"Im Herzen dieser Menschen ist viel Vergebung..."

    Kirchhain: Alfred-Wegener-Schule |

In der Aula der Alfred-Wegener-Schule in Kirchhain hat der Autor, Herr Dr. Mathias Schröder, am Freitag, d. 16.01.2015, aus seinem neuesten Buch "Stirbst du nicht, dann lebst du nicht" vorgelesen und mit einem Bildervortrag über seine Zeit als Arzt unter den Ärmsten der Armen berichtet.

Vortrag am Freitag, d. 16.01.2015

Die Stühle der Aula in der Alfred-Wegener-Schule waren schon alle mit ca. 300 Personen besetzt und nach wie vor betraten noch Schülerinnen und Schüler den Raum. Zusätzliche Bänke wurden herbeigeschafft, so dass jeder noch einen Sitzplatz fand. In seiner Begrüßung dankte Herr Matthias Bosse, Schulleiter, allen für ihr Kommen und stimmte auf die Lesung und den Vortrag von Herrn Dr. Mathias Schröder mit passenden Worten ein.
"Am 17. Oktober sind meine Frau und ich zum zweiten Mal in diesem Jahr in der feuchten Hitze Doualas gelandet. ..." so begann Herr Dr. Schröder seine Lesung aus den 'Kameruner Impressionen'. Den einzigartigen Erlebnisbericht trug er mit ruhiger Stimme vor und sorgte mit der Wortwahl und Betonung für eine kaum vorstellbare Stille und Ergriffenheit der jungen Zuhörerinnen und Zuhörer. So entstanden 'Bilder' der bitteren Armut der Menschen, der Krankheiten, der ärztlichen Arbeit aber auch der landschaftlichen Schönheit und Vielfalt Kameruns. Der Autor schilderte mit sehr eindringlichen Worten von der Rettung eines Ertrinkenden, aber abschließend auch von seiner Rückkehr nach Deutschland wegen einer unerwarteten Malariaerkrankung.
Im zweiten Teil des Vortrags von Herrn Dr. Schröder zeigte er Aufnahmen aus seiner Zeit als Missionsarzt in Kamerun. Schnell wurde hierbei deutlich, wie sehr er sich mit den Menschen, ihrer Kultur, ihren Religionen, ihrer Geschichte und ihrem Leben beschäftigt hat. Herr Dr. Schröder verstand es, aktuelle Themen in seinen Vortrag miteinzubeziehen. Derzeit ist das Wort 'Integration' zwar bei uns in aller Munde aber wie es wirklich gelebt werden kann, erlebte Herr Dr. Schröder in einem Gebiet Kameruns, das von Muslimen bewohnt wird.
"Die Menschen in Kamerun gehen mit offenem Herzen auf Weiße zu und zwar trotz der Geschichte der Sklaverei, die heute noch in den Köpfen der jungen Menschen vorhanden ist" sagte er. Weiter wusste Herr Dr. Schröder zu berichten: "Ich bin viel in meinem Leben gereist, aber nie war ich in einem Land, in dem Deutsche heute noch so willkommen sind - trotz der Kolonialgeschichte."
Mit dem Satz: "Im Herzen dieser Menschen ist viel Vergebung, was uns in Europa heute weitgehend fehlt" verabschiedete sich Herr Dr. Schröder von seinen jungen Zuhörerinnen und Zuhörern. Es folgte lang anhaltender Beifall als Dank für diesen besonderen Erlebnisbericht, in dem spürbar wurde, wie sehr ihn die Zeit in Kamerun beeindruckt hat.

Wie sagte eine Lehrerin: "Die Schülerinnen und Schüler sind ergriffen und auch beklommen von ihrem Bericht und müssen das Gehörte erst einmal verarbeiten." Dieser Einschätzung kann ich mich nur anschließen und glaube, dass diese beiden Unterrichtsstunden sicher noch lange nicht in Vergessenheit geraten bei den Schülerinnen und Schülern der 10. Klassen des Realschulzweiges und der 10. und 11. Klassen des Gymnasiums.

Vortrag am Samstag, d. 17.01.2015

Auf Einladung des Fachbereichs Sport und Kultur der Stadt Kirchhain war Herr Dr. Schröder am Samstag, d. 17.01.2015, zu einer Lesung im Jugend- und Kulturzentrum. Die Begegnung und positive Reaktion der Schülerinnen und Schüler der Alfred-Wegener-Schule am Vortag hatten Herrn Dr. Schröder dazu bewogen, sein Programm zu ändern. Nach der Begrüßung durch Herrn Bürgermeister Kirchner waren es zunächst einige Gedichte aus dem im November 2014 erschienenen Buch „Gegen den Strom“. In seinen vorgetragenen Gedichten, wie z. Bsp. ‚Zugvögel‘, ‚Ein Traum verblich‘ und ‚Die engste Pforte‘, spiegelt sich der Kampf des Menschen wieder, der nicht in der Masse mitschwimmt sondern ein Auge für den einzelnen Menschen hat. Sie sind Mitstreitern und Wegbegleitern gewidmet, die in besonderer Weise mit dem Autor verbunden sind. Die Gedichte beeindruckten die Anwesenden durch die knappe und eindringliche Wortwahl sowie die stimmliche Betonung durch Herrn Dr. Schröder.
Nach einem kurzen musikalischen Vortrag von Frau Kathrin Botthof las Herr Dr. Schröder auch an diesem Abend aus seinen „Kameruner Impressionen“ vor und zeigte anschließend etwa 60 Aufnahmen über das afrikanische Land, die Menschen und seine Arbeit als Missionsarzt. An diesem Abend zeigte sich, dass die kleine Programmänderung von Herrn Dr. Schröder sich gelohnt hatte. In dem bis auf den letzten Platz besetzten Raum im JuKuz der Stadt Kirchhain sparten die Zuhörer nicht mit ihrem Beifall nach dem letzten Foto und drückten so ihren Dank für einen ganz authentischen und ehrlichen Bericht aus. Den Abend fasste Herr Willibald Preis, Stadtverordnetenvorsteher, noch einmal mit seinen persönlichen Worten zusammen, dankte Herrn Dr. Schröder für seinen Vortrag und überreichte ihm einen Scheck für die Hilfsorganisation „ADAMS“, die von Deutschland aus die Arbeit in Kamerun unterstützt.

Der Autor, Dr. Mathias Schröder, las an beiden Tagen aus seine Werken:
„Stirbst du nicht, dann lebst Du nicht“ – erschienen im Jahr 2013 im Verlag edition Rester
„Gegen den Strom“ – Gedichtband erschienen im Jahr 2014 im Verlag edition Rester

Auf diesem Wege möchte ich mich persönlich bei Herrn Dr. Mathias Schröder und seiner Ehefrau recht herzlich für einen schönen Abend bedanken. Das gemeinsame Gespräch hat mich sehr beeindruckt und die Worte werden mich noch lange begleiten.

Der Autor Dr. Mathias Schröder wurde zwar 1941 in Kassel geboren, verlebte aber einen Großteil seiner Kindheit auf dem Gillhof in Kirchhain, da hier seine Großmutter wohnte und auch seine Eltern im Jahre 1931 heirateten. Schon als 13-jähriger begann er zu schreiben, studierte jedoch Medizin in Marburg, Paris und Homburg/Saar, wo er 1967 promovierte. Er war als Schiffsarzt, Allgemeinmediziner und zuletzt als Missionsarzt in Kamerun tätig. Mit den Jahren sind eine Reihe von Romanen, Erzählungen und Gedichtbänden entstanden, in denen er sich auch immer wieder mit der Welt der Mediziner beschäftigt und die Handlungen nach Kirchhain bzw. vor die Tore Marburgs verlegt:
- "Der Krähenbaum" (1976)
- "Linda" (1978)
- "Der Sturz des Seiltänzers" (1979)
- "Der Weg nach Lampedusa" (1995)
- "Sinai" (2000)
- "Marin" (2004 - in dieser Romantrilogie steht die Figur des Arztes Marin im Mittelpunkt des Geschehens und beschreibt sein Leben von 1943 bis zur Jahrtausendwende.)
- "Liebe" (2006 Gedichte)
- "Mein Afrika" (2008).

Für seine Arbeiten erhielt er 1977 den Förderpreis für Literatur des Landes Bayern sowie im Jahre 1980 den Literaturpreis der Stadt München. Eine besondere Anerkennung wurde Herrn Dr. Schröder am 26.01.2012 in Kirchhain, der Stadt seiner Kindheit, zuteil als man ihm die Ernennung „Bedeutender Kirchhainer“ überreichte. Sein Erstlingsroman "Der Krähenbaum" wurde Ende der 80er Jahre für das ZDF verfilmt und international ausgestrahlt.
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5 Kommentare
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Werner Szramka aus Lehrte | 22.01.2015 | 11:44  
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Karl-Heinz Töpfer aus Marburg | 22.01.2015 | 13:09  
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Hans-Rudolf König aus Marburg | 24.01.2015 | 15:23  
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Hans-Christoph Nahrgang aus Kirchhain | 24.01.2015 | 17:02  
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Hans-Rudolf König aus Marburg | 24.01.2015 | 17:09  
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