Kindheitslexikon: Funkwerk Kölleda

 
Hierbei handelt es sich vermutlich um eine historische Aufnahme des Funkwerks, und vermutlich aus den Sechziger Jahren. Aber wirklich hundertprozentig sicher bin ich mir nicht.
Geschichte des Betriebes:
- 14. September 1945:
Antrag beim damaligen Kreiskommandanten der Sowjetarmee auf Gründung eines genossenschaftlichen Betriebes.
- 2. oder 12. Oktober 1945:
In der Brückenstraße 31 wird die Genossenschaft mit beschränkter Haftung "NEUTRO-Werk Kölleda", das spätere Funkwerk, durch sieben Mitglieder gegründet.
Als Erstes wurden Tischlampen und Rundfunkempfänger aus Wehrmachtsbeständen produziert.
- Ende 1945:
Das neugegründete "NEUTRO-Werk Kölleda" bezieht die Waffenmeisterei des bis auf wenige Gebäude zerstörten Luftzeugamtes Kölleda auf dem Gelände des Flugplatzes auf der Kiebitzhöhe (späteres Industrie- und Gewerbegebiet).
- 1. Oktober 1946:
Im "NEUTRO-Werk Kölleda" beginnt die Ausbildung der ersten zehn Lehrlinge.
- 1946:
Im "NEUTRO-Werk Kölleda" sind bereits 240 Arbeitskräfte beschäftigt.
Das Sortiment beschränkt sich zunächst auf Mangelwaren der Nachkriegszeit, wie etwa Kochtöpfe, Lampen und Einkreiser-Rundfunkgeräte.
- November 1948:
Die Kooperativgenossenschaft m. b. H. Neutro-Werk wird in den volkseigenen Betrieb RFT Funkwerk Kölleda umgewandelt.
- 1. Juli 1949:
Gründung des Volkseigenen Betriebes "VEB Funkwerk Kölleda RFT".
Produktion: Verstärkeranlagen, Wechselsprechanlagen, Boxen, Fernmeldeanlagen.
Der Stand der Lehrlinge im Betrieb erreicht in jenem Jahr die 60. Arbeiter: 300.
- 1950:
Im "VEB Funkwerk Kölleda RFT" wird die erste Lehrwerkstatt seiner Bestimmung übergeben.
Schon bald erweitert sich das Sortiment in Richtung Kommunikations- und Nachrichtentechnik. So entwickelte und baute das Werk noch in jenem Jahr erste Geräte und Anlagen für elektroakustische Beschallungstechnik.
- 1953:
Im "VEB Funkwerk Kölleda RFT" beginnt die lange Tradition der Entwicklung und Fertigung von Hörhilfen.
- 1958:
Seit 1958 werden im Funkwerk Kommunikationsgeräte und -anlagen entwickelt und gebaut. Am Anfang stehen zunächst Wechselsprechgeräte. Es folgen Türsprechanlagen und analoge Nebenstellen.
- Fünfziger Jahre:
Laut dem Lexikon "Wer war wer in der DDR?" war der spätere Stellvertretende Vorsitzende der Staatlichen Planungskommission der DDR, Rudolf Heinze, in den Fünfziger Jahren Planungsleiter im Funkwerk Kölleda. (Seite 329.)
- 1968:
Das Funkwerk hat inzwischen 1.200 Beschäftigte.
- 1982:
Im Funkwerk beginnt die Fertigung von Zugfunkausrüstungen für die Deutsche Reichsbahn der DDR (DR). Es folgen erhebliche Exporte an die Bahnen von Bulgarien (1984), Rumänien (1985) und der Tschechoslowakei (1986) mit mobiler und stationärer Zugfunktechnik.
- 1989:
Das Funkwerk entwickelte sich in seiner über 40-jährigen DDR-Geschichte mit bis zu 1.770 Beschäftigten zum zweitgrößten Betrieb des Kreises Sömmerda. Zahlreiche Produktionshallen und Gebäude entstanden. Das Betriebsgelände erweiterte sich auf ungefähr 12 Hektar.
- 1990:
Von 1980 bis 1990 wurden im Funkwerk im Rahmen des Konsumgüterfertigungsprogramms der DDR-Regierung über eine Million Lautsprecher, Bassreflex- sowie jährlich über 100.000 Zwei- und Dreiwegeboxen produziert.
- 1992:
Funkwerk geht in Liquidation.
Am 15. April 1992 wird von Dipl.-Ing. Hans Hörmann aus einigen Fertigungsbereichen der Funkwerk GmbH die Hörmann Funkwerk Kölleda GmbH gegründet und in die weltweit operierende Hörmann Gruppe integriert.
- 1993:
Aus dem Funkwerk-Produktionsbereich Hörhilfe wird die Hörmann audifon GmbH ausgegründet. Auch entsteht in jenem Jahr ein neues Verwaltungs- und Vertriebsgebäude.
- 2000:
Die Funkwerk Aktiengesellschaft wird gegründet. Die Unternehmen Funkwerk Dabendorf GmbH (seinerzeit Kommerzieller Mobilfunk/später Automotive Communication) und Hörmann Funkwerk Kölleda GmbH (seinerzeit Professioneller Mobilfunk/später Traffic & Control Communication) werden als hundertprozentige Tochtergesellschaften eingebracht.
Am 15. November 2000 wird die Funkwerk-Aktie erfolgreich an der Frankfurter Wertpapierbörse, Segment "Neuer Markt", platziert.
- 1. November 2003:
Die hundertprozentige Tochtergesellschaft Funkwerk Plettac Electronic GmbH der Hörmann Funkwerk Kölleda erwirbt ausgewählte Vermögenswerte der Plettac electronic security GmbH i.L.. Mit diesem Zukauf konnte sich Funkwerk auf dem Markt der stationären Videosysteme etablieren.
- 1. August 2004:
Gründung der Funkwerk Infosystems GmbH als weitere Tochtergesellschaft der Hörmann Funkwerk Kölleda GmbH (Geschäftsfeld Informationssystems/Fahrgastinformationssysteme).
- 1. Oktober 2004:
Funkwerk übernimmt 100 Prozent der Geschäftsteile der KJ GmbH Dresden. Umfirmierung in Funkwerk KJ GmbH (Geschäftsfeld dynamische Leit- und Informationssysteme und Sportzeitmesstechnik und Wettkampfauswertung).
- Anfang 2007:
Geschäftserweiterung bei der Hörmann Funkwerk Kölleda GmbH: Akquisition von Kapsch Traffic Com AG, Wien, Geschäftsbereich "Information Technologies" von Vossloh und MicroSYST mit Sitz im oberpfälzischen Weiden.
Am 1. April 2007 Neuordnung des Geschäftsbereiches Traffic & Control der Funkwerk AG.
Neugründung beziehungsweise Übernahme der drei Tochterunternehmen Funkwerk Systems Austria GmbH, Funkwerk Information Technologies Karlsfeld GmbH und MicroSYST Systemelectronic GmbH.
Funkwerk KJ GmbH, in Dresden, und Geschäftsbereich InfoSystems, in Wuppertal, werden bei Funkwerk Information Technologies Karlsfeld integriert.
- 31. August 2010:
Funkwerk-Produktneuheiten auf der Innotrans 2010 in Berlin, Halle 4.1, Stand 146: focX® Handfunkgeräte. Cab-Radios/GSM-R Mobilfunk: Das zwanzigtausendste Zugfunkgerät wurde bereits ausgeliefert.
- 16. September 2010:
Erster Großauftrag aus Australien für Funkwerk. Die Rail Corporation New South Wales (RailCorp NSW) aus Sydney hat sich für das Funkwerk GSM-R Zugfunksystem entschieden.
- 17. September 2010:
Seit jenem Datum ist die Hörmann Funkwerk Kölleda GmbH nach IRIS Rev 02 zertifiziert.
- 1. Oktober 2010:
Hörmann Funkwerk Kölleda jetzt mit IRIS-Zertifizierung.
Bei dem Regelwerk IRIS (Abkürzung für "International Railway Industry Standard".) handelt es sich um einen international geltenden Anforderungskatalog an die Qualitätsmanagementsysteme von Bahnherstellern und insbesondere deren Zulieferern von Ausrüstungskomponenten sowie an Engineering-Dienstleister (die auch eigene Zertifikate erhalten können).
Erstellt von der Union des Industries Ferroviaires Européennes (UNIFE) mit Sitz in Brüssel in enger Zusammenarbeit mit den führenden Bahnsystemherstellern. IRIS setzt auf den Anforderungen der ISO 9001 auf und enthält zusätzliche bahnspezifische Forderungen.
(Die Zusammenstellung der Fakten erfolgte mit freundlicher Unterstützung der Hörmann Funkwerk Kölleda GmbH.)

Lange Jahre betrieb das Funkwerk eine Reparaturannahmestelle für Radios und ähnliche Geräte in der Innenstadt. Sie lag in dem rechteckigen Hof direkt hinter der Musikschule, wo sich auch die Altstoffannahmestelle und die Werkstatt von Schuster Feitsch befanden. Die Funkwerk-Außenstelle lag in der Nordfront des Hofes. Man musste eine etwas steile Außentreppe hinaufsteigen, um hineinzugelangen. Das Angebot wurde von der Bevölkerung sehr gut angenommen.

Auch nach dem Ausscheiden aus dem aktiven Arbeitsleben war der Zusammenhalt zwischen den "Funkwerkern" gut; so gab es zu DDR-Zeiten jedes Jahr im Kulturhaus von Kölleda eine Weihnachtsfeier für die Funkwerk-Rentner.

Funkwerker-Wohnheim: Im Herbst 1981 wurde auf dem Gelände des Funkwerk-Arbeiter-Wohnheimes in der Bahnhofstraße an der Grundstücksgrenze zur Liegenschaft Albert-Träger-Straße 1, unserem bescheidenen Anwesen, eine Massengarage errichtet. Davor befand sich an jener Stelle eine alte Scheune, welche dem Neubau weichen musste. Errichtet in Lehmbauweise übrigens. Eine Bautechnik, die man zu Beginn des 21. Jahrhunderts im Rahmen des ökologischen Bauens wieder "ganz neu" entdeckte. Habe selbst einige Presseartikel über diese Entwicklung verfasst.
Die Bauarbeiten dauerten bis in das Frühjahr 1982.
Irgendwann im Frühjahr 1982 kamen Mutter und ich mal von der Poliklinik zurück. Die Rückwand der Lehm-Scheune war zu dem Zeitpunkt bereits fast völlig abgebrochen, es stand nur noch ein kümmerlicher Rest. In diesen war ein großes Loch geschlagen worden, damit die Bauarbeiter problemlos auf die andere Seite wechseln konnten.
Wir beschlossen, auch einmal diesen temporären Eingang zu unserem Grundstück zu nutzen. Wir gingen also von der Bahnhofstraße aus über den Hof, stiegen durch das Loch – und standen in unserem Garten.
Zu Beginn des 21. Jahrhunderts wurde die Garage wieder abgerissen.
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