Coping statt Doping

Seelische Traumata zerstören Ihr natürliches Gefühl für Grenzen, weshalb Sie weder Nein noch Ja sagen können oder sich nur durch rigide Abgrenzung schützen können.

Wenn Sie Opfer einer traumatischen Erfahrung werden, können Sie in einem tranceartigen Zustand fallen, der Sie gänzlich der Realität enthebt. Sie wissen nachher nicht mehr, was Ihnen passiert ist.

Ohnmacht ist die Übersteigerung der Angst. Sie können nichts mehr tun. Dies kann durch einen schweren Eingriff von außen geschehen z. B. durch Missbrauch, Verlust, Verletzung, Unfall usw. Es kann aber auch durch eine lebensbedrohliche Krankheit oder eine plötzliche schockierende Erkenntnis ausgelöst werden.

Wenn Sie in Not und Bedrängnis geraten, versuchen Sie alles, um sich zu retten oder die Situation erträglicher zu machen, durch Flucht, Kampf, Ausweichen oder Verhandeln. Dies sind Coping-Maßnahmen, um mit etwas fertig zu werden, zu bewältigen.

Solange Sie handlungsfähig bleiben, haben Sie das Gefühl, mit der Bedrohung fertig werden zu können. Ihr Ich-Gefühl bleibt intakt, selbst wenn Sie große Angst ausstehen müssen.

Wenn die Bedrohung jedoch weiter zunimmt, werden Ihre Coping-Möglichkeiten immer eingeschränkter. Ihre Erregung steigert sich bis zur Verzweiflung. In der Verzweiflung versuchen Sie vielleicht sich ein letztes Mal zu wehren. Gelingt dies jedoch nicht, stürzen Sie psychisch in ein tiefes Loch. Das ist der Moment der Ohnmacht. Etwas in Ihnen stirbt in diesem Augenblick.
Wenn Sie in die Ohnmacht stürzen, ist es so, als würde das, was Sie bis dahin getragen hat, Sie plötzlich fallen lassen. In diesem Moment zerbricht etwas in Ihnen. Als Folge findet ein Riss im Bewusstsein, ein Filmriss statt. Ihr Bewusstseins wird betäubt. Aber Sie nehmen Verletzungen, Schmerzen, Demütigungen und Schrecken weiterhin auf. Dieser Teil wird verdrängt und wie eine Leiche wird er tief ins Unbewusste vergraben und verscharrt.

Der Opferteil ist verdrängt, keinesfalls tot. Es meldet sich mit sog. Intrusionen, in denen der Schrecken des Traumas in Bildern, den sog. Flashbacks, in Alpträumen und Wachfantasien wieder erwacht. Sie erleben Zustände innerer Betäubung und Leere, die sich mit Perioden heftiger psychischer und körperlicher Erregung, mit Gereiztheit und Wutanfällen abwechseln. Sie verändern sich, werden misstrauisch, ziehen sich zurück, sind extrem schreckhaft und launig. Sie meinen, sie seien krank und hysterisch. In Wirklichkeit regen sich die Leichen im Keller.

Ein Großteil der psychischen Störungen sind Folgen unverarbeiteter seelischer Traumata.

Kinder oder Enkelkinder der Kriegsgeneration tragen seelische Wunden aus der Kriegszeit, obwohl sie damals noch klein oder gar nicht geboren waren. Manche Kinder tragen an der Schuld ihrer Eltern, andere an den furchtbaren Erfahrungen.

Was Sie brauchen, ist Hilfe, um das Trauma zu verarbeiten, d. h. die Leichen zu suchen, zu finden und aus Ihrem Haus zu stoßen. Bewältigen (Coping) statt betäuben (Doping).

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