Ein Malheur auf dem Neujahrsmarkt

Neujahrsmarkt 2010

Schon in den 50er Jahren war es für viele Menschen ein Muss, dem Kirchhainer Neujahrsmarkt einen Besuch abzustatten.

Auch mich zog es als 12-Jährigen erstmals allein nach Kirchhain. Meine Mutter hatte mir ein paar Groschen zugesteckt, die ich unter die Leute bringen wollte. Ich war erstaunt, wie laut es auf dem Markt zuging. Nicht die Händler, die ihre Waren wie Mützen, Schals, Strümpfe, Töpfe, Muskatnuss oder Knoblauch anpriesen, waren mein Ziel. Dort sollten die älteren Frauen und Männer einkaufen. Mir hatte es der Gipsfigurenverkäufer mit seinen lauten "Gipsfigura-Rufen" angetan. Er war ein Marktschreier alter Sorte und musste über lederne Stimmbänder verfügen. In seinem schwäbischen Dialekt pausenlos quasselnd und schreiend, wickelte er seine wertvollen Figuren in einem Zeitungspapier ein. Für kleine Figuren wollte er 50 Pfennig haben. Wenn der Verkauf nicht klappte, warf er kleinere, wahrscheinlich schon beschädigte Teile in die Menge und bezeichnete die Zuschauer unflätig als Geizhälse. Vergeblich versuchte ich, eine solche Figur zu erhaschen, was mir aber nicht gelang. Da ich unbedingt meine 5 Groschen loswerden wollte, kaufte ich ihm ein kleines Gänsepaar ab. Stolz das Gänsepaar in der Hosentasche, ging ich in Richtung Heimat und glaubte, ein besonders gutes Geschäft gemacht zu haben. Als ich den "Schwarzen Pfad"- in Kirchhain als Kohlengässchen bekannt- am Wasserturm der Bahn erreicht hatte, geschah das Malheur. Auf einer kleinen Eisfläche rutschte ich aus, und obwohl ich meine Figur fest in der Hand hielt, brach sie beim Sturz in zwei Teile auseinander. Dabei stellte ich fest, dass diese Superfigura aus salzähnlichem Porzellan bestand, die sich zudem nicht mehr zusammenkleben ließ.

So zierten noch jahrelang "2 wertvolle Gänse" mein Bücherregal und erinnerten mich immer wieder an das Malheur am Neujahrsmarkttag 1956.

6
1
2
2 Klicks für mehr Datenschutz: Erst wenn Sie hier klicken, wird der Button aktiv und Sie können dann mit einem zweiten Klick Ihre Empfehlung an Facebook senden.
Mit dem Aktivieren des Buttons erlauben Sie einen begrenzten Datenaustausch mit Facebook. Mehr dazu rechts unter .
2 Klicks für mehr Datenschutz: Erst wenn Sie hier klicken, wird der Button aktiv und Sie können dann mit einem zweiten Klick Ihre Empfehlung an Twitter senden.
Mit dem Aktivieren des Buttons erlauben Sie einen begrenzten Datenaustausch mit Twitter. Mehr dazu rechts unter .
2 Klicks für mehr Datenschutz: Erst wenn Sie hier klicken, wird der Button aktiv und Sie können dann mit einem zweiten Klick Ihre Empfehlung an Google+ senden.
Mit dem Aktivieren des Buttons erlauben Sie einen begrenzten Datenaustausch mit Google+. Mehr dazu rechts unter .
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen Webseiten Senden
Lesen Sie auch die Bildkommentare zum Beitrag
2 Kommentare zum Beitrag
7.117
Erika Walther aus Augsburg am 30.12.2010 um 17:03 Uhr  
22.728
Ingeborg Behne aus Barsinghausen am 30.12.2010 um 23:39 Uhr  
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.

Ähnliche Beiträge Übereinstimmende Themen:

Ein Besuch in Marburgs Partnerstadt Sibiu... Wenn es um Rumänien geht, denken viele Menschen immer noch an Dracula, Armut, Kriminalität und an den Größenwahn des Diktators Caucsecu und dessen...
Von Mäusen, Silberfischchen und anderen... Zwar ist der Welttag des Buches (23.04.2012) für dieses Jahr schon vorbei, aber trotzdem dreht sich heute hier alles um das Thema 'Buch'. Wir...
Der Natur auf der Spur am Kirchhainer Erlensee Die Rundwanderung am Erlensee bietet stets Naherholung im Einklang mit der Natur. Schon seit vielen Jahren wird der Naturgedanke durch informative...