"Dorf im Wandel" am Beispiel Stausebach

Stausebacher Dorfbild 1958

Bilder aus den 50er Jahren in Stausebach dokumentieren, dass das Erscheinungsbild eines Dorfes einem ständigen Wandel unterworfen ist und sich in den letzten fünf Jahrzehnten verändert hat.


Ein altes Bild zeigt uns, wie der Ortsmittelpunkt baulich umgestaltet wurde. Das ehemalige Backhaus musste der neuen Straßenführung weichen. Der Brunnen, früherer Treffpunkt der Dorfbevölkerung, wurde ebenso beseitigt wie der Durchgang zur Kirche in der historischen Wehrmauer. Im Rahmen der Restaurationsarbeiten an der Mauer wurden die Trauerweiden entfernt, da sie mit den Wurzeln die Mauerwerke beschädigt hatten.


Heute stellen wir fest, dass ein Stück Dorfidylle verloren gegangen ist. Allein die gotische Kirche "Mariä Himmelfahrt" bestimmt seit über 500 Jahren das Dorfbild.


Eine weitere Ansicht zeigt den Dorfbach, der dem kleinen Kirchhainer Stadtteil vor 743 Jahren (seit Erstbennung des Ortes) seinen Namen gab. Anfang der 60er Jahre wurde der Bach total verrohrt. Auch das Bild der Trachtenfrauen beim Kirchgang gehört schon lange nicht mehr zum Alltag. Das Gasthaus Hofacker ist ebenso abgerissen worden wie das Wohnhaus Bromm.


Das dritte Foto aus dem Jahr 1958 gibt uns einen Blick vom Kirchturm in nordöstlicher Richtung auf einen Bereich des Unterdorfes mit seinen intakten Fachwerkhäusern frei.


Der Verlust wichtiger Einrichtungen wie Schule, Post, Dorfläden, Schmiede, Schlosserei, Schreinerei, Wagner- und Schusterwerkstatt und die Schließung der Raiffeisenkasse prägen die Entwicklung der letzten Jahrzehnte.


Mit der Gebietsreform wurde 1971/72 die gemeindliche Selbstverwaltung an das Mittelzentrum Kirchhain abgegeben.


Das wichtigste Element eines Dorfes, die Landwirtschaft, existiert heute nur noch in drei Vollerwerbsbetrieben. Drei Bebauungspläne und die damit verbundenen Neubaugebiete lockten viele Neu-Bürger in das stadtnahe Dorf. Vielleicht suchten sie auch die Dorfgemütlichkeit, die aber in Wirklichkeit längst verloren gegangen ist.


Alte Fotos geben uns gewisse Vorstellungen der vergangenen Zeit. Zwar sind viele Strukturen noch heute in Objekten im Dorf präsent. Aber wir stellen fest: DAS ALTE DORF VERSCHWINDET.

Wollen wir der Vergangenheit begegnen, so müssen wir Quellen suchen, die zumeist nicht mehr im Dorf vorhanden sind.

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