Ernährung | Rotes Palmöl für Papageien

Hahns Zwergara genießt rotes Palmöl vom Löffel. (Foto: Lena Schenk)
 
Rotes Palmöl. (Foto: Lena Schenk)

Rotes Palmöl ist bei unseren gefiederten Lieblingen der Renner. Warum eigentlich? Klar, es schmeckt vielen Papageien ganz ausgezeichnet, und es gibt Freilandbeobachtungen, dass die Früchte der Ölpalme durchaus auf dem Speiseplan wilder Papageien stehen. Aber wieso ist es sinnvoll, unseren gefiederten Mitbewohnern rotes Palmöl zu füttern?

Vitamin-A-Versorger – Rotes Palmöl

Viele Papageien leiden unter Vitamin-A-Mangel. Er ist für etliche Krankheiten mitverantwortlich, wie z.B. Aspergillose, Leber- und Hautprobleme. Es gibt sogar auf Vögel spezialisierte Tierärzte, die grundsätzlich davon ausgehen, dass Papageien, die als Haustiere gehalten werden, so gut wie immer unter Vitamin-A-Mangel leiden.
Zum Vergleich: Für Menschen werden ca. 2400 – 5000 IE Vitamin A pro Tag empfohlen, für Papageien jedoch 2000 – 4000 IE pro kg Körpergewicht, also pro kg Papagei ungefähr so viel, wie für den ganzen Menschen! Der Vitamin-A-Bedarf von Papageien ist also um ein Vielfaches höher als der von Menschen. Darüber hinaus sind die besten Quellen von Vitamin A Milch, Fisch und Leber, die manchen Menschen zwar ausgezeichnet schmecken, aber wirklich nicht auf den Speiseplan unserer Papageien gehören.


Warum kein Vitaminpulver?

Das Einfachste, so sollte man meinen, wäre ein wenig Vitamin-A-Pulver über das Futter zu geben. Das ist leider ein Trugschluss, denn die Gabe von synthetischem Vitamin A birgt erhebliche Risiken: Vitamin A ist ein fettlösliches Vitamin. Das bedeutet, dass überschüssiges Vitamin A nicht so leicht vom Körper ausgeschieden werden kann wie wasserlösliche Vitamine. Das kann zu Vitaminvergiftungen führen, die sehr gefährlich sein können. Das wirklich Gemeine ist, dass eine Vitamin-A-Vergiftung ähnliche Symptome hat wie Vitamin-A-Mangel. Dies erhöht natürlich die Gefahr einer Vitamin-A-Vergiftung zusätzlich. Ganz besonders gefährdet sind Papageien, die Vitamin A als Dauer gabe benötigen. Was also tun?


Betakarotin

Zuhilfe kommt das Betakarotin, eine Vorstufe des Vitamin A, das vom Körper nach Bedarf in Vitamin A umgewandelt wird. Dadurch ist es fast unmöglich durch Betakarotin eine Vitamin-A-Vergiftung hervorzurufen. Der nicht benötigte Rest des Betakarotins wird vom Körper einfach wieder ausgeschieden. Eine Überdosierung ist dadurch so gut wie ausgeschlossen. Also ist es besser Betakarotin anstelle von Vitamin A zu füttern. Ein Nachteil von Betakarotin ist, dass die Fähigkeit, es in Vitamin A umzuwandeln, von Tier zu Tier unterschiedlich ist und bei jungen und kranken Tieren beeinträchtigt sein kann. Es empfiehlt sich also, Betakarotin im Überfluss zu dosieren.
Wieso also rotes Palmöl?

Fast alle Papageien in der Heimtierhaltung benötigen, auch bei ausgewogener Ernährung, zusätzliches Vitamin A: Jungvögel aufgrund des höheren Bedarfs und der schlechteren Umwandlung; erwachsene Tiere, weil fast alle älteren Tiere nicht kerngesund sind sondern mit Aspergillose, Leber- und Hautproblemen (das sind die häufigsten) zu kämpfen haben. Hinzu kommt, dass ein kranker Körper eine schlechtere Umwandlungsfähigkeit als ein gesunder besitzt. Auch gibt es bei älteren Tieren oft längerfristige Defizite, die behoben werden müssen.
Aufgrund der unterschiedlichen Umwandlungsfähigkeit der Tiere sollte Betakarotin großzügig gegeben werden. Dies lässt sich mit rotem Palmöl besonders gut darstellen. Denn es enthält hohe Mengen – ungefähr fünfzehn mal so viel wie in Karotten – an Betakarotin. Es kann unseren Papageien, im Gegensatz zu synthetischem Vitamin A, nicht schaden und kann ihnen wirklich helfen. Und nicht zuletzt schmeckt ihnen das rote Palmöl gut, und was ist besser als ein Leckerbissen, der auch noch gesund ist?
Anwendung

Rotes Palmöl ist bei Zimmertemperatur fest. Es kann wie eine weiche Margarine auf einem Löffel gegeben oder auf ein Stückchen Zwieback oder Ähnliches gestrichen werden. Alternativ kann es im Behälter kurz in ein warmes Wasserbad (heißes Wasser aus dem Wasserhahn reicht völlig) gestellt und dann über das Futter gegossen und untergerührt werden. Besonders beliebt ist bei vielen Papageien rotes-Palmöl-Popcorn, das in der Mikrowelle oder in einer Pfanne auf dem Herd selbst zubereitet werden kann. Auch in warmen Speisen z.B. in Kartoffelpüree, fressen die meisten Papageien rotes Palmöl sehr gerne.


Wichtige Anmerkung

Bitte kauft rotes Palmöl nur aus kontrolliert biologischem Anbau. Schließlich wollt Ihr nicht für das Abholzen von Tropenwäldern zum Anbau von Palmölplantagen verantwortlich sein. (Mehr Infos bei Rettet den Regenwald e.V.)


Papageienexpertin Ann Castro hilft Euch bei allen Fragen rund um Eure gefiederten Haustiere. Ihre Homepage, ann's world, ist mit Wissensseite, Forum und Shop die Rundum-Resource für glückliche und gesunde Papageien, Sittiche und andere Vögel. Ann Castro ist Verfasserin mehrerer Bücher über Papageien und war in zahlreichen Fersehsendungen zu Gast.

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