Kindheitslexikon: Busverkehr

Folgende Bushaltestellen existierten in Kölleda, während ich in der Stadt lebte:
- Bachstraße, in erster Linie für die Schüler der dortigen Schule.
- Bahnhofsvorplatz.
- Roßplatz. Dort befand sich der zentrale Busbahnhof der Stadt. 1968 errichtet.
- Straße des Friedens, vor der seinerzeitigen August-Bebel-Schule – ganz sicher bin ich mir hier aber nicht, was meine Erinnerung betrifft. Obwohl es natürlich naheliegend wäre, dass auch das Siedlungsviertel mit einer Bushaltestelle an zentralem Ort versorgt gewesen ist.

Die Busse im gewöhnlichen Linienverkehr waren – wie fast überall im Ostblock – Ikarusse aus Ungarn. (Ich habe hier übrigens noch mit eigenen Augen verschiedene Generationen dieses Typs erlebt.) Im Werksverkehr wurden eher Robur-Busse verwendet.

Ganz früher mal, vermutlich bis in die Fünfziger Jahre hinein, bestand im Postauto eine Mitfahrgelegenheit. Jeden Vormittag Halb Neun startete es vom Postgebäude in der Bahnhofstraße aus, um Post in die Nachbarortschaften Battgendorf und Beichlingen auszufahren. In seinem Inneren, gleich hinter dem Fahrersitz, befand sich eine – mäßig bequeme – Bank, auf welcher man als Passagier mitfahren konnte. Vier bis fünf Personen konnten dort eng nebeneinander sitzen. Für das Zurückkommen musste man selbst sorgen, da es sich dabei ja um keinen Linienverkehr handelte und das Auto sofort wieder nach Kölleda zurückfuhr, sobald es seine Fracht ausgeliefert hatte.

Mama Leone … war der Spitzname eines Busfahrers aus unserer Stadt, der dieses Lied immer auf Arbeit sang.

Zum Schluss noch eine Anekdote aus dem Familienkreis zum Thema Busse.
Mit vier Jahren erklärte mir zum ersten Mal jemand während einer Autofahrt auf einen Gelenkbus deutend: "Das ist ein Schlenkibus."
Einige Jahre später. Ein Familientreffen. Wir sitzen zu der obligatorischen Abschlusskaffeerunde um Großmutters Stubentisch zusammen, bevor die Gäste wieder heimkehren.
Ich verwende in irgendeinem Zusammenhang das Wort "Schlenkibus".
In unserer Verwandtschaft gab es eine Frau, die nun ja, etwas etepetete war. (Übrigens dieselbe, die hier im Buch unter dem Kapitel "Nonsens-Sprüche" beschrieben wurde.) Und diese Verwandte korrigierte mich, als hätte ich an der Kaffeetafel irgendetwas Obszönes von mir gegeben, in sehr damenhaftem und pikiertem Tonfall: "Ein Gelenkbus!"
Wieder etwas später. Unsere Schulklasse kehrt gerade von irgendetwas aus der Stadt zurück. Ich weiß noch, wir befanden uns gerade in der Dr.-Stockmann-Straße, ungefähr auf der Höhe der alten Turnhalle. Wir sprechen irgendwie über Autos. Ich – eingedenk meiner Maßregelung – verwende das Wort Gelenkbus.
Mein Klassenkamerad Marcel Hanika sehr verwundert: "Wos isse das?"
Dirk Meier: "Na, ä Schlenkerbus!"
Wie man es macht, ist es verkehrt …
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