Lymington-Foundation

Junger Hyazinthara.
 
1
Goldsittiche.
 
Voliere mit Hyazintharas.
 
1
Lear-Aras sammeln sich, um über die Maisernte herzufallen.
 
Linda und Bill Wittkoff.

Die Lymington Foundation von Linda und Bill Wittkoff bemüht sich um den Artenschutz in Brasilien. Insbesondere die blauen Aras liegen Linda und Bill am Herzen, aber auch andere bedrohte Arten, wie z.B. der Harpy-Eagle. In ihrem Artikel stellen sie sich und ihre Arbeit vor.


Wie alles anfing

Wir haben uns im letzten Jahrhundert in Papageien verliebt, als wir Weihnachten 1998 ein Pärchen Amazonen geschenkt bekamen. Kurz darauf spielte uns das Schicksal noch ein Paar Gelbbrustaras zu. Diese wurden schnell produktiv, nachdem wir sie in ein eigenes „Appartement“ einziehen ließen. Insgesamt sechzehn Junge haben sie nacheinander bekommen. Diese Aktivitäten führten dazu, dass wir uns eine Zuchtgenehmigung vom Umweltministerium (IBAMA) holten.

Unser erster Hyazinthara

Eines Tages fuhren wir in der Nähe unserer Farm durch den “Atlantic Forest”, um uns ein Grundstück anzuschauen, als wir einen Hyazinthara frei fliegen sahen. Dies ist ein Ding der Unmöglichkeit, da es in unserer Region, dem Mata Atlântica, überhaupt keine wilden Hyazinth-Aras gibt. Wir sind ihm „nach Hause“ gefolgt und fanden heraus, dass sein Halter seine Farm verkaufte. Da er den Vogel nicht weiter halten konnte, haben wir ihn aufgenommen. Zu dem Zeitpunkt kannten wir sein Geschlecht nicht, und das Tier war ein gewilderter Vogel. Im Nachhinein stellte sich dann heraus, dass es ein Weibchen in exzellenter Verfassung war. Daraufhin stellte uns der Zoo von Sao Paulo ein Männchen als Partner zur Verfügung, und auch dieses Pärchen begann zu brüten. Durch eine weitere Zufallsbegegnung erhielten wir außerdem noch drei Goldsittiche. Auch diese Tiere sind unmittelbar vom Aussterben bedroht. Wir fingen an, sie zu züchten, und haben bis zum jetzigen Zeitpunkt mehr als fünfzig Tiere nachziehen können.

Artenschutz

Während dieser ganzen Zeit lernten wir mehr und mehr über diese wundervollen und hochintelligenten Vögel und deren schrecklichen Probleme aufgrund von illegalem Handel und der Zerstörung ihrer Lebensräume. Dies führte dazu, dass wir uns dafür entschieden, etwas zu tun, um der Umwelt und den Vögeln zu helfen. Als erstes etablierten wir eine solide rechtliche Grundlage – eine Stiftung –, um es uns zu ermöglichen, mit Zoos und anderen Regierungsorganisationen zusammenzuarbeiten.

Die Stiftung

Die Lymington Foundation (Stiftung) wurde am 4. November 2004 gegründet. Der Sitz der Stiftung mit einem 60 Hektar großen Grundstück liegt in der Mata Atlântica nur ca. 70 km von Sao Paulo entfernt – im besten Teil der verbliebenen 7 Prozent Primärwald. Das Klima und das Umfeld dieser Lage ist perfekt, um diese Vögel nachzuziehen, sodass die Stiftung Anerkennung seitens IBAMA/ICMBio (Institut Chico Mendes für die Erhaltung der Biodiversifizität der brasilianischen Regierung) fand als eine gute Örtlichkeit für bedrohte Tierarten.

Lear-Aras und die Maisernte

2006 reisten wir mit einigen Mitgliedern des Internationalen Kommitees für die Erhaltung von Lear- und Spix-Aras zum Inneren des Bahia States sowie der Serra Branca- und Canudo-Lagen der Sandsteinklippen, in denen die Lear-Aras brüten. Diese Sandsteinklippen sind eines von vielen geologischen Wundern Brasiliens. Es ist atemberaubend, sich in diesem spektakulären prähistorischen Areal vor der ersten Dämmerung oder beim letzten Abendlicht aufzuhalten und die Rufe der Lear-Aras zu hören, die sich im Ab- oder Anflug bei ihrer Futtersuche befinden.
Wir erfuhren, dass aufgrund der Zerstörung ihrer traditonellen Nahrungspflanze, der Licuri Palme, die Lear-Aras einen Geschmack für die Maisernte der Subsistenz-Bauern der Region entwickelt haben und diese in der Region zerstören.

Das Maisersatzprojekt

2007 wurde in Partnerschaft mit Parrots International und der Lymington Foundation und zusammen mit CEMAVE (under ICMBIO) ein Projekt etabliert, das die Verluste der Bauern zuzüglich eines kleinen Gewinns in der Form von Futtermais an die Bauern bezahlt. Dies soll Vergeltungsaktionen der Bauern gegen die Lear-Aras, die ihre Felder vernichten, minimieren. Andere Institutionen, wie z.B. ECO, schlossen sich unserer Initiative an. In den drei Jahren seit Gründung unserer Initiative konnten – zusammen mit verstärktem Vorgehen gegen illegalen Handel und einer geänderten Einstellung der Bevölkerung bezüglich der Lear-Ara-Erhaltungsprojekte – die Verluste der Lear-Ara-Population gestoppt werden. Im Gegenteil, eine kürzliche Untersuchung zeigte sogar eine Population von 950 Vögeln im Vergleich zu 700 vor weniger als zehn Jahren. Dies ist ein bemerkenswerter Erfolg insbesondere in Hinblick auf die enttäuschenden Nachrichten aus den meisten anderen Arterhaltungsprogrammen für Vögel und Säugetiere.

Spix-Ara

Nach dem Besuch bei den Lear-Aras fuhr die Gruppe weiter zur ländlichen Stadt Curaça, die am San Francisco Fluss liegt und historisches Verbreitungsgebiet der Spix-Aras war. Jahrzehntelang lebte und brütete der Spix-Ara in den Bäumen entlang des Melancia-Flusses und seinen Nebenflüssen, bis durch Jagd und Habitat-Zerstörung der letzte Vogel im Jahr 2002 verschwand.
Durch jahrzehntelange Ausbeutung ist diese Region sehr trocken und heiss mit sandiger Erde. Die meisten üppigen Pflanzen und zum Nisten geeigneten Bäume überleben entlang der Flüsse, von denen viele aber auch nur während der Regenzeit Wasser führen.

Spix-Ara-Schule

In der Nähe des Flusses befand sich eine Landschule, die von der Stadt nicht ausreichend unterstützt wurde. Die aus Lehmziegeln gebaute Schule war völlig unzureichend für den Unterricht der 20 jungen Schüler im Alter von 6 bis 16 Jahren.
Parrots International und Lymington sahen Bedarf für wenigstens einen kleinen Zuschuss für Lernmittel, um die Finanzierung durch die Stadt zu verbessern. Als die Schule durch fehlende Zuschüsse der Stadt von der Schließung bedroht war, erhöhten internationale Spender die Zuschüsse von Parrots International und der Lymington Foundation. Dadurch konnte die Schule finanziert und eine Abendschule eingerichtet werden, in der Erwachsene Lesen und Schreiben lernen können. Es fehlte an Unterrichtsmitteln und Möbeln. Vom Staat waren diese nicht erhältlich. Sie mussten in Sao Paulo gekauft und nach Curaça gebracht werden, ein logistischer Albtraum. Kurz darauf war es durch Gelder von Parrots International und dem Vogelpark Walsrode in Deutschland möglich, die Schule komplett zu renovieren. Die Klassen wurden verdoppelt, eine Küche, Sanitäranlagen im Gebäude und eine durch Solarzellen betriebene Beleuchtung eingebaut.

Gongora-Farm

Zur gleichen Zeit kauften Parrots International und die Lymington Foundation zusammen mit dem Verein zur Erhaltung bedrohter Papageien e.V. (ACTP) 400 Hektar der Gongora-Farm am Melancia-Fluss, die als Mittelpunkt für Zucht und Auswilderung des seit 2002 in der Wildnis ausgestorbenen Spix-Ara genutzt werden könnte. Dabei war uns klar, dass der Erfolg einer solchen Aktion maßgeblich von der Unterstützung der lokalen Bevölkerung abhängt.

Spix-Ara: Symbol der Stadt Curaça

Enormes Wohlwollen entstand durch lokale Projekte, angeführt von Yara Barros, früher beim ICMBio und Kommiteeleiterin, die wahrscheinlich beste Landschule dieser Region des Bahia Staates. Das machte den Spix-Ara zum Symbol der Stadt Curaça und zum Emblem des Stolzes auf die Schutzmaßnahmen und Bekämpfung des illegalen Handels mit dem Ziel, den Spix-Ara wieder in seiner ursprünglichen Heimat auszuwildern. Das ist ein wirklich internationales Projekt, um diesen wichtigen Vogel nach Brasilien zurückzubringen.

Al Wabra Wildlife Preservation

Im Jahr 2008 hat eine brasilianische Firma, gegründet von Sheikh Saoud al Thani, Besitzer der AWWP Al Wabra Wildlife Preservation in Quatar und der Mehrzahl der in Gefangenschaft verbleibenden Spix-Aras, ein großes Grundstück am Melancia Fluss neben der Gongora-Farm gekauft. Restaurierung, Konservierung und eventueller Freilassungsort sind die Ziele dieses Kaufes. Die lokale Verwaltung wurde von Lymington übernommen.

Weitere Projekte

Die Lymington-Foundation ist auch aktiv in andere Artenschutzprojekte involviert. Hier ist ein kleiner Überblick:

Harpyies

Durch die Bemühungen des Tierarztes der Stiftung und den für die Vögel verantwortlichen Techniker kam im Februar 2007 ein neu gelegtes Harpyie-Ei bei uns an. Man wollte sehen, ob es ausgebrütet werden und ein Küken schlüpfen könnte. Zu der Zeit gab es weltweit weniger als sechzig in der Gefangenschaft aufgezogene Harpyies. Die ursprüngliche Heimat der Harpyies, dem größten Greifvogel auf der südlichen Welthalbkugel, erstreckte sich von Südmexiko bis Nordargentinien. Jetzt gibt es sie nur noch von Panama bis zum südlichen Amazonas, und sie sind eindeutig bedroht. Jedes Paar kann während seiner Lebenszeit nur 2 bis 3 Junge aufziehen, weil ein Paar 2 bis 3 Jahre braucht, um einen Jungvogel erfolgreich aufzuziehen. Dazu brauchen sie 115 Quadratmeilen Regenwald, um genug Beutetiere für die Ernährung der Jungvögel fangen zu können.
Dieser Vogel, eine Henne, schlüpfte Ostermontag und wurde deshalb Bunny genannt. Sie wächst und gedeiht jetzt auf einer großen Farm im Inneren des Bundesstaates Sao Paulo, wo ihre Eltern zu Hause sind. 2008 wurde ein weiteres Ei gelegt, das erfolgreich schlüpfte. Diesmal erblickte ein Hahn namens “Filipe” das Licht der Welt. Dieses Jahr kam ein weiteres beschädigtes Ei zum Ausbrüten an. Linda reparierte die beschädigte Schale mit Micropore Vliespflaster und Klebstoff, und Henne Honey schlüpfte. Sie ist das beste Exemplar, das Linda produzierte. Sie führt das auf das richtige Eigewicht, Eigewichtsverlust-Management und besseres Know-how während der Inkubationszeit zurück.

Goldsittiche

Die Lymington-Foundation führt ein gemeinsames Forschungsprojekt mit der Universität von Sao Paulo in Bezug auf Goldsittiche durch. Goldsittiche sind durch illegalen Handel und Zerstörung ihrer Lebensräume akut vom Aussterben bedroht. Aufgrund ihrer erfolreichen Zuchterfahrung, bemüht sich die Lymington-Foundation verstärkt um sie. Wir haben einen gesunden Schwarm und sind in der Nähe der Universität. Deshalb nimmt Lymington an einem Projekt der Pathologieabteilung der Universität Sao Paulo teil, um Parameter in Bezug auf Hämatologie, Mikrobiologie und Parasitologie zu ermitteln. Dr. Juliana Sinhorini entnimmt als Tierärztin die Proben und führt das Projekt mit mehreren Doktoranden unter Aufsicht des Fachleiters durch.

Die Lymington-Foundation besitzt einen atlantischen Regenwald (Mata Atlantica) in 700 Metern Höhe (2100 Fuß) nur 70 km (44 Meilen) von Sao Paulo entfernt. Dieses Gebiet auf dem Wendekreis des Krebses ist eines der artenreichsten Ökosysteme der Erde, in dem fast 300 Arten von Vögeln leben – viele von uns fotografiert – und die größte Verbreitung von Bromelienarten in einem Regenwald in der südlichen Hemisphere. Einige davon kommen nur hier vor.
Durch diesen Artenreichtum und die Nähe zum weltbekannten Butanta Institut in Sao Paulo wurde Lymington zum Ort für Feldforschungen in einigen Bereichen, insbesondere Reptilien, Spinnen und Amphibien.

Zusammenfassung

Die Lymington-Foundation hat ein vielschichtiges Interesse am Umweltschutz und außerdem hervorragende Zuchtkenntnisse bezüglich bestimmter Arten bedrohter Papageien.
Sie hat auch einzigartige Merkmale, die das Management der Konservierungsbemühungen ermöglichen. Dazu gehören gute Kommunikationsfähigkeit, Kenntnisse der brasilianischen Kultur und Landesverwaltung, umfangreiche Sprachkenntnisse für Personal und Organisationen im Land und nicht zuletzt unsere unveränderte Umwelt des atlantischen Regenwaldes nur 70 km von Sao Paulo entfernt, in dem, verglichen mit Lateinamerika allgemein, die Infrastruktur hervorragend ist. Nach 50 Jahren hier können wir zuversichtlich sagen, dass keine andere Stadt oder Region in Brasilien auch nur annähernd bieten kann, was Sao Paulo aufweist.

Autoren: Linda & Bill Wittkoff
Juquitiba, Brasil
18 October, 2009



Spenden
Die Lymington-Foundation freut sich über Spenden für den Maiskauf und andere Projekte. Überweisungen, bitte mit Angabe der Lymington-Foundation als Verwendungszweck, an die AdlA Papageienhilfe gGmbH. Wir leiten sie regelmäßig gebündelt weiter, um die enorm hohen Banktransferkosten nach Brasilien zu minimieren. (Spendenkonto 320 382, Taunussparkasse Hoechst, BLZ 512 500 00)



Papageienexpertin Ann Castro hilft Euch bei allen Fragen rund um Eure gefiederten Haustiere. Ihre Homepage, ann's world, ist mit Wissensseite, Forum und Shop die Rundum-Resource für glückliche und gesunde Papageien, Sittiche und andere Vögel. Ann Castro ist Verfasserin mehrerer Bücher über Papageien und war in zahlreichen Fersehsendungen zu Gast.

2 Klicks für mehr Datenschutz: Erst wenn Sie hier klicken, wird der Button aktiv und Sie können dann mit einem zweiten Klick Ihre Empfehlung an Facebook senden.
Mit dem Aktivieren des Buttons erlauben Sie einen begrenzten Datenaustausch mit Facebook. Mehr dazu rechts unter .
2 Klicks für mehr Datenschutz: Erst wenn Sie hier klicken, wird der Button aktiv und Sie können dann mit einem zweiten Klick Ihre Empfehlung an Twitter senden.
Mit dem Aktivieren des Buttons erlauben Sie einen begrenzten Datenaustausch mit Twitter. Mehr dazu rechts unter .
2 Klicks für mehr Datenschutz: Erst wenn Sie hier klicken, wird der Button aktiv und Sie können dann mit einem zweiten Klick Ihre Empfehlung an Google+ senden.
Mit dem Aktivieren des Buttons erlauben Sie einen begrenzten Datenaustausch mit Google+. Mehr dazu rechts unter .
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen Webseiten Senden
Lesen Sie auch die Bildkommentare zum Beitrag
2 Kommentare zum Beitrag
22.727
Ingeborg Behne aus Barsinghausen am 15.09.2010 um 23:45 Uhr  
38.511
Gaby Floer aus Garbsen am 16.09.2010 um 01:21 Uhr  
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.

Ähnliche Beiträge Übereinstimmende Themen:

Kastenkontrolle beim Steinkauz Der NABU Fronhausen begleitete am Freitagabend eine Kastenkontrolle zu den Steinkäuzen unter Leitung von Wiederansiedler Michael Bodenbender. Es...
Mai-Wolkenspiegelung! Wer findet die Wolken!