Kindheitslexikon: Fernsehen: West-Fernsehen allgemein

Der Begriff Westen ist hier sehr weitläufig für die gesamte westliche Welt zu verstehen, nicht nur für den westlichen Teil Deutschlands.

Sehr gut erinnern kann ich mich noch an die äußerst dramatisch klingende, hämmernde Signation der politischen Sendung "ZDF-Magazin". Sie wurde von 1969 bis 1988 jede zweite Woche ausgestrahlt und von Gerhard Löwenthal geleitet und moderiert.
Bei der Melodie handelte es sich übrigens um einen Auszug aus dem 1. Satz des Konzertes für Orchester von Witold Lutosławski.

Ganz verschwommen hingegen erinnere ich mich an eine Krimi(?)serie im Vorabendprogramm von ARD oder ZDF, die so ungefähr Anfang der Achtziger gelaufen sein muss. Ihre Hauptgestalt war ein dunkelhaariger Mann namens Maik, altersmäßig schätzungsweise in den Dreißigern oder Vierzigern. Mehr weiß ich nicht mehr. Nur, dass er in einer Folge mal im Hochwasser schwamm.

Ich erinnere mich an die historische Wetterkarte bei der Tagesschau, an den sich sehr nasal artikulierenden Off-Sprecher.

Gern gesehen habe ich auch die Paulchen-Panther-Cartoons im Westfernsehen.

Ich erinnere mich, wie ich im Herbst 1983 auf dem Kanal der ARD als Pausenfüller immer mal ein so genanntes "Wimmelbild", also ein Bild im Comic-Stil mit sehr vielen kleinen Details, sah. Wenn ich mich nicht ganz täuschte, war dies eine Werbung für die ARD-Fernsehlotterie "Ein Platz an der Sonne".

Sehr einprägsam war die Signation der ARD-Verkehrssendung "Der 7. Sinn".

Ziemlich spannend bis zum Schluss war die deutsche Krimiserie "Matt in 13 Zügen" aus dem Jahr 1983. Sie basierte auf der gleichnamigen Vorlage des deutschen Schriftstellers Hans Joachim Flechtner.
Die Handlung: Der renommierte Wissenschaftler Professor Eberhard Romberg betrieb ein privates Chemie-Labor und stand kurz vor einer revolutionären Entdeckung, als eine Explosion seinem Leben ein Ende setzt. War es ein Unfall oder Mord? Seine Mitarbeiter sind ratlos.
Im Schreibtisch des Toten findet man ein ungewöhnliches Testament. Alleinerbe soll derjenige sein, der dreizehn Preisaufgaben löst. Doch wenige Wochen danach wird Rombergs Testament in der Tageszeitung veröffentlicht. Offenbar setzte der Verfasser des Testaments voraus, dass nur einer am Ende die dreizehnte Aufgabe lösen wird. Nur wer eine Aufgabe gelöst hat, bekommt die nächste gestellt.

Auch wieder sehr verschwommen erinnern kann ich mich an ein sehr futuristisches Fernsehspiel, das ungefähr 1985 im Westfernsehen gelaufen sein muss. Die Hauptgestalt war ein verrückter Wissenschaftler namens Morx, welcher in seinem Institut, das mit Technik auf dem Stand von Jahrhunderten voraus ausgestattet war, Menschen klonte, um sie durch ihre Doppelgänger, im Film "Duplikate" genannt, zu ersetzen.
Während der Filmhandlung wurde das mit einem Familienvater ungefähr in den Vierzigern gemacht. (Der Klon-Vorgang ähnelte übrigens ein wenig dem Beamen auf der "Enterprise".)
Dieser war für die Öffentlichkeit während der Zeit seiner Entführung Gast in einer Quiz-Show namens "Euroshow". Die ganze Show war jedoch komplett elektronisch manipuliert, eine einzige Farce. Eines seiner Kinder bemerkte den Schwindel, als er in der Show ein Jackett auszog, das er in dieser Gestalt nur einmal besaß und das zur gleichen Zeit daheim lag.
In dieser Science-Fiction-Welt gab es in jedem Haushalt ein hypermodernes Videospiel namens Videopolis. Mit diesem konnte man die Realität als solche verändern. Man konnte Menschen hin- und her-"beamen", konnte sie wie Spielfiguren verschiedene Dinge gegen ihren Willen tun lassen.
Mit Hilfe dieses Videopolis setzten die Kinder des Entführten dem verrückten Morx ganz schön zu, um ihren Vater freizupressen. (Unter anderem ließen sie ihn blind über eine Autobahn laufen.)
Und der Schlussgag war dann der: Dieser Morx war bereits selbst ein Doppelgänger …
Der echte Morx war dann in der Schlussszene in einer Kunstgalerie zu sehen, wo er in Richtung Fernsehzuschauer irgendwelche philosophischen Worte abgab.
Vielleicht kann mir der eine oder andere Leser ja nähere Hinweise geben, worum es sich bei diesem Film gehandelt hat.

Eine intensive Erinnerung ist das wie aus einer surrealen Traumwelt wirkende Kostümfest im zweiten Teil der "Fantomas"-Filmreihe mit dem Rundtanz als Höhepunkt.

Ich erinnere mich an die Filmkomödien "Piratensender Powerplay" und "Der Schnüffler" mit Dieter Hallervorden.

Mitte 1985 sahen wir im ARD-Vorabendprogramm die Thriller-Serie "Chamäleon". Das "Kabeleins-Serienlexikon" schreibt dazu:
"Anja, Kathrin und Silvie haben in einem Preisausschreiben eine Yachtfahrt nach Helgoland gewonnen. In der Nacht stellen die Frauen entsetzt fest, dass Kapitän und Besatzung heimlich das Schiff verlassen haben. Schließlich werden die Frauen entführt und in Hamburg gefangen gehalten. Doppelgängerinnen übernehmen ihre Rolle im täglichen Leben. Das ganze ist Teil eines Testprogramms der Organisation "Chamäleon". Ziel der Organisation ist es, identische Doppelgänger zu finden, um die Dienstleistung "Doppelgänger für Jedermann" kommerziell anbieten zu können. Auch Datenaustausch und Datenverseuchung stehen mit auf dem Zukunftsprogramm."

Ab dem Frühjahr 1986 begann ich jeden Sonntagnachmittag im ZDF die Sendung "Löwenzahn" mit Peter Lustig zu sehen. Damals noch mit dem alten Vorspann im Zeichentrickstil, wo auf einer Asphaltstraße überall die blühenden Löwenzähne durchbrachen. Die Titelmelodie wurde fast so etwas wie ein musikalisches Symbol für diese Monate.

Filme mit Bud Spencer und Terence Hill, die ich damals in den Achtziger Jahren zum ersten Mal sah: "Zwei außer Rand und Band", "Der Große mit seinem außerirdischen Kleinen", "Buddy haut den Lukas", "Vier Fäuste gegen Rio".

Ebenfalls ein Klassiker der Achtziger im Show-Bereich: "Lass dich überraschen" von Rudi Carell. Wo er jedes Mal zu Beginn das gleichnamige Lied sang.
Als im Juli 1990 die Tradition der Kölledaer Schützenfeste wiederbelebt wurde, fand im Zuge dessen im Park des Schützenhauses auch ein kleiner Flohmarkt statt. Dort kaufte ich eine Schallplatte mit den Musikbeiträgen aus der Show. Was übrigens auch meine erste West-Schallplatte war.

Anfang April 1988 sah ich zum ersten Mal den Abenteuerfilm "Das indische Grabmal" aus den Fünfziger Jahren.

Im Juli 1988 sah ich im Fernsehen zum ersten Mal die Anwaltsserie "Perry Mason". Vor allem die eingängige Jazz-Melodie im Titel war im Gedächtnis geblieben.

An einem Abend in den Sommerferien 1988 sah ich im ZDF die Spionagekomödie "Peng! Du bist tot!" mit Ingolf Lück in der Hauptrolle. Höhepunkt des Films: Die Französin Rebecca Pauly nackt.

Wir sahen gern die politsatirische Sendung "Scheibenwischer" von und mit Dieter Hildebrandt. In jeder Sendung traten auch Gastkünstler auf. Ich kann mich an einen Auftritt einer jungen Rocksängerin aus dem Jahr 1988 erinnern, welche einen sehr gesellschaftskritischen Song zum Thema Konsumgesellschaft interpretierte. Eine Zeile darin lautete: "Das habt ihr mir doch beigebracht, das Auto hat uns freigemacht".

In der „Wetten, dass..?“-Sendung vom 12. September 1988 legte ein Redakteur des Satireblattes "Titanic" Thomas Gottschalk aufs Kreuz, indem er behauptete, er könne durch das Lecken an den Mienen von Buntstiften deren Farbe erkennen. Und es schien so, als schaffte er das auch tatsächlich. Der ganz simple Trick bestand darin, dass er die aufgesetzte Sichtschutzbrille ein winziges Stück nach oben geschoben hatte.

Eine Erinnerung ist ebenfalls die Abendshow "Melodien für Millionen" mit Dieter-Thomas Heck, wo er am Anfang stets selbst das Erkennungslied sang: "Melodien, für Millionen, mal in Dur und mal in Moll, …"
Recht lustig fand ich die Sketche in der Sendung, in denen ebenfalls Heck selbst sowie der ZDF-Regisseur Pit Krüger als Darsteller auftraten. Heck und Krüger kannten sich noch aus den gemeinsamen Zeiten der ZDF-Hitparade.
Es war so im Frühherbst 1988, als in der Sendung der deutsche Sänger Heino (Für alle ab dem Jahr 2000 Geborenen: Das war der Bushido eurer Urgroßeltern … ) ein ziemlich skurriles Lied mit folgendem Refrain präsentierte:
"Der Schornsteinfegermeister und die schöne Bäckersfrau,
die trafen sich zwar heimlich, doch man sah es ganz genau,
des Schornsteinfegers Hose und der Rock der Bäckersfrau,
die waren weder schwarz noch weiß, die war'n auf einmal grau."

Richtig verrückt war ich nach der extrem coolen Jazzmelodie, welche im Vorspann des ZDF-Automagazins "Telemotor" mit Karl Senne lief. (Die Sendung ging von 1977 bis 1994.) Jedes Mal, wenn ich die Musik gehört hatte, war ich total "high".

Sehr spannend war auch der französisch-spanische Film "Die Ölpiraten" von 1975 mit John Phillip Law und Gert Fröbe in den Hauptrollen. Im zweiten DDR-Fernsehen erstmals am 16. November 1988 ausgestrahlt. Besatzungen von Öltankern versinken während ihrer Fahrt übers Meer für eine bestimmte Zeit in Bewusstlosigkeit. Wenn sie in den Häfen der Welt ankommen, merken sie, dass sämtliches Öl aus ihren Tanks verschwunden ist und durch Meerwasser ersetzt wurde.
Im Laufe der Handlung stellt sich heraus, dass dahinter der größenwahnsinnige Plan eines irren Wissenschaftlers steckt, welcher vorhat, überall auf der Welt Fruchtbarkeit senkende Mittel ins Trinkwasser einzuleiten, um das Bevölkerungswachstum zu bremsen. Und durch den Verkauf des gestohlenen Öls auf den Schwarzmärkten wurde das Unternehmen finanziert.

Im Januar 1989 sah ich zum ersten Mal mit meiner Familie im Fernsehen "Das Wirtshaus im Spessart". Danach, es war schon Nacht, hatte ich aus irgendwelchen Gründen noch etwas unten im Hof beim Kohlenverschlag zu tun.

Im Sommer 1989 sahen ich und auch etliche Gleichaltrige, wie ich wusste, mit Begeisterung die "Didi-Show" mit Dieter Hallervorden.

Ein paar westliche Fernsehserien, die meiner Ansicht nach sehr prägend für den Geist der Achtziger Jahre waren:
- "Simon und Simon" (USA 1981 – 1988. In Deutschland erstausgestrahlt von 1986 bis 1990.)
- "Ein Engel auf Erden" (USA 1984 – 89).
- "Fame – Der Weg zum Ruhm" (USA 1982 – 1987).
- "Mike Hammer" (USA 1984 – 1987).
- Und irgendwie auch noch ein wenig die Highschool-Folgen (die ersten drei Staffeln) von "Beverly Hills, 90210". Irgendwie atmeten diese Folgen noch ein wenig den verwehenden Geist der Achtziger Jahre. Kommt mir zumindest so vor.
Ohne es konkret begründen zu können: Irgendwie passten die von ihrer ganzen Aufmachung und Gestaltung her nur in die guten, alten Achtziger Jahre und in keine andere Epoche.

Oftmals, wenn im Westfernsehen eine brisante Sendung über die politischen Verhältnisse in der DDR kam, gab es "rein zufällig" in unserer Gegend Stromausfall …

Schon relativ aus dem Ende meiner Kindheit stammt die deutsche Sketchserie "Foll daneben" von und mit Dieter Krebs, von der 1990 vom Bayerischen Rundfunk insgesamt nur sechs Folgen für den ARD produziert wurden.
Am Ende einer jeden Show war es der Running Gag, dass Krebs im Fernsehstudio seine fiktive Show-Band vorstellte, deren Mitglieder durch Bildschnitttricks samt und sonders von ihm selbst verkörpert wurden. Die angeblichen Mitglieder hießen: Bobby Backe (Trompete), Theo Tusch (Schlagzeug), Zacki Zupf (Bass), Teddy Taste (Piano), Kalli Kralle (Gitarre) und "Öhrnie" Engel (Posaune).

Eine besonders legendäre Folge von "Wetten, dass..?" wurde am 14. Dezember 1991 ausgestrahlt. Als Ehrengäste waren "Genesis" und die damals sehr populäre Sportlerin Katrin Krabbe anwesend.
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