Kindheitslexikon: Kaninchen

Unter den vielen Schlacht-Kaninchen, die wir in der Nachkriegszeit hielten, gab es auch zwei weiße Angora-Kaninchen mit sehr langem, feinem, dichtem Fell.
Dieses Fell musste zweimal im Jahr geschoren werden, was wir nicht konnten. Dazu kam alljährlich eine Frau aus Beichlingen zu uns und zu allen anderen Angora-Kaninchen-Besitzern. (Fast wie die Schafscherer bei den "Dornenvögeln" auf "Drogheda", nur "Bound For Botany Bay" hat dabei niemand gesungen ...) und scherte fachgerecht. Die Kaninchen sahen hinterher eine ganze Weile aus wie zu groß geratene nackte, weiß-rosa Mäuse!
Diese Wolle wurde gesammelt und gut aufbewahrt.
Im Spätherbst gab es einen Termin im Saal der Kölledaer Gaststätte "Zur guten Quelle" (Roßplatz). Irgendeine Wollefirma kaufte den Leuten die Rohwolle ab und bot gleichzeitig auf anderen Tischen fertig (maschinell) gesponnene Angorawolle in den verschiedensten Farben und in ausgezeichneter Qualität zum Kauf an. Ich kann mich an einen knallroten, kuschelweichen Pullover erinnern, den meine Großmutter für meine Mutter (natürlich reichlich) gestrickt hatte und den sie später sogar noch im Studium in Leipzig trug – da allerdings schon "ein bisschen" abgewetzt. Großmutter selbst strickte sich unter anderem einen dunkelblauen Pullover, den sie nur sonntags und bis an ihr Lebensende trug.
Das war eben DDR-Qualität!

Später zog dann Herr Fritz Schäfer aus unserer Straße für ein geringes Honorar den Kaninchenhaltern in unserer Gegend die Felle ihrer schlachtreifen Tiere ab, da das wirklich Können und Fingerspitzengefühl erforderte. Die Felle wurden nur kurz abgerieben und dann so frisch wie möglich zum Zwischenhändler geschafft.
Die Rohfelle von Kaninchen, daneben auch Ziegenfelle, übernahm der Nachbar von Zahnarzt Bartholomäus in der Straße Weimarisches Tor. Er lieferte sie dann an irgendeine Firma weiter, da Kölleda über keine eigene Gerberei mehr verfügte.

Geschichte des Kaninchenzuchtvereines Kölleda:
Am 5. März 1896 stellte der Lokführer Carl Kühne beim Bürgermeister der Stadt Cölleda, Kreis Eckartsberga, den Antrag betreffs Gründung eines Kaninchenzuchtvereines.
Bereits am 23. August 1896 veranstaltete der Cölledaer Verein seine erste Ausstellung in der "Gaststätte Polke".
Ab 1932 führt der Kölledaer Kaninchenzuchtverein das Vereinskennzeichen G 202 Kölleda.
Ende der 1940-er Jahre hielt der Kölledaer KZV eine führende Stelle in der Angorakaninchenzucht inne, bis zu 350 Stück wurden im Jahr aufgezogen.
Ein Höhepunkt in der Vereinsgeschichte war das 100-jährige Jubiläum im Jahre 1996. Am Gründungstag des Vereines am 29. Mai wurde eine Jahrhundertversammlung im feierlichen Rahmen durchgeführt. Ehrengast war der Bürgermeister der Stadt Kölleda Frank Zweimann.
Weiterhin richtete der Verein die Kreisjungtierschau des KV Sömmerda am 23. Juli 2005 in Battgendorf aus. Der Züchter Günter Kirchner erhielt die große goldene Ehrennadel, und der Vorsitzende Rudolf Viol wurde zum "Altmeister der Thüringer Kaninchenzucht" ernannt.
2007 wurde Zuchtfreund Roland Meiz 1. Vorsitzender, der von 1976 bis 2007 tätige Vorsitzende Rudolf Viol wurde zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Viols Herausforderung bestand vor allem darin, den Verein durch die allgemein turbulenten Jahre nach der Wiedervereinigung erfolgreich geführt zu haben.
Gezüchtet werden alle nur denkbaren Rassen und Farbenschläge vom Deutschen Widder bis zum Hermelin. Viele Vereinsmitglieder sind in den Clubs des ZDRK organisiert. Auf regionalen und überregionalen Ausstellungen konnten schon viele Preise errungen werden.
Der Verein zählt zahlreiche Vereinskreismeister, Kreismeister, Landesmeister, Bundesmeister und Europameister.
(Quelle: Kaninchenzuchtverein Kölleda)
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