Wo: Tortenwürfeln
Wann: 27.12.2009 18:00 Uhr
Zwischen den Jahren fallen die Würfel
Kirchhain: Tortenwürfeln | In dem kurzen Zeitraum vom 27. bis 30. Dezember verwandelt sich Kirchhain in eine Stadt des "Glücksspiels". Es handelt sich hierbei um die seit Jahrhunderten bestehende Tradition des Tortenwürfelns.
In der "Chronik der Stadt Kirchhain" von Bürgermeister a.D. Heinrich Grün aus dem Jahre 1952 lesen wir:
"Ein weiteres Kirchhainer Spiel mag hier genannt werden, das während einer kurzen Zeitspanne "zwischen den Jahren", nämlich an den Abenden vom 3. Weihnachtstag bis zum Sylvester, ausgeübt ist: das Würfelspiel, wobei Backwaren (Bretzeln, Zöpfe (Bärches), Kringel und Formkuchen) in fast allen Kirchhainer Bäckereien ausgespielt wurden. An den beiden ersten Würfeltagen kam meistens Kleingebäck zum Auswürfeln und der von den Spielern zu leistende Einsatz betrug hierbei je Kopf und Spiel 1 oder 2 Pfg. Schon wochenlang vorher hatten die Schulkinder in den Haushaltungen Knochen und Lumpen gesammelt und diese dann an einen Lumpensammler verkauft, um die nötigen "Würfelheller" zu bekommen. An den weiteren Würfelabenden winkten größere Stücke dem Gewinner, aber auch die Einsätze betrugen 5 oder 10 Pfg. je Spiel. Gewürfelt wurde mit 3 Würfeln und gültig war nur der Wurf, wenn dabei wenigstens zwei Würfel die gleiche Augenzahl hatten. Solange dies nicht erreicht war, mußte der Spieler weiter, oder wie man dafür sagte: "besser werfen". Sieger in jedem Spiel wurde der Spieler, der mit seinen Würfeln die höchste Augenzahl erreicht hatte. Hatten zwei oder mehrere Spieler die gleiche höchste Augenzahl, dann mußten sie "stechen", d.h. bei nochmaligem Würfeln den Sieger ermitteln. Diese Würfelabende hatten in den meisten Kirchhainer Bäckereien guten Zuspruch und stolz trugen die Sieger die gewonnenen Kuchen, Bretzeln, Bärches oder Kringel nach Haus."
Das Tortenwürfeln findet auch in diesem Jahr wieder statt und beginnt am heutigen Abend um 18.00 Uhr. So hat z. Bsp. das Cafe Noll zwei Spieltische an denen jeweils 8 Spieler und 1 Croupier Platz finden. Während sich die Spielbedingungen (3 Würfel - ein Wurf ist nur gültig wenn mindestens zwei Würfel die gleiche Augenzahl aufweisen) nicht verändert haben, beträgt heute der Einsatz pro Spiel 1,50 Euro. Der Gewinner erhält eine Torte bzw. einen Gutschein für eine Torte, den er im Laufe eines Jahres einlösen kann. Inzwischen wird nicht nur in den Kirchhainer Bäckereien gewürfelt sondern auch in den Gaststätten. Hier ist es eine Stracke rote Wurst bzw. sogar ein halbes Schwein, das der Sieger erhält. Die Einsätze pro Spiel sind dabei auch unterschiedlich.
Diese Würfelabende erinnern mich an meine Schulzeit: ein Klassenkamerad hat am 30.12. Geburtstag und so kam es, das sein Vater, seine Schwester und er die Torten für den Geburtstag erwürfelten.
Es ist schon ein besonderes Erlebnis ein Würfelabend zwischen den Jahren in Kirchhain und sicher neben der von Diana Pfeiffer in ihrem Bericht erwähnten Oldienight ein guter Grund gerade in dieser Zeit nach Kirchhain zu fahren.
Weiterveröffentlichungen:
Diesen Brauch kenne ich auch aus meiner Zeit in Homberg/Ohm. Allerdings habe ich nie mitgewürfelt. Ich bezweifle allerdings, dass dieser Brauch heute noch üblich ist. Vielleicht liegt es daran, dass die Zahl der Bäckereien in Homberg stark zurück gegangen ist ...
Hans-Christoph, falls du auch würfelst, wünsche ich dir ganz viel Glück!
Das Würfeln in Homberg gibt es immer noch , auch bei den weinigen Bäckereien.
Hans-Christoph, ich wünsche Dir auch viel Glück beim Würfeln.
Das in Homberg auch gewürfelt wird, ist mir bekannt. Heinrich Born war vor einigen Jahren einmal in der "Hessenschau" und hat den sogenannten "Bärches" erklärt. Leider kann ich in diesem Jahr nicht zum Würfeln gehen aber trotzdem vielen Dank für Eure lieben Wünsche.
Schade, dass es den "Kleinen Born" nicht mehr gibt oder die Bäckerei Schepp. Da wäre ich hingegangen. Oder zum "Wolf", weil der die besten Backwaren in Homberg macht, v. a. die "Wolfe-Brötchen" ...
Beim "Kleinen Born" (Karl Born) war ich als Kind oft. Schade, das es die Bäckerei nicht mehr gib.






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