Tipps & Tricks | Lebensmittelmotten

Dörrobsmotte.
 
Eier der Lebensmittelmotte.
 
Larve der Lebensmittelmotte.
 
Puppe der Lebensmittelmotte.

Meine erste Begegnung mit Lebensmittelmotten war vor vielen Jahren in meiner Münchener WG. Charlotte, Verena und ich saßen noch ein wenig verschlafen beim Sonntagmorgenkaffee und bemerkten auf einmal … grüne Würmchen an der Decke? Wir trauten unseren Augen nicht. Die ganze Küche war voll davon.
Der Apothekenbesuch am Montag brachte Klarheit: Lebensmittelmotten! Die freundliche Apothekerin erklärte uns, dass wir sofort unsere gesamten Vorräte überprüfen müssten. Wir sollten alles Befallene wegwerfen und den Rest in gut verschließenden Behältern unterbringen. Was für eine Arbeit – was für eine Verschwendung! Aber durch rigorose Durchführung der Anweisungen haben wir das Problem in den Griff bekommen. Bei Papageienhaltern ist dies leider nicht ganz so leicht, da es fast unvermeidbar ist, dass Körner, Nüsse & Co. irgendwo herumfliegen, egal, wie penibel man putzt. Die Futterschalen sind natürlich immer offen und unsere gefiederten Lieblinge haben auch ein unvergleichliches Talent dafür Futterreste in die hintersten Ecken zu schnicken. Deshalb sind wir Papageienhalter besonders gefährdet, ein Problem mit diesen Plagegeistern zu bekommen.

Was sind Lebensmittelmotten?

Es gibt fünf Arten von Lebensmittelmotten, von denen drei hauptsächlich in der Wohnung auftreten. Diese sind Dörrobst-, Mehl- und Getreidemotten. Mit Abstand am häufigsten sieht man die Dörrobstmotte (Plodia interpunctella).

Aussehen

Diese drei Lebensmittelmottenarten sehen einander recht ähnlich und erinnern an Nachtfalter mit ihrer braun-grau-beigen Färbung. Die Flügel sind dabei nicht einfarbig, sondern weisen markante Muster auf. Von der Größe her sind sie mit ungefähr einem Zentimeter deutlich kleiner als die meisten Nachtfalter. Außerdem treten sie auffällig gehäuft auf, während man Nachtfalter eher vereinzelt sieht. Die Larven sind weißlich-beige, manchmal auch ein bisschen ins grünliche verfärbt. Auch sie werden ungefähr einen Zentimeter groß.

Ernährung

Motten und Larven fühlen sich pudelwohl in stärkehaltigen Lebensmitteln, wie Reis, Nudeln, Nüssen, Körnerfutter, aber auch in Schokolade. Dort finden sie mehr als genug Nahrung und vermehren sich rasant. Dabei fressen die erwachsenen Motten gar nicht. Ihre Hauptaufgabe ist die Vermehrung. Ihre Lebenszeit beträgt auch nur zwei bis drei Wochen.

Vermehrung

Nach der Verpaarung sucht das Weibchen einen geeigneten Ort, um ihre bis zu zweihundert Eier abzulegen. Dabei hilft ihr ausgezeichneter Geruchssinn. Motten können Artgenossen und Nahrungsstoffe über Kilometer weit riechen. Die Eiablage erfolgt dann direkt in die Lebensmittel oder in unmittelbarer Nähe dazu. Häufig werden die klebrigen Eier außen auf die Verpackung von Lebensmitteln abgelegt. Die gefräßigen Larven fressen sich nach dem Schlupf einfach durch die Verpackung durch, um an die Lebensmittel zu kommen. Plastik und Pappe sind für sie kein Hindernis.
Je nach Umgebungstemperatur beginnen die Larven sich nach vierzig bis fünfundsiebzig Tagen zu verpuppen. Bevorzugt sind dafür Ecken in Schubladen und Schränken aber auch dort, wo die Wand an die Zimmerdecke stößt. Man kann dann manchmal die Larven die Wände hoch kriechen sehen. Die neuen Falter schlüpfen nur zehn Tage nach der Verpuppung und der Zyklus geht von neuem los.

Wieso sind Lebensmittelmotten schädlich?

Ein Befall durch Lebensmittelmotten ist nicht nur unappetitlich, sondern sogar gesundheitsgefährdend. Die Flügelteile der Motten können Hautreizungen oder Allergien verursachen. Die Larven zerfressen und koten in die befallenen Lebensmittel. In diesem Kot können Milben und verschiedene Pilze wachsen. Außerdem können Lebensmittelmotten und deren Larven Mikroorganismen übertragen, die unsere Lebensmittel vorzeitig verderben lassen oder sogar Krankheiten verursachen.
Der Verzehr von befallenen Lebensmitteln kann zu allergischen Reaktionen, Schleimhautreizungen und Darmerkrankungen führen. Deshalb dürfen solche Lebensmittel nicht mehr verzehrt werden. Der Tipp, befallene Lebensmittel einzufrieren, tötet zwar Motten und Maden ab, sodass sie sich nicht weiter vermehren können, aber es macht die Lebensmittel nicht genussfähig. Wegwerfen müsst Ihr die Sachen also leider trotzdem.

Woher kommen Lebensmittelmotten?

Oft schleppt man sich Lebensmittelmotten mit stärkehaltigen Lebensmitteln direkt vom Händler ins Haus ein. Handelsübliche Verpackungsfolien oder gar Pappschachteln bilden keine wirksame Barriere, sodass die Tierchen sich bereits in noch geschlossenen Verpackungen tummeln. Auch von draußen gelangen Lebensmittelmotten ins Haus. Bei entsprechendem Nahrungsangebot oder anderen Verlockungen, wie z.B. Pheromonfallen, können Lebensmittelmotten auch durch offene und ungesicherte Fenster ins Haus gelangen.

Wie vermeide ich Lebensmittelmotten?

Das Lebensmittelmottenproblem vermeidet Ihr natürlich am besten dadurch, dass Ihr sie gar nicht erst in Eure Wohnung holt. Dazu sollte wirklich jede Packung, die stärkehaltige Nahrungsmittel enthält, von Euch kontrolliert werden. In Klarsichttüten verpackte Produkte können recht gut überprüft werden. Ihr könnt durch die Verpackung sehen, ob die Nahrungsmittel frei rieseln oder klumpen. Manchmal könnt Ihr sogar schon die Motten oder Larven in der Tüte sehen. Wenn die Nahrungsmittel an der Verpackung „kleben“ oder wenn spinnwebenartige Gebilde in der Packung zu sehen sind, dann ist diese von Lebensmittelmotten befallen und sollte sofort ungeöffnet in Eurer Mülltonne außerhalb der Wohnung entsorgt werden.
Pappschachteln sind schwieriger zu kontrollieren. Ich würde empfehlen, diese sofort nach dem Kauf zu öffnen und den Inhalt in fest schließende Einmachgläser oder ähnliches umzufüllen. Oft sitzen die Motten und Larven am Boden einer solchen Schachtel. Deshalb ist es keine gute Idee, die Schachtel nur zu öffnen und oben reinzuschauen. Ihr müsst den Inhalt unbedingt umfüllen, um sehen zu können, was weiter unten in der Packung los ist.
Eine weitere Möglichkeit, sich Lebensmittelmotten ins Haus zu holen sind offene Fenster. Hier hilft nur der Schutz durch Insektengitter.
Probleme mit Lebensmittelmotten treten besonders häufig auf, wenn Lebensmittel zu lange oder nicht richtig gelagert werden. Am besten ist es, nur kleine Mengen Lebensmittel einzukaufen und diese in gut verschließbaren Behältern zu lagern.

Wie werde ich Lebensmittelmotten wieder los?

Wenn Ihr Euch trotz aller Vorsichtsmaßnahmen Lebensmittelmotten eingefangen habt, müsst Ihr sie natürlich wieder loswerden, damit sie Euch nicht Eure ganzen Vorräte zerstören. Als Papageienhalter könnt Ihr natürlich keine Insektizide anwenden. Zu groß ist die Gefahr für Eure Vögel.

Pheromonfallen
Pheromonfallen sind leider auch nicht sehr zweckdienlich. Sie dienen allein der Kontrolle und sind kein effektives Bekämpfungsmittel. Es werden nur Männchen gefangen, die Weibchen legen weiterhin Eier ab. Zwar kommt es durch das Wegfangen der paarungsbereiten Männchen zu einer Reduktion der Mottenpopulation, ausmerzen könnt Ihr sie so jedoch leider nicht. Außerdem könnt Ihr, wenn Ihr Pech habt, durch die Pheromone sogar Motten von draußen zu Euch locken.

Befallene Vorräte entsorgen – frische Vorräte schützen
Die allererste Maßnahme, wenn Ihr bemerkt, dass Ihr Lebensmittelmotten im Haus habt, ist zuallererst alle Vorräte zu kontrollieren. Schmeißt rigoros alles Befallene weg und zwar in Eure Mülltonne draußen und nicht etwa in Euren Küchenmülleimer. In dem könnten sie sich nämlich unproblematisch weiter vermehren. Die nicht befallenen Lebensmittel müsst Ihr ausnahmslos in dicht schließenden Behältern unterbringen. Gut dafür sind Einmachgläser oder Tupperdosen. Blechdosen schließen leider oft nicht dicht genug und auch unter lose aufliegende Deckel können die Biester problemlos durchklettern.

Grundreinigung
Ist alles gut verpackt, geht es an die Grundreinigung Eurer Küche. Ihr müsst sämtliche Vorratsschränke gründlich reinigen. Bedenkt dabei, dass Lebensmittelmotten und -maden in kleinste Ritzen krabbeln können und dass oft auch hinter Küchenschränken kuschelige und nährreiche Plätze für sie vorzufinden sind. Jeder, der einmal mit Küche umgezogen ist, weiß, dass sich hinter Küchenschränken trotz aller Sorgfalt und Sauberkeit ein Haufen Dreck ansammelt.
Ein Schuss Essig ins Spülwasser soll zusätzlich helfen. Ritzen und die kleinen Löcher, in die die Halter für die Regalbretter eingesteckt werden können, lassen sich leider sehr schlecht auswaschen. Angeblich soll es helfen, diese mit Heißluft mittels eines Föhns zu bearbeiten. Das ist zumindest einen Versuch wert. Ein Trick von der Oma ist es, Schalen mit Olivenöl auszustellen. Die Motten sollen darin „baden“ und verenden. Das hat bei mir zuhause allerdings überhaupt nicht funktioniert.

Schlupfwespen
Falls all diese Maßnahmen nicht ausreichend waren, um des Problems Herr zu werden, gibt es noch die Geheimwaffe Schlupfwespen. Sie sind winzig, kleiner als einen halben Millimeter, sodass man sie selbst gar nicht bemerkt. Sie vermehren sich, indem sie ihre Eier in die Lebensmittelmotteneier ablegen: Diese werden von den Schlupfwespenlarven aufgefressen und so abgetötet. Sind irgendwann alle Motten vernichtet, verschwinden die Schlupfwespen, da sie keine Nahrung mehr finden und werden nicht etwa selber zur Plage. Netter Nebeneffekt: Sie wirken auch auf Kleidermotten.
Achtung: Da es immer die verschiedenen Lebenszyklen (Ei, Larve, Motte) parallel gibt, müsst Ihr die Behandlung mit Schlupfwespen mindestens drei mal im Abstand von zwei Wochen durchführen. Nur so könnt Ihr sicher sein, dass Ihr alle – auch Nachzügler – erwischt habt. Viele Internetversender berücksichtigen dies und schicken Euch die, leider nicht ganz billigen, Schlupfwespen im Dreierabo. Wie ihr seht, ist es ganz schön aufwendig Lebensmittelmotten wieder loszuwerden. Deshalb solltet Ihr lieber im Vorfeld besonders gut aufpassen. Das spart Euch einige Scherereien im Nachinein.



Papageienexpertin Ann Castro hilft Euch bei allen Fragen rund um Eure gefiederten Haustiere. Ihre Homepage, ann's world, ist mit Wissensseite, Forum und Shop die Rundum-Resource für glückliche und gesunde Papageien, Sittiche und andere Vögel. Ann Castro ist Verfasserin mehrerer Bücher über Papageien und war in zahlreichen Fersehsendungen zu Gast.

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1 Kommentar zum Beitrag
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Gaby Floer aus Garbsen am 31.08.2010 um 20:34 Uhr  
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