Kindheitslexikon: Jahn-Schule Kölleda/DDR-Bildungssystem allgemein: Essen und Trinken

Brotbüchsen aus meiner Schulzeit. (Die Scans sind so gut, wie meine simplen technischen Möglichkeiten das eben zugelassen haben.) Manchmal haben wir uns als Kinder mit den Dingern gegenseitig auf die Köpfe gekloppt.
  Eine Erinnerung zum Thema Frühstück: Nach der Wende hatte ich manchmal Eszet-Schnitten – hauchdünne Schokoladenscheiben – auf den Brötchen für die Schule. Wir kauften sie zu jener Zeit immer in der örtlichen Schlecker-Filiale. Ursprünglich kennengelernt haben wir sie durch die Westpakete.

Erwähnt werden muss auch die Schulmilch.
Ein Bestandteil des Schulalltages war die Schulmilch. Ihre Konsumation war nicht verpflichtend, aber soviel ich weiß, hat praktisch niemand von den Schülern darauf verzichtet.
Die Meisten in unserer Klasse waren Kakaomilchtrinker. An zweiter Stelle lagen die Fruchtmilchtrinker, zu denen auch ich gehörte. Milch ohne Geschmack, die dann noch als Drittes im Angebot war, trank nur eine in unserer Klasse, die Marion. Was jedoch den gesamten Schuldurchschnitt betraf, so habe ich mir sagen lassen, soll tendenziell die Fruchtmilch am beliebtesten gewesen sein.
Die Farbe der Fruchtmilch wechselte in unregelmäßigen Abständen zwischen Rosarot und Gelb.
Thema Farbe: Der Metallpapierdeckel der Fruchtmilchflaschen war rot. Außerdem waren in ihn verschiedene Angaben zum Erzeugnis hineingestanzt worden.
Aus den Deckeln formte ich manchmal Hüte für die Finger. Die Fingerkuppen bemalte ich dann noch mit dem Füllfederhalter mit Gesichtern. (Damit man einen Eindruck bekommt, womit ich im Unterricht so meine Zeit verbracht habe. Kein Wunder, dass im späteren Leben nichts Vernünftiges aus mir geworden ist.)
Eingenommen wurde die Milch den größten Teil meiner Schulzeit über in einer bestimmten Pause zwischen zwei Stunden. Im jeweiligen Unterrichtsraum.
Für eine kurze Zeit geschah dies auch einmal während der großen Pause im Essenraum der Schule. Aber das war nur eine kurze Zwischenphase, die sich aus irgendwelchen Gründen nicht bewährte.
In der ersten Klasse sagten wir daher auch "Milchpause" und zur Großen Pause "Brotpause", da in selbiger auf dem Schulhof die Schulbrote gegessen wurden.
Für den Transport in die Klassenräume gab es den so genannten Milchdienst. Jeweils zwei Schüler, die nach einem roulierenden System jede Woche wechselten. Diese waren dafür verantwortlich, die Kästen aus dem Essenraum, wohin sie vom Lieferservice der Molkerei gebracht wurden, in die jeweiligen Klassen zu tragen. Und die leeren Kästen am Ende der Pause wieder dorthin zurück. Wobei hier die kleineren Schüler den Kasten zu zweit trugen, bei den größeren Schülern nur einer ging. Ich kann mich zumindest erinnern, dass ich, als ich schon größer war, den Rückweg mit dem leeren Kasten stets allein gemacht habe.
Manchmal hatte sich vor der Anlieferung der Milch in den Klassenraum unsere Klasse aus Jux fast geschlossen in den Türrahmen gepresst. Um bei der Ankunft der Milchtransporteure über ihr Transportgut wie eine Horde Verrückter herzufallen. Die Transporteure machten dabei meistens "vor Angst" die Tür gleich wieder zu, als sie den Ansturm sahen.
Der Milchgeldkassier wurde zu Beginn eines jeden Schuljahres ernannt. Bei ihm oder ihr wurde jeden Montag bezahlt. Dafür gab es einen Quittungsstempel "Milch bezahlt" ins Hausaufgabenheft.
Das Schulmilchtrinken ging in der Regel bis inklusive Siebte Klasse.

Thema Schulessen:
Die Errichtung eines Essenraumes in meiner Schule erfolgte – wenn mich meine Erinnerung nicht täuscht – im Jahr 1981. Ich erinnere mich, dass ich noch nicht eingeschult worden war, aber kurz davor stand. Jedenfalls kommen nur die Jahre 1980 und 1981 in Frage, wobei ich gefühlsmäßig eher zu 1981 tendiere.
Davor nahmen die Schüler ihr Essen – zumindest für die jüngeren Klassen kann ich das sagen – im Vereinshaus der nahegelegenen Kleingartensparte "Paradies" ein.
Eine Erinnerung an die Bauarbeiten: Während dieser Zeit wurden die Fenster der Baustelle mit überdimensionalen Holzplatten-Matrjoschka versperrt, die offensichtlich von irgendeinem öffentlichen Ereignis übrig geblieben waren. Jedenfalls war das ein sehr spektakulärer Anblick, der bei mir haften geblieben ist.
In der langen Schlange vor der Essenausgabe hat die Clique um Martin Kästner eine Klasse über mir aus Jux immer mal gern eine Massendrängelei ausgelöst. Mit entsprechender "Begeisterung" bei den zu Fall Gebrachten …
Das Essen kostete pro Tag für Schüler 50 Pfennig und für Lehrer 75 Pfennig. Die Portionen waren immer sehr gut und reichlich. Das Einzige, was ich nicht so mochte, waren die Eierkuchen, aber das ist auch wirklich schon die einzige negative Erinnerung. Sie wurden stets zusammen mit einer Vorsuppe serviert, ich beschränkte mich daher auf die Suppe.
Geliefert wurde jeden Tag eine Stunde vor der Mittagspause, so gegen Um Elf. Das hörte man dann stets an dem charakteristischen Kübelklappern im Hof. Das Essen kam von einer Großküche in der Stadt, welche mehrere öffentliche Einrichtungen belieferte.
Kurioses Detail am Rande: Ich kann mich erinnern, wie ich einmal auf dem Schulhof Schüler beobachtet habe, wie sie mit dem Eigelb von einem Ei aus der Schulspeisung Fußball gespielt haben. Wer weiß, vielleicht entwickelt sich daraus ja noch einmal eine Sportart …

Während der Ersten bis Dritten Klasse hatten die Lehrerinnen und Erzieherinnen übrigens den Tick, uns austreiben zu wollen, einen kleinen Löffel "Teelöffel" und einen großen Löffel "Esslöffel" zu nennen, so wie wir es von zuhause gewohnt waren. Sie wollten, dass wir "kleiner Löffel" und "großer Löffel" sagten. Na ja, wenn man sonst keine Sorgen hat …
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