Kindheitslexikon: Kindergärten in Kölleda

Zwei Kindergärten gab es zu meiner Zeit in der Stadt:
- August-Feine-Straße 1.
- Wilhelm-Pieck-Ring 32.

Ich muss zugeben, dass ich nicht mal weiß, wie eigentlich die offiziellen Bezeichnungen für die zwei Einrichtungen zu DDR-Zeiten lauteten.
Bekannt sind mir lediglich die umgangssprachlichen Namen. So hieß der in der August-Feine-Straße im Volksmund "Feistkorn-Kindergarten". Da er 1911 von zwei wohlhabenden Mäzenen, den Brüdern Feistkorn, gestiftet wurde (Siehe auch Punkt "Geschichte".).
Der andere war der Funkwerk-Kindergarten. Er war der Betriebskindergarten des hier unter einem eigenen Punkt erwähnten Funkwerks. Es wurden aber, soviel ich weiß, auch Kinder aus nicht betriebszugehörigen Familien angenommen.
Ich glaube mich schemenhaft zu erinnern, dass für die zwei Kindergärten die Bezeichnungen "Kindergarten I" und "Kindergarten II" (mit römischen Zahlen) üblich waren. Aber verbürgen möchte ich mich dafür nicht.

Ich selbst befand mich mit drei Jahren, im Sommer 1979, einmal kurz im Funkwerk-Kindergarten. Und von meinem fünften bis zum sechsten Lebensjahr im Feistkorn-Kindergarten.

Ich kann mich noch genau an meinen ersten Tag im Feistkorn-Kindergarten erinnern. Als ich dort am Morgen angekommen war und von der Erzieherin einen Platz zugewiesen bekommen hatte, begann ich gleich darauf mit einer Sache zu spielen, die in unmittelbarer Nähe auf dem Tisch stand. Es handelte sich um einen Kasten mit kleinen, quadratischen, naturfarbenen und mit farblosem Lack überzogenen Holzbausteinen, die auf der Vorderseite über jeweils ein anderes Tiermotiv verfügten.

Es war höchstwahrscheinlich in der Adventzeit 1981, es herrschte jedenfalls in der Vorabendzeit schon Nacht, als unsere Kindergartengruppe anlässlich eines Elternabends einen Chorauftritt absolvierte.

Im Kindergarten hatten wir eine Art Adventkalenderbaum. Im Dezember durfte dann bis zu den Weihnachtsferien jedes Kind aus der Gruppe an einem Tag ein kleines Päckchen davon öffnen. Irgendwelcher Süßkram war drin. Was das Organisieren der Päckchen betraf, so waren die Erzieherinnen clever. Unter dem Geschenkpapier kamen kleine, stabile Schächtelchen von irgendwelchem Elektrozubehör zum Vorschein, die sie wahrscheinlich in Betrieben erbeten hatten. Diese Schächtelchen waren stabil und hatten auch die richtige Form.

In der Garderobe verwendete Peggy Bensing einmal das Wort "Steffelchen" für Stiefel.

Eine schöne Erinnerung ist der Spaziergang, den wir im Frühjahr 1982 einmal zum Spielplatz am Wilhelm-Pieck-Ring unternahmen. Ich weiß noch, das Wohnviertel war zu dem Zeitpunkt erst teilweise fertig gestellt, es befanden sich daher noch Hügel von Erdaushub am Spielplatzrand. Für uns im Kindesalter natürlich etwas sehr Abenteuerliches.

Eine weitere Erinnerung an diese Zeit: Einmal, als wir gerade irgendwie das Thema Haustiere behandelten, unternahmen wir eine Exkursion zur Großmutter eines Jungen aus meiner Gruppe. (René Prötel, mit dem ich dann auch die folgenden acht Jahre zusammen in einer Klasse war.) Sie betrieb nämlich eine private Zucht verschiedener Kleintierarten.
Das Grundstück lag, wenn ich mich richtig erinnere, auf der Ostseite der Straße des Friedens, auf jeden Fall aber im Siedlungsviertel.
Ganz genau hingegen weiß ich noch, dass es ein Morgen des Frühjahrs 1982 war. Und dass im Hintergrund der dortigen Gartenanlagen gerade die morgendliche Sonne aufgegangen war.

Einmal beschäftigten wir uns über einen gewissen Zeitraum mit dem Rathaus unserer Stadt. Es begann zunächst mit einem theoretischen Impetus, bei dem uns zunächst kindgerecht die Funktionen des Rathauses erklärt wurden. Dann bauten ein paar aus unserer Gruppe nach einer vergrößerten Fotografie das Kölledaer Rathaus mit Holzbausteinen annähernd nach.
Etwas später unternahmen wir dann eine Exkursion zum Rathaus.

Eine Kindergärtnerin, Frau Kallenberg, musste mal wegen irgendetwas ins Krankenhaus der Stadt. Bei einem Stadtgang mit unserer Gruppenleiterin, Frau Sulze, drehten wir daher eine Runde über das Krankenhausgelände. Wir stellten uns auf vor der Baracke, in der die Kindergärtnerin lag. Dann mussten wir ganz laut "Frau Kaaaaaaaaaaaaaallenberg" rufen.

Eine unpräzise Erinnerung habe ich zu einem zweiten Kindergartengebäude, das mit dem in der Feistkorn-Straße grundstücksmäßig verbunden war. Es war ein leicht villenartiges Gebäude. Gelegen in der Bahnhofstraße, Westseite, südlich der ehemaligen Melioration, also Richtung Bahnhof hin.
Ich kann mich dunkel erinnern, dass man, wenn man den Garten hinter diesem Gebäude durchquerte, in irgendein zweites, umzäuntes Grüngelände gelangte. Und von dort aus kam man dann in den Garten des Feistkorn-Kindergartens. Die genannten Grundstücke bildeten, wenn ich mich recht entsinne, einen rechten Winkel in Richtung Norden.
Einmal, es war im Frühsommer 1982, kehrte unsere Kindergartengruppe von einer Exkursion zurück. Aus irgendwelchen Gründen kamen wir dabei an dem Gebäude in der Bahnhofstraße vorbei. Wir durchquerten die Grundstücke in der beschriebenen Begehungsweise, spielten dabei überall kurz.

Eine schon stadtbekannte Tradition dieses Kindergartens fand jedes Jahr zum Internationalen Tag des Kindes am 1. Juni statt. Und zwar veranstalteten die Erzieherinnen des Feistkorn-Kindergartens mit den Kindern jedes Mal einen Umzug durch die Stadt. Es wurden dabei Lieder gesungen, welche von einer Erzieherin auf dem Akkordeon begleitet wurden. Bewohner der Stadt, welche zu dieser Zeit beruflich nicht gebunden waren, warteten jedes Jahr an diesem Tag in den Straßen bereits darauf.

"Putzileicht" war ein während meiner Kindergartenzeit übliches Wort für eine sehr leicht zu bewältigende Aufgabe.

Wenn wir mit den Holzbauklötzchen Häuser bauten, konnten wir sogar Bauarbeiterhelme in Kindergröße aufsetzen. Auch kleine Holztieflader für den Transport der Steine hatten wir.

Unter den Militärspielsachen gab es eine kleine, vom Bau her recht simple, dunkelolivgrüne Holzkanone, auf die aus irgendwelchen Gründen alle total scharf waren. Diese trug unter uns Kindern fälschlicherweise den Namen "Gulaschkanone", weshalb auch immer. Jedenfalls war sie fast ein Heiligtum. Und jeder, der gerade mit ihr spielte, gab sie danach nur einer besonderen Person seines Vertrauens weiter. Ich hatte sie auch ein paar Mal.

Gespielt habe ich im Kindergarten meistens mit Jan "Reini" Reinhard. Als wir in die Schule kamen, ging er dann in die Parallelklasse. Nach der Achten Klasse ging er ab und begann eine Ausbildung als Maler und Tapezierer; das war das Letzte, was ich von ihm persönlich gehört hatte, danach verloren wir uns aus den Augen.

Die Patenbrigade – so hieß zu DDR-Zeiten der Sponsorbetrieb einer Bildungseinrichtung – des Feistkorn-Kindergartens war die Spedition Axthelm am Bahnhof. Ich kann mich noch dunkel erinnern, wie die uns einmal massenhaft Spielzeug für die Sandkiste vorbeigebracht haben.

Als ich einmal von meiner Großmutter aus dem Kindergarten abgeholt wurde, gingen wir nicht gleich nach Hause, sondern raus ins Siedlungsviertel zu meiner Großtante Lisa. Dort aßen wir auch Mittag.

Bei der Abschlussuntersuchung im Kindergarten hatte jeder von uns ein kleines Comic-Heftchen bekommen, in denen Kundi, das Maskottchen des Hygienemuseums in Dresden, Hinweise zur gesunden Lebensweise gab.
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