Wie das Fußballspiel wirklich erfunden wurde

  Mein Beitrag für den TSV Rauschenberg in der Sonderausgabe der Rauschenberger Nachrichten.

Wie das Fußballspiel wirklich erfunden wurde

Wir befinden uns im Sommer des Jahres 1266. Graf Gottfried von Ziegenhain, der Fünfte seines Namens, hat es schwer. Sein Land ist ein begehrenswerter Happen für die Mächtigen rundum. Zumal es in Nordsüdrichtung die Landgrafschaft Hessen teilt und die östlichen Ländereien des Erzstiftes Mainz vom Stammgebiet abtrennt. Dann hatte zu allem Überfluss Kaiser Friedrich II. 1220 die Abtei Fulda zu Fürstabtei erhoben und damit dem Fürstabt weltliche Macht verliehen. Mit dem resoluten Fürstabt Bertho II. war Gottfried V. in eine Fehde geraten, aus der er dann auch noch als Verlierer hervorgegangen war. Lauterbach hatte Fürstabt Bertho beigestanden und war von diesem am 16. März 1266 zur Stadt erhoben worden.
Immerhin hatte Graf Gottfried jetzt auch eine Stadt von seinen Gnaden. Wenn auch aus einem traurigen Anlass. Rauschenberg war am 8. Mai dieses Jahres abgebrannt und brauchte dringend Hilfe durch die Vergünstigungen seines Stadtrechtes, das er am 25. Mai 1266 verliehen hatte.
Diese Erhebung in den neuen Stand einer Stadt sollte nun gebührend gefeiert werden. Da musste er den Fürstabt mit seinem Lauterbach aber übertreffen. Noch besser wäre so etwas wie ein Sieg für ihn nach der verlorenen Auseinandersetzung. Vielleicht ein friedlicher Wettkampf? Ja, das was es – es sollte ein sportlicher Wettkampf zwischen den beiden neuen Städten sein.
Graf Gottfried beauftragte seine treuen Burgmannen Conrad Yde und Volkbert Schwerzel damit, seine Idee umzusetzen.
Zu dieser Zeit hatten einige Jugendliche Freude an einem neuen Spiel gefunden. Auf einer Wiese traten sie in zwei Mannschaften gegeneinander an und versuchten, eine Kugel aus Stofflappen nur mit den Füßen durch die gegnerische Hälfte zu treiben und ihn dann in ein aufgestelltes Viereck aus Holzlatten zu schießen.
Yde und Schwerzel erkannten, dass dies genau das Richtige für den geplanten Sportwettkampf sei. Man schickte einen Boten mit der Einladung und der Spielbeschreibung direkt an den Fürstabt in Fulda. Natürlich beauftragte der sofort die Stadt Lauterbach mit deren Vorbereitungen, denn er hoffte, nach seinem politischen Sieg über Gottfried diesen auch sportlich in seine Schranken verweisen zu können. Natürlich würde Bertho auch als Ehrengast auf der Tribüne sitzen.

Gottfried war das Ereignis ein paar Taler wert und so experimentierte man mit einer Schweinsblase, um den Lappenklumpen zu ersetzen. Der Apothecarius der Stadt kümmerte sich nicht nur um seine Heilkräuter und Salben, er hatte auch ein gut ausgestattetes Alchemistenlabor. Dort gelang es ihm, aus dem weißen Saft in den Stängeln der Kuhblume eine zähe und elastische Masse zu gewinnen. Damit wurde die mit Luft prall gefüllte Schweinsblase bestrichen. Das war ein ganz neues Spielgefühl, wenn man die Kugel durch genügend Saftmasse schwer genug machte. Der Festtag konnte kommen.

Das war ein Trubel. In der Nähe von Cytrichusea gab es ein genügend großes, baumfreies Stück Land auf der städtischen Hutefläche, dort hatte man eine Tribüne aufgebaut und das Spielfeld eingerichtet. Alles war festlich geschmückt. Aus nah und fern war man wegen dieses Spektakels herbeigeeilt, ganz zum Schluss nahmen Gottfried und Bertho Platz. Unter tosendem Applaus liefen die 22 Spieler auf das Feld. Jede Mannschaft hatte sich mit den Farben ihrer Stadt gekennzeichnet. Die Rauschenberger trugen ein gelb-schwarzes Band am Arm, die Lauterbacher ein blau-rotes.
Dann warf der von allen als Schiedsmann anerkannte Conrad Yde die Schweinsblase in die Luft – das Spiel begann.... und sollte nicht lange dauern. Der beste Rauschenberger Balltreter, ein gewisser Dodi Klinghof, dem ein mitspielender Lateinschüler aufgrund der Schnelligkeit und Wendigkeit den Namen Turbido gegeben hatte, wollte es besonders gut machen. Deshalb hatte er sich vom Nagelschmied wegen der besseren Standfestigkeit kurze Nägel unter seine Schuhsohlen schlagen lassen. Dodi „Turbido“ hatte sich sofort den Ball erkämpft, stoppte ihn mit seiner Sohle ab... und aus war es. Den Knall konnte wegen des Lärms niemand hören, aber die leere, schlaffe weiße Hülle lag für alle deutlich sichtbar da.

Da war das Spiel aus, denn plötzlich hatte niemand mehr Lust, es jetzt mit einem Stoffklumpenball fortzusetzen. Die beiden Landesherren waren froh, dass man nun vermeiden konnte, womöglich als Verlierer vom Platz zu gehen und die Spieler waren froh, dass sie sich im Falle ihrer Niederlage nicht den Zorn der Obrigkeit einhandelten. Und ausgiebig mit dem Bier nach dem neuen städtischen Braurecht feiern, das konnte man auch so.

Gottfried, Graf von Ziegenhain und Bertho, Fürstabt von Fulda taten alles, damit sich von diesem fehlgeschlagenen Ereignis nur keine Kunde verbreitete. Man wollte jetzt und für die Nachwelt nicht zum Gespött werden. So wurde etwas über das große Stadtrechtefest mit Fußball-Wettkampf erst gar nicht aufgeschrieben und was die Bevölkerung damals nur hinter der vorgehaltenen Hand belustigte, war schnell vergessen.

Leider aber auch die Tatsache, dass man das Fußballspiel anno 1266 in Rauschenberg erfunden hat und eigentlich die Geschichtsbücher neu schreiben müsste.


Hansheinrich Hamel für den TSV 1890 Rauschenberg e.V.

Die Insider wissen, welchen herausragenden Rauschenberger Fußball ich damit der Nachwelt erhalten habe.
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