"Gestatten, mein Name ist Franziska..."

von Hans-Christoph Nahrgang aus Kirchhain | am 23.08.2010 | 511 mal gelesen | 6 Kommentare | 4 Bildkommentare | 4 Bilder
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"Auf diesem Sofa sitzen wir gemütlich bei einem Plausch zusammen..."

"... und ich sitze gerne gemeinsam mit den anderen Puppendamen auf dem Sofa. Wir erzählen uns immer wieder unsere kleinen Geschichten. Besonders gerne erzähle ich von meinem recht abwechslungsreichen Puppenleben:

Im Jahre 1931 kam ich in die Familie meiner Puppenmutter. In den nächsten Jahren lag ich an Weihnachten immer wieder einmal mit einem neuen Kleid unter dem Weihnachtsbaum. Neue Haare erhielt ich auch und zwar wurden die angefertigt von den abgeschnittenen Haaren der großen Schwester meiner Puppenmutter.

Nach dem meine Puppenmutter den Kinderschuhen entwachsen und das elterliche Haus verlassen hatte, lebte ich für ein paar Jahre in der Familie ihres Bruders. Nach ihrer Rückkehr holte sie mich Mitte der 50-iger Jahre wieder zu sich und war entsetzt über mein Aussehen: mir fehlten die Haare und mein Kleid war völlig ramponiert !

Meine Puppenmutter sorgte aber bald wieder dafür, dass ich diese wunderbaren langen Haare und neue Garderobe bekam. Ich bin stolze 40 cm groß, kann mit meinen Augenlidern blinzeln und habe Ellenbogen- und auch Kniegelenke, die natürlich kleinere altersbedingte Schwächen aufweisen. Bewegen kann ich auch meine Hände.

Auf meinem Hinterkopf ist folgende Prägung zu erkennen:
"Germany 390 A 01/2 M" und das bedeutet, dass ich eine MARSEILLE Puppe bin. Vielleicht stamme ich ja aus der gleichnamigen französischen Stadt, oder ...?"

Nun, ganz so weit ist die Puppendame doch nicht gereist, um diese Frage aber endgültig zu beantworten, bemühen wir das Internet und finden heraus:

"Die Porzellanpuppenköpfe mit der Seriennummer "390" wurden von 1900 bis 1938 in Sonneberg von dem Puppenfabrikant Armand Marseille hergestellt. Armand Marseille wurde 1856 in Sankt Petersburg geboren und verstarb am 23. April 1925 bei Coburg. Er stammt aus einer Hugenottenfamilie und sein Vater war Baumeister am Hof des russischen Zaren.
Im Jahre 1884 kaufte er eine Puppenfabrik in Sonneberg und im Jahre 1885 übernahm er eine Porzellanfabrik. Um 1890 gelang ihm, nach jahrelangem experementieren, erstmals die Herstellung eines Biskuitpuppenkopfes und wenige Jahre später zählte er weltweit zu den größten Herstellern von Puppenköpfen. Millionen von Biskuitkopfpuppen tragen die Initialen von Armand Marseille und wurden in viele Länder der Erde verkauft."

Noch einen weiteren Hinweis finden wir im Internet:
Am 13.05.2010 wurde im Deutschen Spielzeugmuseum in Sonneberg eine Ausstellung zur Geschichte der Porzellankopfpuppen eröffnet. Sie zeigt noch bis 29.08.2010 Puppen aus der Fabrikation von Armand Marseille und steht unter der Überschrift "250 Jahre Porzellan in Thüringen".

Sicher eine sehenswerte Ausstellung und vielleicht hat ja die Geschichte von Franziska Sie ein wenig neugierig gemacht.

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Irmgard Richter-Brown aus Springe am 26.08.2010 um 11:56 Uhr  
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Hans-Christoph Nahrgang aus Kirchhain am 26.08.2010 um 21:50 Uhr  
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Hans-Rudolf König aus Marburg am 26.08.2010 um 23:35 Uhr  
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Hans-Christoph Nahrgang aus Kirchhain am 27.08.2010 um 18:40 Uhr  
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