"Mir hu gehot, ihr hot geschlocht...." Schlachttag im Dorf
Selten werden heute noch Hausschlachtungen in unseren Dörfern durchgeführt. Der winterliche Schlachttag gehörte bis in die 70er Jahre in fast jeden Haushalt. Trotz vieler Arbeit war es ein kleiner Festtag. Viele fleißige Hände wurden gebraucht, um den Kessel anzuheizen, Brühtrog und Holztisch herbeizutragen und Geschirr bereitzustellen, bevor der örtliche Hausmetzger kam.
Gegen die Kälte gab es erst einen Schnaps zum Aufwärmen.
Mit einer Bolzenwaffe, früher sogar mit Axtschlägen, wurde das Schwein getötet und gleich abgestochen. Es konnte manchmal auch passieren, dass die scheinbar tote Sau nochmal aufsprang und für viel Hektik sorgte. Das Blut für die Blutwurst wurde abgefangen und solange gerührt, bis es dick wurde und gerann.
Mit heißem Wasser wurde das Schwein übergossen und mit speziellen Schellen die Haare entfernt. An den Sehnen der Hinterbeine wurde es, mit dem Kopf nach unten, aufgehängt. Die Vorderseite schnitt man auf und entnahm die Därme und sonstigen Innereien. Die gesäuberten Därme legte man für die weitere Verwendung in einen Eimer.
Nachdem die Sau mit einem Hackbeil in zwei Teile gespalten war, kam der Fleischbeschauer. Dessen Aufgabe war es, das Fleisch nach Trichinen zu untersuchen. Trichinen sind Fadenwürmer, die bei den Menschen Krankheiten auslösen konnten, die oft tödlich endeten. War alles in Ordnung, stempelte er die beiden Fleischseiten und gab sie zur weiteren Bearbeitung frei. Dies war Anlass genug, wieder einen Branntwein oder Schnaps zu trinken.
Aufgabe der Hausfrau war es nunmehr, festzulegen, ob es mehr Braten, Schinken, Speck oder Wellfleisch geben sollte. Wenn alles im Kessel lag und die gewürzte Wurst durch den Fleischwolf gedreht worden war, kam nach einem langen Arbeitstag der gemüliche Teil.
Die Kinder mussten die "Worschtsopp" mit frischen Würstchen und Wellfleisch in der Nachbarschaft und im Verwandtenkreis austragen.
Doch noch nicht genug, am Abend kam die Jugend des Dorfes, um als"Worschtmännchen" verkleidet eine große Wurst nach Aufsagen des Spruches: " Mir hu gehot, ihr hot geschlocht, en so schiene Worscht gemocht" zu fordern. Selbstverständlich bekamen sie ihre Wurst.
Oft konnte der Hausherr nur noch feststellen, dass das halbe Schwein bereits am Abend draufgegangen war.
Weiterveröffentlichungen:
Ja, so ähnlich war das bei uns auch früher, nur da wurden die Fleischteile, die für die "rote Wurst" bestimmt waren durch den Fleischwolf gedreht und anschließend kamen die Gewürze, abgewogen, drunter, Salz, Pfeffer u.s.w. und auch etwas Cognac. Dann musste die ganze Masse tüchtig gemengt werden, bis eine gewisse Bindung entstand, das konnte dann schon eine anstrengende Arbeit sein. Anschließen kam dann das "Gehackte" in die "Wurst-Stopfmaschine".
Alles in Allem war als Tag der fettigen Türklinke bekannt, :-)
Wir haben früher auch zu Haus geschlachtet. An das Schweineschwänzchen kam eine Sicherheitsnadel, und dann wurde das Schwänzchen heimlich an der Kleidung der Helfer festgemacht. Für uns Kinder ein Spaß. Am Wursttag haben wir dann Brühe und eine kleine Leberwurst zu den Nachbarn gebracht als Kostprobe.Manchmal bekamen wir 20Pfennig .
Tolle Erinnerung
Tolle Geschichte! Sehr interessant - besonders für uns Stadtkinder ;) - und gut geschrieben!
Schlachttage habe eigentlich nur in unangenehmer Erinnerung. Das Abmurksen, die Gedärme, der Geruch, mir wurde immer speiübel dabei. Abends beim Schlachtessen war alles wieder vergessen, und die frische Bratwurst war ein Hochgenuss.
Eine schöne Erinnerung ausgezeichnet rübergebracht
Der Beitrag von Bürgerreporter Peter Gnau, hat Erinnerungen aus meiner Jugendzeit (Jahrg. 1927) geweckt.
Meine Mutter und ich wurden während der Kriegszeit und auch vorher jedes Jahr zur Schlachtzeit im Winter von Verwandten zum Schlachtfest eingeladen.
Bolzenschussgeräte (wenn es die damals gab) waren bei Hausschlachtungen nicht üblich. Ein Vorschlaghammer oder eine Axt dienten als Betäubungsgerät. Die Schlachtung erfolgte meist im Freien auf dem Hof, der von der Straße aus eingesehen werden konnte. – Heute würde man dafür sorgen, dass die Kinder von der eigentlichen Schlachtung nichts mitbekommen. Damals gehörte das zum Alltag und wir Kinder haben das auch so wahrgenommen. Ich konnte jedes Jahr auf dem Weg vom Bahnhof auf den Höfen beobachten, wie die Schweine geschlachtet und nach dem Abbrühen auf ein kleiderbügel- oder leiterähnliches Gerüst zum Bearbeiten aufgehängt wurden. – Es gab damals andere Erziehungsgrundsätze, als heute; insbesondere Jungen sollten zur Härte erzogen werden.
Wir kamen zum Schlachtfest nicht nur zum Essen, sondern haben nach Kräften mitgeholfen. Ich saß z. B. stundenlang am Waschkessel, in dem die Würste gekocht wurden, und habe mit einer Stricknadel in die im kochenden Wasser schwimmenden Würste gestochen.
Die Würste wurden von der Hitze aufgebläht und wären geplatzt, wenn die Luft nicht durch solche Öffnungen entweichen konnte. Ein Stich war da meist zu wenig.
Wir waren in den ersten Kriegsjahren zwar nicht am Verhungern, aber infolge der Kontingentierung durch Lebensmittelmarken waren die Lebensmittel – insbesondere Fleisch und Fett - knapp. Da wurde die Gelegenheit wahrgenommen, sich einmal richtig satt zu essen, wogegen der Magen bzw. der Darm auf diese ungewohnte Belastung hin entsprechend reagierte. Aber das wurde in Kauf genommen. – Trotzdem gehörte das Schlachtfest zu meinen schönen Jugenderinnerungen.
Schön, kurz und knapp beschrieben.
Wen das Schwein am Haken hängt, wird erst mal einer eingeschenkt. Siehe auch
http://www.myheimat.de/pattensen/hausschlachten-da...


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