Kindheitslexikon: Fernsehen: Kinderfernsehen – DDR

Was sah ich an Kinderprogrammen?
Beginnen wir mal mit dem DDR-Fernsehen.

Eine Sache, die jedes Kind in der DDR kannte: "Unser Sandmännchen". Sendung, die ab 1959 vom DDR-Fernsehen produziert und jeden Abend zwischen 18:45 und 19:00 Uhr ausgestrahlt wurde.
Bestand aus einer Rahmenhandlung und einem eingeschobenen Teil. Die Rahmenhandlung sah so aus, dass die Puppentrickfigur Sandmännchen vor einer täglich wechselnden Kulisse zu Puppentrickkindern nach Hause kam – in der Sommerzeit auch in Ferienlager – um sich mit ihnen zusammen seine Show unter dem Titel "Abendgruß" anzusehen. Mit einer Offstimme sangen die Puppenkinder dabei:
"Sandmann, lieber Sandmann,
es ist noch nicht soweit.
Wir sehen erst den Abendgruß,
ehe jedes Kind ins Bettchen muss.
(…)"
In allen Geschichten des Sandmännchens kam in der Puppentrickkulisse ein bildgebendes Gerät vor, auf das am Ende der Begrüßung des Sandmännchens herangezoomt wurde, bis darauf in Schulausgangsschrift das Wort "Abendgruß" bildfüllend zu sehen war. Im realen Fernsehen wurde nun der Mittelteil der Sendung eingeblendet.
Dabei handelte es sich entweder um einen auf das Begriffsvermögen von Vorschulkindern zurechtgeschnittenen Dokumentarfilm, den Auftritt eines Kinderchores, einer Kindertanzgruppe oder einer Kinderturngruppe, dem Auftritt anderer Puppentrickfiguren und Ähnliches.
Eine besondere Erwähnung verdient das Handpuppenfiguren-Trio, das jeden Sonnabend im Showteil der Sandmännchensendung auftrat. Der listige Kobold Pittiplatsch. Das ordentliche und fleißige Entenmädchen Schnatterinchen. Und der etwas einfältige Hund Moppi. Sie waren die Hauptfiguren dieser Beiträge, welche eine Gartenlaube am Rande eines Waldes bewohnten, in dem zahlreiche sprechende Tiere lebten, die auch sporadisch einen Auftritt in den Filmen hatten. Hauptquelle für die Handlungen war eine harmlose, kinderfernsehentaugliche "erotische" Dreiecksbeziehung zwischen den Hauptfiguren. Mit kindgemäßen Wettbewerben buhlten die zwei männlichen Figuren Pittiplatsch und Moppi in unzähligen Sendungen um die Gunst des Entenmädchens (Wer baut den schönsten Schneemann für Schnattchen? und Ähnliches.). Der Kobold Pittiplatsch, der nicht nur sehr verschlagen war, sondern auch über "Zauberkräfte" verfügte, versuchte seinen Nebenbuhler Moppi dabei stets mit unlauteren Tricks auszustechen, zauberte diesen im Zorn auch schon mal auf eine Wolke oder verwandelte ihn in eine Sonnenblume. Die Ente kam dem Betrug jedoch immer ziemlich schnell auf die Schliche und gab dem tumben, aber ehrlichen Moppi den Vorzug, worauf Pittiplatsch sein Unrecht zerknirscht einsah.
Schnattchen war übrigens auch die erste Frau, in die ich mich mit drei Jahren verliebt hatte!
Nach dem Ende des Showteils erschien dann der Sandmann wieder. Aus dem Off war sein tägliches Abschiedslied zu hören: "Kinder, liebe Kinder, es hat mir Spaß gemacht. (…)" Er brachte die Kinder zu Bett, streute seinen Schlafsand und machte sich wieder auf den Weg nach Hause.

Da gab es jeden Sonntag Abend ein Special mit Kurztrickfilmen aus allen möglichen Ostblockstaaten. Nannte sich "Alles Trick". Bekannte Figuren, die hier auftraten, waren etwa "Lolek und Bolek" (auch als Comic sehr beliebt) oder "Der kleine Maulwurf".

Die "Pan Tau"-Filme aus der damaligen Tschechoslowakei.

Die Flimmerstunde war eine Kindersendung des 1. Programms des DDR-Fernsehens. Die Sendung, die vom 14. September 1959 bis zum Ende des DDR-Fernsehens ausgestrahlt wurde, hatte ihren festen Sendeplatz zunächst montags 16:00 Uhr, später sonnabends gegen 14:00 Uhr.

Vom Weihnachtsfest 1985 weiß ich noch, dass am Ersten Weihnachtsfeiertag am Vormittag im Fernsehen die DEFA-Verfilmung von "Frau Holle" lief.

In den Sommerferien strahlte das DDR-Fernsehen jeden Nachmittag das Ferienprogramm für die Kinder aus. Es begann zunächst mit einer etwa zwanzigminütigen Show, ungefähr auf Neun- bis Dreizehnjährige zugeschnitten. Trug den Titel "mobil durch die Ferien". Laut MDR-Angaben ging sie 1983 auf Sendung, bis 1986 zunächst nur jeden Donnerstag. Ab da erschien sie laut MDR zweimal täglich. Sie wurde bis zum Ende der sozialistischen DDR im Jahr 1989 ausgestrahlt.
Einer der Moderatoren, kann ich mich noch erinnern, hieß Ingo Kiebitz. Ein anderer Moderator, der sich dort in jungen Jahren seine Sporen verdiente, wurde später eines der bekanntesten Ansager-Gesichter des MDR: Andreas Brückner.
Danach begann der Spielfilm, in seltenen Fällen auch ein Zusammenschnitt verschiedenster Kurzfilme, welcher Spielfilmlänge erreichte.

Ich erinnere mich an einen Puppentrickfilm namens "Die fliegende Windmühle", produziert vom DEFA-Studio für Trickfilme Dresden in den Jahren 1978 und 1981. Die Handlung: Ein freches, aufsässiges Mädchen hält nicht viel von der Schule. Als dann ein dementsprechendes Zeugnis die Konsequenz ist, beschließt sie, in die Welt hinauszuziehen und nie wieder nach Hause oder in die Schule zu gehen.
Sie landet zunächst bei einem verrückten alten Wissenschaftler, der in einer Windmühle lebt.
Dort forscht er an revolutionären Flugantrieben. Aus lauter Übermut wirft das Mädchen lauter Kristalle in ein Antriebssystem in der Mühle. Welche sich daraufhin ungeplant vom Boden erhebt und ins All fliegt.
Leidlich federnd setzt sie auf einem fremden Planeten auf. Dieser wird von lauter netten, kleinen, grünen Männchen bewohnt. Sie begrüßen die Erdlinge mit einem Lied in ihrer Sprache, dessen Refrain aus folgender, sich wiederholender Zeile bestand: "Worke-worke-worke-worke, siewo, siewo, siewo, sie-i-wo."
Um noch die Handlung kurz zu Ende zu erzählen: Die kleinen Grünen leiden unter den häufigen Vulkanausbrüchen ihres Planeten. Nach allerhand Abenteuern entdeckt das Mädchen per Zufall ein Unkraut, welches sich rasend schnell vermehrt, wie man es aus Horrorfilmen kennt, wo Pflanzen die Bösewichte sind. In einem Augenblick höchster Gefahr wirft sie das sich exponentiell ausdehnende Grünzeug in einen ausbrechenden Vulkan. Welcher daraufhin verstummt, womit gleich zwei Gefahren auf einmal beseitigt waren. Begeistert von ihrem Triumph beschließt das Mädchen, zur Erde zurückzukehren und Vulkaningenieurin zu werden. Ihre Freunde teilen ihr erstaunt mit, dass sie sich dafür in der Schule anstrengen müsse, um dieses Ziel zu erreichen. Ihr Stolz ist jedoch inzwischen gebrochen, und sie teilt freudestrahlend mit, dass sie genau das tun werde.

Ich erinnere mich an den modernen tschechoslowakischen Märchenfilm "Das Mädchen auf dem Besenstiel", mit der sehr sexy Teenager-Hexe Saxana, welchen ich in den Sommerferien 1986 zum ersten Mal sah. Ein Knaller war die legendäre Verfolgungsjagd, in der Saxana mit ihrem gleichaltrigen Erdenfreund auf dem Besenstiel hinter den drei Rabauken von der gleichen Schule des Freundes, die sich mit Saxanas Zaubersprüchebuch ins Ausland absetzen wollten, herflog, untermalt von einer flotten Siebziger-Jahre-Beat-Melodie.

Zu Beginn der Fünften Klasse waren wir an einem Vormittag im Kölledaer Kino, um uns eine Verfilmung von "Robinson Crusoe" anzusehen.

In den Weihnachtsferien 1986 sah ich im Fernsehen einen ungarischen Trickfilm, der in der Kaiserzeit spielte. Ich erinnere mich noch, dass der Running Gag in dem Film war, wie der junge ungarische Held immer wieder eine etwas einfältige, wienerisch sprechende Schlosswache mit einem Geldstück bestach, um in das Schloss gelassen zu werden, und ihr das Geldstück gleich darauf heimlich wieder abnahm.

In den Maiferien 1987 sah ich zum ersten Mal den Märchenfilm "Der Salzprinz" mit Libuše Šafránková in der Hauptrolle.

Die Weihnachtsserie des DDR-Fernsehens von 1987 hieß "Spuk von draußen".
In ihrem Mittelpunkt standen drei Außerirdische vom Planeten Obskura. Nomen est Omen: Die Drei wirkten ein wenig wie intergalaktische Vorstadtganoven. Sie hatten sich im Erzgebirge der beginnenden Neuzeit niedergelassen, um dort verschiedenen krummen Geschäften, wie etwa der Falschmünzerei, nachzugehen. Ihr hochtechnisiertes Erdenquartier hatten sie dabei nach außen hin als typisches erzgebirgisches Fachwerkhaus getarnt.
Generell jedoch schien die Politik auf Obskura gewisse militärdiktatorisch-imperiale Züge zu tragen, wie aus den martialischen Grußformen der Außerirdischen hervorging.
Ihr Kumpan auf Erden, auf dessen Unterstützung sie offenbar angewiesen waren, denn er durfte sich in ihrem Haus frei bewegen, war ein korrupter und trunksüchtiger Adliger. Als dieser Adlige von einer Polizeieskorte des übergeordneten Fürsten verhaftet werden sollte, lieferte er sich ein Degenduell mit dem Einsatzkommando und kam dabei ums Leben.
Fluchtartig verließen die Außerirdischen in ihrem Transcontainer genannten Fortbewegungsmittel den Planeten. Ihr Haus samt Einrichtung mussten sie dabei zurücklassen. Von den damaligen Erzgebirglern wurde der brennende Treibstoff des Raumfahrzeuges als der feurige Schweif des Teufels gedeutet, welcher die Seele des Adligen geholt habe. Eine spätere Volkssage war geboren.
Jahrhunderte später. Achtziger Jahre des Zwanzigsten Jahrhunderts. Die kleine erzgebirgische Ortschaft liegt inzwischen in der sozialistischen DDR.
Eine Berliner Arztfamilie mit einem Sohn und zwei Töchtern zieht in den Ort zu und richtet sich in der außerirdischen Immobilie ein. Besorgte Einwohner berichten den Neubürgern von geheimnisvollen Dingen, die in dem "Spukhaus", wie sie es nennen, vor sich gehen sollen.
Genährt werden die Gerüchte vor allem durch einen zurückgezogenen, alten Sonderling, der ebenfalls in dem Haus wohnt und kaum Kontakte zu den Einwohnern hat. Von den Einwohnern wird er "Opa Rodenwald" genannt. Tatsächlich aber handelt es sich um den obskuranischen Dienstleistungsroboter Ro1-01, den die Außerirdischen bei ihrer panischen Flucht Jahrhunderte zuvor ebenfalls zurücklassen mussten.
Einige Folgen der Serie später kehren die Außerirdischen nach Jahrhunderten zurück, um ihr Haus inklusive Roboter abzuholen. Es schien sich bei ihnen um eine äußerst langlebige Spezies zu handeln.
(Worauf jedoch nicht näher eingegangen wurde. So wie die meisten Hintergründe ihres Planeten im Dunkeln blieben. Auch das wahre Aussehen dieser Außerirdischen blieb ungeklärt. So gab es eine Szene, in der die drei Aliens zunächst in Menschengestalt erschienen. Dann fielen jedoch plötzlich ihre Gesichter wie Masken zu Boden, und aus dem leeren, dunklen Inneren ihrer Kleidung schoss je ein langes Band, mit welchem sie ein Entführungsopfer fesselten.)
Auch waren ihnen die kulturellen Entwicklungen auf der Erde verborgen geblieben. Sie traten nach wie vor in ihren historischen Kostümen aus der Wende vom Mittelalter zur Neuzeit auf.
Von der Okkupierung ihrer Raumstation durch die Erdenfamilie sind sie natürlich ganz und gar nicht begeistert. Im Stile alter Slapstick-Filme versuchen sie einen fiesen Trick nach dem anderen, die ungebetenen Gäste wieder loszuwerden.
Dazu gesellt sich noch eine zweite Schwierigkeit. Ein Team des DDR-Fernsehens kreuzt in dem kleinen Ort auf, um eine kurze Verfilmung der Sage um das "Spukhaus" zu drehen. Und so liefen auf einmal Außerirdische und Schauspieler in identischen historischen Kostümen in dem Städtchen herum, was für jede Menge amüsanter Verwicklungen sorgte.
Dann versuchen sie es auf direktem Wege. In Raumanzügen nach irdischen Vorstellungen erscheinen sie dem Sohn der Familie, versuchen ihn auf ihre Seite zu ziehen. Für eine Weile bleibt unklar, wie er sich entscheiden wird.
Die Außerirdischen konnten fehlerfrei in Erdensprachen kommunizieren; teilweise machte es den Eindruck, als griffen sie dabei auf eine Übersetzer-Software zurück, auf die nicht eingegangen wurde. Einzig für Sprachbilder fehlte ihnen das Verständnis, was Quelle einiger Gags war, auch dies unterstützt den Eindruck des Einsatzes einer Sprachsoftware.
Gleichzeitig bauen die beiden Mädchen eine Beziehung zu dem vermeintlichen "Opa Rodenwald" auf. Er vertraut ihnen sein Geheimnis an.
Schließlich kommt es zum Showdown. Die Kinder legen die Außerirdischen herein und teilen ihnen ihre Forderung mit: Das Haus können sie mitnehmen. Der Roboter jedoch, den sie inzwischen ins Herz geschlossen haben, bleibt auf der Erde. Notgedrungen willigen die Aliens ein.
In einer Nacht, in der die Eltern der Kinder nicht zuhause sind, räumen die Außerirdischen das Mobiliar der Familie auf die Straße. In einer besonders kuriosen Szene lassen sie danach buchstäblich die Luft aus dem Haus, worauf es auf ein Spielzeughaus von ungefähr einem Meter Größe schrumpft. Dieses tragen sie in ihr Raumschiff und fliegen davon in Richtung ihres Heimatplaneten.
Die Eltern der Kinder, welche noch in derselben Nacht übermüdet nach Hause kamen und sich sofort in ihre Betten fallen ließen, fanden sich am nächsten Morgen zu ihrer großen Überraschung samt Betten auf der Straße wieder.
Eine Erwähnung wert ist das Raumschiff der Außerirdischen. Es entsprach keinem der gängigen Klischees aus Science-Fiction-Filmen. Stattdessen hatte es die Form eines Kontrabass-Kastens, welcher in waagerechter Position flog.
Auch sein Inneres hatte nichts mit klassischen Vorstellungen von Raumschiffen gemeinsam. Einrichtung war in keiner Weise vorhanden. Das Objekt schien vielmehr ein Einstiegsportal zu einer Art Hyperraum zu sein. So führte unter seinem Deckel eine sehr tiefe Treppe in einen riesigen, dunklen Raum hinab, dessen Grenzen nicht zu erkennen waren.
Bei Gefahr des Entdeckens dieser Technologie konnte zur Tarnung unmittelbar tatsächlich ein Kontrabass in das Flugobjekt materialisiert werden.

Sehr gut erinnern kann ich mich noch an das moderne tschechoslowakische Märchen "Ein Klecks ins Märchen": "Die achtjährige Wendula bekommt von ihrem Vater ein Märchenbuch mit Bildern des tschechischen Malers und Schriftstellers Josef Lada zum Geburtstag geschenkt. Auf einer der ersten Seiten hat der Künstler einen schwarzen Klecks hinterlassen, welcher den Weg ins Reich der idyllischen Bilderbuchwelt, in die Arbeitsstube Josef Ladas, leitet. Das Mädchen und bald auch ihr Bruder begeben sich, durch die Berührung des Kleckses, auf eine komische, abenteuerreiche Entdeckungsreise."
(Quelle: http://www.cinefacts.de/Filme/Klecks-ins-Maerchen,50068, Abruf vom 4. März 2014)

In den Februarferien 1988 sah ich an einem Nachmittag den UdSSR-Zweiteiler "Die Goldschuhchen". War zwar irgendwie Revolutionskitsch, aber trotzdem gut gemacht. Jedenfalls so gut gemacht, dass ich von der Handlung in den folgenden Wochen völlig eingenommen war.
(Wie ich Jahre später in einem Online-Zeitungsarchiv recherchierte, war dies der 22. Februar 1988.)

Ebenfalls in den Winterferien 1988 hatten wir mal an einem wolkigen Frühnachmittag im Sägewerk Sander am Ende der Straße Hobelspäne für den Hühnerhof geholt. Die Hühner waren ganz verrückt danach, wenn sie unter einer Schicht Hobelspäne buddeln konnten. Das verschaffte ihnen Beschäftigung.
Gleich danach lief im Ferienprogramm des DDR-Fernsehens eine russische Verfilmung von "Dr. Dolittle".
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