Der bewegte Kindergarten

  Von Brunhold, Schlapf und Gantenkiel

Schließlich fließen doch die Tränen. Gerade noch ist die kleine Isabel vor Begeisterung von einem Bein aufs andere gehüpft, hat in die Hände geklatscht und ihre Staffelkollegen lautstark angefeuert. Nun ist sie selbst an der Reihe. In ihren Augen sieht man das Feuer, der kleine Körper ist extrem angespannt, man spürt die Freude, den unbedingten Willen, nun den Beitrag zum Gelingen leisten zu wollen. Isabel rennt lost, kriecht behände unter der Bank durch, nun aber verheddert sie sich beim Rutschen auf den ausgelegten Teppichfliesen. Sie kämpft, sieht aber, wie die Konkurrenz auf der Nebenbahn davon zieht, wird immer kribbeliger, verzweifelt und heult einfach los. Irgendwann schlägt halt der Ehrgeiz durch, auch wenn es hier nur Sieger, keine Verlierer geben soll. Aber Erster wollen sie sein, alle, das liegt in der Natur der Kinder. Und ist auch in Ordnung. Das gehört dazu, will man Spaß haben an der Bewegung, am Sport. Und den soll die „Knaxiade“ vermitteln, schon bei den Kleinsten, im Kindergarten. Zum dritten Mal hat die „Villa Kunterbunt“ in Bad Endorf diese Olympiade für die Jüngsten ausgerichtet, weil „es einfach wichtig ist, dass sich die Kinder bewegen“, sagt Petra Sziladi, die Kindergarten-Leiterin, die mit großer Sorge sieht, dass die Kleinen schon im Vorschulalter zu viel vor dem Computer hocken, nicht mehr das tun, was sie in dieser frühen Lebensphase tun sollten, auch ihren Körper entwickeln, den Spaß an der Bewegung, der möglichst ein Leben lang anhält. Darum geht es bei der „Knaxiade“, einer „Art Olympiade ohne Wettbewerbscharakter“, wie Objektleiter Reinhard Gansert das Erfolgsmodell beschreiben würde.
„Wir haben gesehen, dass Kinder immer dicker werden und sich immer weniger bewegen“, so Gansert über die Idee, die den Bayerischen Turn-verband zunächst in Schwaben, inzwischen aber auch in vielen Gebien Oberbayerns hat, Kindergärtnerinnen in Schulungen und Fortbildungen für das Thema Bewegung zu sensibilisieren. Und als Anreiz, als jährlichen Höhepunkt quasi, für die Kinder die „Knaxiade“ zu installieren. Petra Sziladi musste nicht besonders motiviert werden. Sie trägt ein Trikot des FC Liverpool über ihrer sportlichen Figur, weiß um die Bedeutung des Sports, hat in ihrem Kindergarten jeden Donnerstag einen „Turntag“ eingeführt, freitags geht sie mit den Kindern in den Wald und jeden Morgen gibt es „Morgensport“, wo die Kinder „laufen, springen, hüpfen“. Bei den Eltern kommt das sehr gut an, „die Kleinen“, so Sziladi, „haben doch nachmittags kaum mehr Zeit dafür, spielen Gitarre, singen, tanzen, ihr Tag ist regelrecht ausgebucht.“ Heute hat sie in der Mehrzweckhalle fünf Stationen aufgebaut, ausgewählt aus dem Ideengeber, dem von Experten ausgear-beiteten „Knaxiade“-Handbuch. „Bewegung, Kraft, Mut, Gleichgewicht“, sind die Übungsziele. „Brunhold auf Achse“ nennt sich die erste Station, bei der man über eine Bank geht, einmal ohne, einmal mit Ball auf dem Kopf, auf Fliesen springt und einen Purzelbaum macht. Weiter geht es mit „Knaxianer, die Spielfreunde“, wo vor allem beim Sprung vom Kasten Mut gefordert ist. „Schlapf, der Artist“ nennt sich die dritte Station, bei der ein kleiner Medizinball auf dem Kopf um Reifen getragen, dann gerollt wird. „Dodo, die Balancekünstlerin“ erfordert großen Gleichgewichtssinn, die Kinder bewegen sich auf kleinen Laufstelzen, mal vorwärts, mal im Kreis, balancieren über ein am Boden liegendes Seil. Bei „Gantenkiel, der Akrobat“ rutscht man auf Teppichfliesen, läuft Slalom um Keulen und wirft einen Ball in einen Kasten. Die Vorgaben lassen viel Spielraum, „eigenen Ideen sind keine Grenzen gesetzt“, sagt Sziladi. Und hat dies kräftig ausgenutzt, angepasst an die Möglichkeiten, die ihr der Geräteraum der Endorfer Mehrzweckhalle so bietet. Sie hat die Kinder in fünf Gruppen eingeteilt, jeweils betreut von einem Erwachsenen. Auch Eltern sind dabei, um die Erzieherinnen zu unterstützen. Musik begleitet die Kids durch den Vormittag, wenn sie stoppt, wird gewechselt, die Kinder sind ständig in Bewegung und mit Feuereifer bei der Sache. Mit großer Freude sieht Sziladi, wie sich ihre Schützlinge bewegen, spürt die Freude, die sie dabei haben. „Die Kinder wollen doch aktiv sein, sich auspowern“, weiß sie. Nur müsse man sie dazu auch immer wieder anregen. Zum Beispiel mit einem echten „Highlight“, wie der „Knaxiade“. Die Kids der „Villa Kunterbunt“ sind durchweg schlank, drahtig, ein einziges „Sorgenkind“ hat Sziladi dabei, „da haben wir auch schon mit den Eltern gesprochen“. In speziellen Projekten ist im Laufe des Kindergarten-Jahres auch die richtige Ernährung immer wieder mal Thema, die Kinder sollen erfahren, was ihrem Körper wirklich gut tut. Einige von ihnen sind schon im Sportverein, „Fußball, Turnen“, sagt die Leiterin. Wünschen aber würde sie sich eine sportartübergreifende Grundlagenausbildung für die Kleinen, nach der sie dann entscheiden sollen, wohin ihr Weg führt. Die „Knaxiade“ ist ein Weg
dorthin. Sziladi aber würde sich noch mehr Engagement der Sportvereine wünschen, „sie können gerne zu uns kommen, sich und ihren Sport hier vorstellen“. Denn dass die Kinder nach Bewegung und Aktivität lechzen, das zeigt auch dieser Vormittag wieder. Zum Abschluss hat Sziladi noch zwei besondere Attraktionen eingebaut, ein Laufspiel, bei dem man versuchen muss, eine Klammer vom T-Shirts eines anderen abzuziehen. Wer die meisten hat, hat gewonnen. Dann zum Abschluss die Staffel, bei der es noch mal richtig lebhaft wird. Durch die Bank schlüpfen, auf Teppichfliesen rutschen, einen Slalom bewältigen und dann so schnell wie möglich zurück. Als es am Ende des Vormittags aus der Hand der Sparkassen-Mitarbeiterin die bunten Medaillen gibt, sind auch Isabels Tränen längst getrocknet. Stolz blickt sie nun auf das runde Ding vor ihrer Brust, freut sich über die Urkunde und ist einfach nur stolz. Nun ist auch sie ein Sieger, wie alle anderen Kinder, die bei der „Knaxiade“ so viel Spaß und so viel Freude an der Bewegung gefunden haben. Und sich nun fest vornehmen, irgendwann mal ein großer Sportler zu werden. Und sicher kein Couch-Potatoe.
Weitere Informationen
Nähere Informationen erteilt Reinhard Gansert, Projektleiter der „KNAXIADE“, Auf der Ludwigshöhe 16, 87437 Kempten, Tel.: 0831/51210-752, Fax: 0831/51210-750, e-Mail: reinhard-gansert@knaxiade.de, Internet: www.knaxiade.de.

Quelle "Jugendsportseite Münchner Merkur"
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