Kindheitslexikon: Jahn-Schule Kölleda/DDR-Bildungssystem allgemein: Unterrichtsfächer in der DDR

Zunächst erst einmal ganz allgemein die Unterrichtsfächer in der DDR und ihre offiziellen Abkürzungen (Die von mir in Klammer gesetzten Fächer wurden an unserer Schule nicht unterrichtet.):
- Astronomie: A.
- Biologie: Bio.
- Chemie: Ch.
- Deutsch: D.
- Deutsche Sprache und Literatur: D.
- Einführung in die sozialistische Produktion: ESP.
- Englisch: En.
- Französisch: F.
- Geographie (Wurde damals noch mit "ph" geschrieben.): Geo.
- Geschichte: G.
- Grammatik: Gra.
- (Griechisch: Gr.)
- Heimatkunde: Hk.
- Kunsterziehung: Ku.
- (Latein: L.)
- Lesen: Le.
- Literatur: Lit.
- Mathematik: Ma.
- mündlicher und schriftlicher Ausdruck: Ausdr.
- Musik: Mu.
- Muttersprache: Ms.
- Nadelarbeit: N.
- Physik: Ph.
- (Polnisch: Po.)
- Produktive Arbeit: PA.
- Rechtschreibung: Rs.
- Russisch: Ru.
- Schreiben: Schr.
- Schulgartenunterricht: Sch.
- (Sorbisch: Sb.)
- Sport: Sp.
- Staatsbürgerkunde: St.
- Technisches Zeichnen: TZ.
- (Tschechisch: Tsch.)
- Wehrunterricht: Stunden zu Fragen der sozialistischen Landesverteidigung: LV.
- Werken: W.
- (wissenschaftlich-praktische Arbeit: WPA.)

Nun zum Unterricht an der "Polytechnischen Oberschule 'Friedrich Ludwig Jahn' Kölleda", kurz Jahn-Schule, im Speziellen. An ihr hielt ich mich von 1982 bis 1992 auf.
So erlebte ich diese Fächer:

Systematisch aufbauend war der Geographieunterricht:
- In der 1. Klasse fanden einzelne Heimatkundeunterrichtsstunden noch im Rahmen des Deutschunterrichtes statt. In diesen Stunden wurde uns der Aufbau des Schulgeländes näher gebracht.
- Ab der 2. Klasse war Heimatkunde ein eigenständiges Fach. Thema: Die Stadt.
- Heimatkunde 3. Klasse: Der Kreis.
- Heimatkunde 4. Klasse: Der Bezirk.
- In der 5. Klasse teilte sich Heimatkunde auf in Biologie, Geographie und Geschichte. Beherrschendes Thema des Geographieunterrichtes war die DDR.
- Geographie 6. Klasse: Europa.
- Geographie 7. Klasse: Asien.
- In den restlichen zwei Schuljahren kam dann "der Rest der Welt" dran. In der 10. Klasse war wohl Geologie ein Schwerpunkt. Genaueres kann ich dazu allerdings nicht mehr sagen, da diese Jahre bei mir bereits in die politische Wende beziehungsweise die Zeit des wiedervereinigten Deutschlands fielen, in welcher alles "umgemodelt" wurde.

Eine der ersten Sachen, an die ich mich erinnern kann, mit der wir uns in der Ersten Klasse im Werkunterricht beschäftigt haben, war, dass wir von einem Bogen Karton verschiedene Sachen ausgeschnitten haben. Ein Zehn-Zentimeter-Lineal befand sich darunter. Des Weiteren eine Papierschlange, die sich drehte, wenn man sie aufspießte. Bei uns zuhause haben wir sie dann auf irgendeinen Spieß gesteckt und diesen wiederum in eine leere Limonadenflasche. Die Flasche stellten wir auf unseren Kachelofen. Sie drehte sich tatsächlich, die Schlange.

Bevor wir in die Siebte Klasse kamen, mussten wir uns als Taschenrechner alle den "Schulrechner SR 1" zulegen. Im VEB Mikroelektronik "Wilhelm Pieck" in Mühlhausen produzierter elektronischer Taschenrechner, welcher Standard an den DDR-Schulen war. (Eine Art Vorläufermodell war der bis 1978 dort produzierte Taschenrechner "konkret 100".)
Die Fachliteratur dazu: Zunächst einmal die wirklich ausgezeichnet gemachte Bedienungsanleitung. Davon wiederum eine Art "Langfassung" war das Sachbuch "Mein Freund der Taschenrechner", geschrieben von Günter Fanghänel, 1988 erschienen im Verlag Volk und Wissen Volkseigener Verlag Berlin. Der Umgang mit einem Taschenrechner wurde darin exemplarisch anhand des "Schulrechner SR 1" erklärt.

Ab der Siebten Klasse hatten wir wie alle Schüler in der DDR das Fach Produktive Arbeit (PA).
Im Zuge dessen gingen wir auch "in die Tomaten", also Tomaten ernten. Zu Beginn der Siebten Klasse sehr oft, zu Beginn der Achten Klasse eher weniger. Grund für den Einsatz war der, dass der Patenbetrieb der Schule, Schul-Sponsor, wie es heute heißt, die Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft unseres Ortes war. Es handelte sich dabei um eine Art Sich-Erkenntlich-Zeigen für erwiesene finanzielle Wohltaten, wenn auch ein sehr symbolisches, was den realen wirtschaftlichen Wert dieser Arbeitsleistung betraf.
Wir fuhren jedes Mal mit einem Robur-Bus, der gleich hinter dem "Kabinett" auf dem Schulgelände geparkt war, über den Feldweg Richtung Groß- und Kleinneuhausen bis auf ein Feld kurz vor Großneuhausen. Dort pflückten wir.
Als dann die Tomatensaison und auch die Herbstferien vorbei waren, arbeiteten wir im PA-Raum im "Kabinett" mit Metall. Eine Stahlsorte namens ST 42 bearbeiteten wir, ein "Wald- und Wiesenstahl", wie uns der Lehrer sagte.
Im Mai 1989 erledigten wir im Rahmen des PA-Unterrichtes auch einmal irgendeine Feldarbeit auf einem Acker zwischen Battgendorf und Kölleda. Auf der Ostseite der Landstraße. Ein Traktor fuhr uns in einem Buscontainer-Anhänger nach Battgendorf. Von dort aus arbeiteten wir uns durch das ganze Feld durch. Als wir fertig waren, befanden wir uns schon am Stadtrand von Kölleda. Wir sind aber trotzdem wieder den Acker zurückgegangen und mit dem Traktor in die Schule zurückgefahren.
Tätigkeiten, die wir sonst noch in PA während der letzten zwei DDR-Jahre verrichteten: Zusammenbauen von Spielzeugautos der DDR-Marke "Bison"; Recycling von alten Magnetfeldspulen, indem wir den Kupferdraht vom Gehäuse trennten.

In welchen Räumen wurden die Fächer an unserer Schul unterrichtet? Übersicht der Schulräume während meiner Schulzeit:

Raumnummer, ungefähre Lage und Verwendungszweck:

1*
Östlich versetzter Trakt, Untergeschoss, Nordwesten. Biologievorbereitungsraum.

2
Östlich versetzter Trakt, Untergeschoss, Westmitte.
Biologie.

3
Östlich versetzter Trakt, Untergeschoss, Südwesten.
Mathematik.

4
Östlich versetzter Trakt, Untergeschoss, Südosten.
Früher einmal, bilde ich mir ein, fand dort unter anderem der Astronomieunterricht in den 9. und 10. Klassen statt. Aber auch Mathematik ist dort unterrichtet worden.
Mit dem Schuljahr 1987/88 kam da ein Werkenraum ein, welcher einem neu errichteten Computerraum im "Kabinett" weichen musste. Er blieb allerdings nicht für sehr lange. Gegen Ende meiner Schulzeit war er schon wieder weg.

5
Östlich versetzter Trakt, Untergeschoss, Ostmitte.
Kunst.
Meine Mutter unterrichtete dort lange Jahre.

6*
Östlich versetzter Trakt, Untergeschoss, Nordosten.
Fotolabor von Kunstlehrer Wolfgang Gaffron († Januar 1990), welcher die AG Foto betrieb.

7*
Nur erreichbar über den Physikraum. Der Eingang befand sich vorn im Osten, rechts von der Tafel.
Physikvorbereitungsraum.

8
Kurzer Verbindungstrakt, Untergeschoss, Nordosten.
Physik.

Im Physik-Raum existierte noch ein weiterer Raum, der meinem Wissen nach über keine eigene Nummer verfügte. Zu Betreten war er über die hintere Wand des Raumes, welche im Westen lag. Dahinter befand sich die Sendestation für den Schulfunk, welcher jede große Pause auf dem Hof zu hören war.
Moderiert hat dort viele Jahre mein Freund Matthias Bauer. Er war sozusagen der "David Silver" ("Beverly Hills 90210") unserer Schule.

9
Kurzer Verbindungstrakt, Untergeschoss, Nordwesten. Klassenraum/Ausweichraum.

10*
Östlich versetzter Trakt, Obergeschoss, Nordwesten. Geschichtsvorbereitungsraum und Kartenraum für Geographie.

11
Östlich versetzter Trakt, Obergeschoss, Westmitte.
Geschichte.

12
Östlich versetzter Trakt, Obergeschoss, Südwesten.
Möglicherweise Staatsbürgerkunde, aber hundertprozentig sicher bin ich mir dabei nicht. Wenn ich mich richtig erinnere, wurde darin auch Französisch gegeben.

13
Östlich versetzter Trakt, Obergeschoss, Südosten.
Russisch.

14
Östlich versetzter Trakt, Obergeschoss, Ostmitte.
Geographie. (An der Tür stand sogar noch Erdkunde.)

15*
Zugang an der hinteren Wand des Geographieraumes, im Norden, befand sich unmittelbar bei den Fenstern.
Geographievorbereitungsraum.

16
Kurzer Verbindungstrakt, Obergeschoss, Nordosten.
Chemie.

17*
Nur erreichbar über den Chemieraum. Der Eingang befand sich vorn im Osten, rechts von der Tafel.
Chemievorbereitungsraum.

18
Kurzer Verbindungstrakt, Obergeschoss, Nordwesten. Klassenraum/Ausweichraum.

19
Westlich versetzter Trakt, Obergeschoss, Südosten.
Deutsch.

20
Westlich versetzter Trakt, Obergeschoss, Ostmitte.
Englisch.
(Ich weiß noch, zu meiner Zeit hingen dort an einer Wandzeitung ausgeschnittene Bilder britischer Städte. Zu DDR-Zeiten bekam man da natürlich große Augen …)

21
Westlich versetzter Trakt, Obergeschoss, Nordosten, südlich der Treppe. Deutsch.

22/23*
Westlich versetzter Trakt, Obergeschoss, Norden.
Irgendwie Verwaltung. Die Putzfrauen und die Essengeldkassiererinnen (Auf Schulebene, wurde von ihnen dann an die Stadtverwaltung weitergeleitet.) waren dort.

24
Westlich versetzter Trakt, Obergeschoss, Nordosten, nördlich der Treppe. Etwas nach Osten versetzt.
Heimatkunde.

25*
Westlich versetzter Trakt, Obergeschoss. Die gesamte Fläche zwischen Raum 24 im Norden, Raum 21 im Süden, der Außenmauer des Schulgebäudes im Osten und dem Treppenhaus im Westen.
(In Richtung Treppenhaus hin war der Raum mit grünlich schimmernden Glasziegeln abgemauert. Ich weiß noch, als Kind machten diese auf mich immer einen ziemlich "psychedelischen" Eindruck.)
Ein Abstellraum, in dem sich zu meiner Zeit stets Unmassen von Büchern befanden.

26/27*
Westlich versetzter Trakt, Untergeschoss, Norden.
Wenn man reinging, betrat man zunächst das Zimmer der Pionierleiterin. Gleich links zweigte das Büro des stellvertretenden Direktors ab. (Während nahezu meiner gesamten Schulzeit Herr Peter Urbansky.)

28
Westlich versetzter Trakt, Untergeschoss, Nordosten, nördlich der Treppe. Etwas nach Osten versetzt.
Musik.

29*
Westlich versetzter Trakt, Untergeschoss, Nordosten, südlich der Treppe. Lehrerzimmer.

30*
Westlich versetzter Trakt, Untergeschoss, Ostmitte.
Direktorzimmer.

31*
Westlich versetzter Trakt, Untergeschoss, Ostmitte.
Zimmer der Schulsekretärin. (Zu meiner Zeit Frau Hannelore Derzek.)

32
Westlich versetzter Trakt, Untergeschoss, Südosten.
Deutsch.

Die mit einem * gekennzeichneten Räume verfügten über keine Nummer an der Tür.


Nun zu unseren Klassenräumen: Schuljahre und Räume:

1 – 3
Hort, Raum 2. Ostseite, gleich südlich vom Eingang.

4
Raum 21, großes Schulgebäude. Der Grund war der, dass man ab dem 4. Schuljahr in den DDR-Schulen zur so genannten Mittelstufe gehörte, welche bis inklusive 6. Schuljahr dauerte.

5
Hier verschwimmt meine Erinnerung etwas. Ich bin mir ziemlich sicher, dass zu Beginn des 5. Schuljahres unser Klassenraum Raum 4 war. Den Klassenfasching 1987 allerdings haben wir in Raum 11 oder 12 gefeiert. Aus welchen Gründen auch immer.

6 – 8
Was das 6. Schuljahr betrifft, so ist meine Erinnerung ebenfalls etwas unscharf. 7. und 8. Schuljahr wiederum weiß ich genau, da hatten wir Raum 3.

Anschließend ein paar Überbleibsel aus dem Kunsterziehungsunterricht:
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