Kindheitslexikon: Drogenaufkaufsstelle

So nannten sich die staatlichen Heilkräuteraufkaufsstellen in der DDR, die es in jeder Stadt ab einer gewissen Größe gab. Die in unserer Stadt befand sich in der Erfurter Straße/Höhe Entenplan.
Entgegengenommen wurde praktisch alles, was je nach Saison in der freien Natur vor den Toren der Stadt wuchs. Sie zahlten dafür sehr gut.
Ich erntete vor allem im Herbst reife Hagebutten von den Sträuchern an den Feldrändern – so wie zahlreiche andere Jugendliche auch. Vom Pflücktechnischen und vom Gewicht her war das natürlich "easy money", wie man es auf Neudeutsch formulieren würde. Ein Mitschüler von mir hatte mal ein Wochenende über seine ganze Familie zum Mitpflücken "verdonnert" und dafür den Erlös von 600 DDR-Mark eingestrichen. Zum Vergleich: Das war das Einstiegsgehalt eines Junglehrers.


Unternehmen dieser Art, die vor meiner Zeit in der Stadt tätig waren:

Geschäft: Firma Freytag.
Verarbeitete vor allem Tabak. Auch Kleinstlieferanten konnten ihren im Garten angebauten und zu Hause auf dem Dachboden selbst getrockneten Tabak zum Fermentieren und Schneiden gegen geringe Bezahlung bringen – so wie wir auch. Wir hatten im Garten der Familie Lehmann ein großes Beet mit Tabak bepflanzt und ernteten die Blätter nacheinander. Sie wurden der Größe nach von unten nach oben von den starken Stielen der Tabakpflanzen abgeerntet und zuhause sofort auf einen stabilen, langen Draht aufgefädelt und dann auf dem Dachboden zum langsamen Trocknen aufgehängt. Die frischen Blätter klebten fürchterlich!
Spätere Nutzung/Nachbesitzer: Unbekannt.
Lage: Roßplatz/Ecke Prof.-Hofmann-Straße.

Geschäft: Drogenhandlung Henseler.
Heilkräuter aller Art, vermutlich ungefähr bis Kriegsmitte, nach dem Krieg Verarbeitung und Handel nur noch in Kleinstausführung.
Spätere Nutzung/Nachbesitzer: Hinter dem Wohnhaus war gleich ein großer Trakt für diesen Bereich angebaut. Nach dem Krieg baute man die obere Etage der großen Trockenböden zu einer geräumigen Mehrzimmer-Wohnung aus zum Vermieten. Dort wohnte einige Jahre meine Tante Hildegard, Tochter meiner Großtante Lisa, mit ihrem Mann Artur Schneider und ihren Kindern Axel und Monika.
Später unterhielt der Tischlermeister Dittmer, auch wir haben bei ihm unter anderem Regale und größere Bilderrahmen für Ölgemälde anfertigen lassen, die untere Kräuterhalle als Werkstatt. Er hatte das ganze Haus gekauft.
Lage: Roßplatz, das nächste oder übernächste Haus von Bäckerei Triebel aus zum Backleber Tor hin.
0
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.