Kindheitslexikon: Bankwesen allgemein/Sparkasse in Kölleda/frühere "Darlehensbank Kölleda", späterer Jugendklub

Das Kreishaus/Landratsamt/die Sparkasse/Grundschule in der Salzstraße 6. Aufnahme aus dem Frühjahr 1992. Zwischen dem weißen und dem grauen Haus im Anschluss sieht man die Herrengasse. Durch sie gelangte man zum seinerzeitigen Kino der Stadt. Und ging man die Straße hier geradeaus bis zu ihrem Ende, dann befand sich dort das Farben- und Lackegeschäft Mundt/später Ohlenforst.
 
Im Treppenhaus des Gebäudes. Aufnahme aus dem November 1992.
 
Werbeeinschaltungen der Darlehensbank von 1928.
Überblick über die Bankenlandschaft der DDR:
- Staatsbank der DDR.
- Sparkassen.
- Genossenschaftsbanken für Handwerk und Gewerbe (welche im allerweitesten Sinne den westlichen Volksbanken entsprachen).
- Bäuerliche Handelsgenossenschaften, kurz BHG. (Diese kamen ungefähr den westlichen Raiffeisen-Genossenschaften gleich.)

Die Gebühr für einen Einzahlungsauftrag betrug:
Bis 10,-- M 0,10 M
Bis 25,-- M 0,15 M
Bis 100,-- M 0,20 M
Bis 250,-- M 0,25 M
Bis 500,-- M 0,30 M
Bis 750,-- M 0,40 M
Bis 1.000,-- M 0,50 M
Bis 1.250,-- M 0,60 M
Bis 1.500,-- M 0,70 M
Bis 1.750,-- M 0,80 M
Bis 2.000,-- M 0,90 M
Über 2.000,-- M unbeschränkt 1,-- M
Gedruckt wurden die Formulare dafür in Spremberg.

Wenn ich richtig informiert bin, durfte man zu DDR-Zeiten als Privatperson sein Konto nicht überziehen.


Geschichte der Sparkasse in Kölleda:

1. Juli 1857: Errichtung der Kreissparkasse des Landkreises Eckartsberga in Cölleda.

1858: Nach dem ersten Geschäftsjahr konnte sie 21.999 Taler, 20 Silbergroschen und 9 Pfennige an Spareinlagen verbuchen.

1879/80: Errichtung des Kreishauses in der Salzstraße 6 als Sitz des Landrates des Kreises Eckartsberga. (In der Fachliteratur tauchte diesbezüglich allerdings auch die Jahreszahl 1884 auf.)

1. Oktober 1880: Die Kreissparkasse Cölleda ist fortan im Kreishaus in der Salzstraße 6 tätig. Sie wird dieses Domizil bis zum Ende des 20. Jahrhunderts behalten.

1904: Umbau und Erweiterung der Geschäftsräume im Kreishaus.

1909: Die Sparkasse erlangt die Scheckfähigkeit.

1916: Einführung des Giroverkehrs durch den Deutschen Sparkassenverband.

1. Februar 1925: Einführung der doppelten Buchführung. Die Gesamteinlagen steigen.

April 1925: Eröffnung der Zweigstelle Bad Bibra.

April 1927: Eröffnung der Zweigstelle Eckartsberga.

Mai 1927: Eröffnung der Zweigstelle Wiehe.

Angebotspalette der Kreissparkasse laut einer Werbeeinschaltung von Ende 1927:
- Spar-, Überweisungs-, Kontokorrent- und Scheckverkehr, Reisekreditbriefe
- Real- und Personalkredit
- Diskontierung von Wechseln
- Einziehung von Forderungen
- Depotverwaltung und Vermietung von Schrankfächern
- An- und Verkauf von Wertpapieren
Laut derselben Werbeeinschaltung sah die Struktur des Unternehmens in jenem Jahr folgendermaßen aus: Hauptstelle in Cölleda. Zweigstelle in Bad Bibra, Marktstraße 8. Annahmestellen in Eckartsberga, Heldrungen, Wiehe, Beichlingen, Billroda, Bretleben, Bucha, Büchel, Donndorf, Etzleben, Herrengosserstedt, Cannawurf, Klosterhäsler, Leubingen, Lossa, Memleben, Oberheldrungen, Reinsdorf.

11. Juli 1928: Umbenennung von "Kreissparkasse des Eckartsbergaer Kreises" in "Kreissparkasse Kölleda".

Laut einer Werbeeinschaltung mit Stand Ende 1928 sind die Annahmestellen in Wiehe und Eckartsberga zu Zweigstellen aufgerückt. Beichlingen und Memleben scheinen nicht mehr auf, dafür ist Bilzingsleben hinzugekommen.

September 1930: Eröffnung der Zweigstelle Heldrungen.

1930: Einrichtung eines Kreisheimatmuseums in den Kellerräumen des Kreishauses in der Salzstraße 6.

31. Dezember 1931: Zu diesem Stichtag waren Spareinlagen in Höhe von 5.003.118 Reichsmark sowie Giro- und Kontokorrenteinlagen in Höhe von 858.097,18 Reichsmark zu verzeichnen.

Der Zeit entsprechend ideologisch gefärbter Text einer Werbeeinschaltung auf der vierten Umschlagseite der Festbroschüre anlässlich der "Zehn-Jahresfeier der NSDAP., Ortsgruppe Kölleda" am 26. und 27. August 1933:
"Kreisbewohner!
Fördert Eure Kreissparkasse!
Politische Wirrnis und lähmende Unruhe sind vorüber. Sicherheit und Ordnung schaffen Vertrauen und neue Hoffnung! Alle Kräfte gehören dem Aufbau! Zu neuem Aufstieg bedarf es auch der Sparer.
Durch Sparen dient jeder sich selbst und der Nation. Ohne Sparen des Einzelnen kein Gedeihen des Ganzen.
Reihe Dich ein in die Volksfront der Sparer.
Sparer heraus!"

Eine Werbeeinschaltung, herausgegeben Ende 1938, liest sich so:
"Errichtet 1852
Mündelsicher
Fördert die
Kreissparkasse zu Kölleda
– die Sparkasse des Kreises Eckartsberga –
Annahme von Spar- und Depositeneinlagen
Ausstellung von Bauernsparbüchern
Eröffnung von Konten in laufender Rechnung
Scheckkonten
Ankauf von Wechseln
(Leerzeile)
An- und Verkauf und Verwaltung von Wertpapieren
Gewährung von Hypotheken und Personalkrediten
Vermietung von Schrankfächern
Ausstellung von Reisekreditbriefen
Spargiro-Verkehr – Eilüberweisungs-Verkehr"
Entwicklungsstand der Unternehmensstruktur im Vergleich zu 1928 laut dieser Werbeeinschaltung: Etliche Veränderungen bei den Zweig- und Annahmestellen, welche jetzt als Hauptzweigstellen und Nebenzweigstellen bezeichnet werden. Als Hauptzweigstellen werden Bad Bibra, Eckartsberga, Wiehe und Heldrungen (am Bahnhof) geführt. Nebenzweigstellen in: Auerstedt, Bachra, Beichlingen, Bernsdorf-Kahlwinkel, Billroda, Bilzingsleben, Braunsroda b. E., Bretleben, Bucha, Büchel, Burgheßler, Burkersroda, Donndorf, Etzleben, Frohndorf, Gorsleben, Grieffstedt, Hauteroda, Hemleben, Herrengosserstedt, Kannawurf, Klosterhäsler, Leubingen, Lossa, Memleben, Oberheldrungen, Reinsdorf, Saubach, Tromsdorf, Wohlmirstedt.

Ende 1940: Werbeeinschaltung wie 1938, nur mit dem Unterschied, dass statt des Doppelnamens Bernsdorf-Kahlwinkel nur noch Kahlwinkel genannt wird.

1. Juli 1945: Die amerikanische Besatzung wird durch die sowjetische abgelöst.
Nach der Eingliederung der Stadt in die Sowjetische Besatzungszone wird das Kreishaus in der Salzstraße 6 Sitz der sowjetischen Kreiskommandantur. In den Kellerräumen wird ein provisorisches Gefängnis eingerichtet.

Im Zuge der Gebietsreform 1952, bei der Kölleda seinen Status als Kreisstadt an Sömmerda verloren hatte, wurde die Sparkasse eine Zweigstelle der neu gegründeten Kreissparkasse Sömmerda.
Was auch Auswirkungen auf das städtische Schulwesen hatte. In jenem Jahr zogen die oberen Klassen aus der Schule in der Mühlgasse aus. Sie fanden Quartier im nun ehemaligen Kreishaus in der Salzstraße 6, welches aufgrund der genannten Umstrukturierungen frei geworden war.

Währungsunion: Am 1. Juli 1990 wurde in Vorbereitung der Wiedervereinigung beider deutscher Staaten in der gesamten damaligen DDR die Deutsche Mark als gesetzliches Zahlungsmittel eingeführt. Die Bestände auf sämtlichen Konten der DDR wurden auf D-Mark umgestellt. Gleichzeitig konnte an diesem Tag erstmalig D-Mark von den Konten behoben werden.
Als einziges Geldinstitut der Stadt übernahm für Kölleda die Sparkasse diese Aufgabe. Auch Mutter und ich waren an diesem geschichtlich so bedeutsamen Tag vor Ort anwesend.

30. Oktober 1991: Die Sparkasse installiert den ersten EC-Geldausgabeautomaten in Kölleda.

1992: Umbau der Zweigstelle in Kölleda.

Mit Beginn des Schuljahres 1993/94 zieht die Grundschule ins ehemalige Kreishaus in der Salzstraße 6 ein.

1996: Die Grundschule im ehemaligen Kreishaus in der Salzstraße 6 erhält den Namen "Wippertus-Schule".

1996/97: Errichtung des neuen Sparkassen-Gebäudes auf dem Grundstück Markt 4, seinerzeit Hotel "Preußischer Hof".

2. November 1997: Feierliche Eröffnung des Neubaus.

Nach dem Zusammenschluss der Sparkassen Erfurt, Weimar und der Kreissparkasse Sömmerda am 1. Mai 2003 zur neuen Sparkasse Mittelthüringen ist Kölleda zur Zweigstelle der neuen Sparkasse geworden.


Nun zur Geschichte der früheren Darlehensbank Kölleda. Gelegen in einer Jugendstilvilla genau östlich gegenüber der Post.
Ungefähr bis Kriegsende lag hier die Niederlassung der 1887 gegründeten "Darlehensbank Kölleda e. G. m. b. H.". Kurios: Der letzte Leiter dieser Einrichtung bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges hieß mit Nachnamen Benker. Die Familie lebte übrigens in dem Backsteinhaus, das sich dem Lebensmittelgeschäft Laue in der Bahnhofstraße unmittelbar in südlicher Richtung anschloss.
In der Nachkriegszeit war in dem nun ehemaligen Bankgebäude der Akkordeonmusiker Helmut Festner mal mit seinem Kinder- und Jugendorchester untergebracht.
Parallel dazu war in dieser Zeit dort die Hygiene-Inspektion des Rates des Kreises einquartiert. Unsere ehemalige Nachbarin Elfriede "Wieda" Weber arbeitete dort eine Zeitlang, bevor sie ihre diesbezügliche Tätigkeit dann in Sömmerda fortsetzte.
Zu meiner Zeit lag dort der städtische Jugendklub. Soweit ich mich erinnere, befand ich mich zweimal in dem Gebäude. Einmal anlässlich einer Faschingsfeier einer Klasse der Jahn-Schule im Jahr 1982. Und ein zweites Mal auch wieder anlässlich einer Feier einer Jahn-Schul-Klasse. Diesmal einer Adventfeier, in der Weihnachtszeit 1984.


Bei meinen Recherchen stieß ich auch auf folgende historische Werbeeinschaltung:
Kölledaer Bank
Gerhardt, Richter & Co.
Adolf-Hitler-Straße (Bahnhofstraße, Anm.) 11b.
Kassenstellen in Kindelbrück und Heldrungen.
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