Behandlung | Federkiele ziehen? - Ja oder Nein?

Ein Vogel muss fliegen können, um glücklich zu sein. (Foto: Lena Schenk)

Immer wieder wird die Frage gestellt, ob man bei einem gestutzten Papagei, die Federkiele ziehen lassen soll, um das Nachwachsen der Federn zu beschleunigen. Nachfolgender Erfahrungsbericht hilft vielleicht bei der Entscheidungsfindung.

Etliche der von mir übernommenen Papageien waren bei der Übergabe mehr oder minder extrem gestutzt. Einige davon sogar einseitig. Da es gut eineinhalb bis zwei Jahre dauern kann, bevor die betroffenen Federn komplett durchgemausert sind, habe ich auf Anraten meiner damaligen TA bei einer einseitig gestutzten Grauen die Federkiele ziehen lassen. Dies geschah natürlich unter Narkose, da Kiele ziehen ungefähr so schmerzhaft wie Fingernägel ziehen ist. Nur im Notfall, wenn akute Verblutungsgefahr besteht, sollte man dies ohne Narkose durchführen. Die Erfahrungen, die ich, bzw. der Vogel, dabei machte, waren allerdings so schlecht, dass ich es auf keinen Fall empfehlen, oder wieder machen, würde.

Normalerweise, wenn der Vogel mausert, fallen nicht alle Federn auf einmal, sondern nach und nach aus. Dadurch werden die nachwachsenden Federn von den noch vorhandenen alten Federn, auch wenn diese gestutzt sind, geschützt. Zieht man aber die Kiele, sind die nachwachsenden Federn völlig ungeschützt. Das kann dazu führen, dass diese immer wieder abbrechen, mit der dazugehörigen Blutungsgefahr. Zusätzlich hat das Tier ohne Federn überhaupt keinen Auftrieb mehr, was mit einer erheblichen Verletzungsgefahr verbunden ist. Durch das Ziehen der Kiele können ausserdem die Folikel so geschädigt werden, dass Federn nicht mehr oder nur noch verkrüppelt nachwachsen.
Bei meiner Kleinen hat es aus den oben genannten Gründen nach dem Ziehen der Kiele zwei Jahre gedauert, bis die Federn so weit nachwuchsen, dass sie zumindest ein bisschen fliegen konnte. Schwierigkeiten hat sie, jetzt, nach drei Jahren, noch immer, da wohl einiges beschädigt wurde. Die letzten Monate, bevor sie wieder ein bisschen fliegen konnte, hat sie in einem ganz flachen Nagetierkäfig verbracht, um die Verletzungsgefahr zu reduzieren, da sie sich zum einen nachwachsende Federn immer wieder abbrach und sich auch mehrfach die Brust blutig aufschlug. Es war ein ganz großes Elend, das auch nicht spurlos an ihrer Persönlichkeit vorbeigegangen ist. Sie ist noch immer sehr ängstlich und unsicher. Ich würde es nicht noch einmal machen!
Zur gleichen Zeit übernahm ich eine weitere Graupapageienhenne, der ebenfalls auf der einen Seite die Federn gekürzt worden waren. So konnten sich die beiden in dem Nagetierkäfig Gesellschaft leisten. Bei diesem zweiten Tier, liess ich die Kiele nicht ziehen. Sie konnte fast zwei Monate vor der anderen wieder fliegen und ist jetzt völlig wiederhergestellt. In Summe, das Tier musste weder einer potentiell gefährlichen Narkose ausgesetzt noch einer schmerzhaften Prozedur unterzogen werden, es wurde nichts beschädigt und sie konnte eher wieder fliegen als das Tier, dem die Kiele gezogen wurden.

All dies spricht stark dafür keine Kiele ziehen zu lassen.


Papageienexpertin Ann Castro hilft Euch bei allen Fragen rund um Eure gefiederten Haustiere. Ihre Homepage, ann's world, ist mit Wissensseite, Forum und Shop die Rundum-Resource für glückliche und gesunde Papageien, Sittiche und andere Vögel. Ann Castro ist Verfasserin mehrerer Bücher über Papageien und war in zahlreichen Fersehsendungen zu Gast.

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2 Kommentare zum Beitrag
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Ute Kohler aus Fürstenfeldbruck am 05.03.2011 um 19:14 Uhr  
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Uwe Krobisch aus Uetze am 05.03.2011 um 19:49 Uhr  
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