieges musste auch in Kölleda eine große Anzahl von Kriegsgefangenen sowie Frauen und Männern aus Belgien, Frankreich, den Niederlanden und der Sowjetunion Zwangsarbeit verrichten. Konkret auf dem Fliegerhorst und auf der Angorafarm. Zum Gedenken an die Opfer von Widerstand und Zwangsarbeit wurde 1946/47 das Denkmal zu einer Gedenkstätte für die Opfer des Faschismus umgestaltet.
Jedes Jahr fand am zweiten Sonntag im September dort die "Gedenkfeier für die Opfer des Faschismus" (im lokalen Slang meist "OdF" abgekürzt) statt. Ausgerichtet von der Stadtverwaltung. Zur Teilnahme verpflichtet waren neben den Kommunalvertretern die Lehrer der Schulen sowie die Schüler ab der Siebten Klasse. Ich kann mich dunkel erinnern, dass ich, als ich gerade in die Achte gekommen war, zusammen mit meinem Mitschüler Silvio Sann irgendeinen Text vortragen musste.
Anwesend waren ebenfalls natürlich die städtischen Antifaschisten, die als illegale KPD'ler im Dritten Reich gegen Hitler tätig waren. Da sie aufgrund ihres hohen Alters fast durch die Bank schon sehr gebrechlich waren, hatte ihr Aufmarsch für mich als Kind stets irgendwie etwas Bizarres an sich, das sich nicht näher in Worte fassen lässt.
Die Reden hatten jedes Jahr fast denselben Wortlaut – wie das bei Reden zu wiederkehrenden Anlässen ja oft der Fall ist, egal ob in Ost oder West.
Meine Mutter musste als Lehrerin dort natürlich auch hin. Und ich selbst bin auch schon als kleines Kind mitgegangen.
Und jedes Mal nach der Feier, wenn wir nach Hause kamen, war es Tradition, dass wir sofort in den Garten hinter dem Haus gingen und Pflaumen aßen. Denn dieser zweite Sonntag war eine Art Stichtag für die Pflaumenreife am Pflaumenbaum in unserem Garten. Pflaumen und "OdF" – das gehörte für uns einfach zusammen.
Auch die feierliche Aufnahme meiner Schulklasse in die Reihen der Thälmann-Pioniere (von der Vierten bis Anfang der Achten Klasse) fand dort statt.

Stadtrechts-Gedenkstein: Am östlichen Beginn der Dr.-Stockmann-Straße, auf ihrer nördlichen Seite, nahe dem ehemaligen Stadtbad, befindet sich eine Gedenkstele, welche im Jahr 1892 anlässlich des 500-jährigen Jubiläums der Kölledaer Stadtrechtsverleihung errichtet wurde. Sie stand dort auf einer Grünfläche, ein aus Kleinplatten gepflasterter Weg führte an ihre Vorderfront.

Und zu guter Letzt ein Denkmal, bei dessen feierlicher Enthüllung ich im Alter von zehn Jahren selbst anwesend war. Und zwar befindet sich im Neubauviertel Wilhelm-Pieck-Ring im Osten der Stadt ein kleiner Gedenkstein, der während der Festwoche zum 1200-jährigen Bestehen der Stadt im Juni 1986 anlässlich dieses Jubiläums eingeweiht wurde.
1
Einem Mitglied gefällt das:
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
1 Kommentar
57.286
Manfred W. aus Nebra (Unstrut) | 02.01.2016 | 08:23  
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.