„Spezielle Operationen“ für Rettungshunde - Johanniter- und andere Rettungshundestaffeln trainieren gemeinsamen Einsatz

von Raphael Doderer aus Augsburg | am 23.06.2009 | 951 mal gelesen | 0 Kommentare | 0 Bildkommentare | 1 Bild
Lagebesprechung der Johanniter-Führung mit der Bundeswehr beim gemeinsamen Rettungshunde-Training

Vom 19. bis 21. Juni haben 38 Hundeführer und drei Einsatzleiter von verschiedenen Rettungshundestaffeln an einer gemeinsamen Übung zur groß angelegten Vermisstensuche teilgenommen. Das Szenario fand im Bundeswehr-Ausbildungszentrum „Spezielle Operationen“ in Pfullendorf unter der Leitung der Allgäuer Johanniter-Rettungshundestaffel statt.

Ralph Krauß ist Staffellleiter im Allgäu, er ist Fachberater für das Johanniter-Rettungshundewesen in Bayern, und vor allem ist er bekannt dafür: immer neue Ideen rund um die Rettungshundearbeit, immer neue Herausforderungen für die Rettungskräfte auf vier Pfoten und ihre Hundeführer. Beim Training in Pfullendorf konfrontierte er die Teilnehmer von zahlreichen Johanniter-, BRK-, DRK- und THW-Rettungshundestaffeln mit verschiedenen Szenarien und Vorgehensweisen bei der Rettung.

Die Rettungshundeteams sollten zusammen mit Soldaten des Jägerbatallions 292 der französisch-deutschen Brigade aus Meßstetten vermisste Personen auffinden. „Grundsätzlich ist das keine allzu große Herausforderung für Rettungshunde“, erklärt Ralph Krauß. „Unsere „Vermissten“ hatten jedoch den Übungsauftrag erhalten, sich weder von den Hunden noch von den Soldaten finden zu lassen.“ Umso mehr Einsatz und Engagement war von den Hunden und ihren Führern abverlangt, um alle Vermissten auf dem weitläufigen Gelände zu finden. Führungskräfte der einzelnen Staffeln mussten das Suchgebiet genau abstecken, regelmäßige Rückmeldungen an die Einsatzleitung waren notwendig, um den Überblick über das weit verzweigte Suchgebiet zu behalten.

Dazu kamen aber noch weitere Anstrengungen für die Tiere und Menschen: Wenig Schlaf, kalte Unterkünfte und auch überraschende Nachtübungen. Aus ihrem Bundeswehr-Biwak-Zelt wurden die Johanniter und die anderen Hundeführer nachts herausgeholt und herausgerissen aus dem kurzen Schlaf, um in der nächtlichen Landschaft erneut vermisste Personen zu finden. Waren die Helfer erfolgreich, ging es zurück in die Unterkunft, die „mit minimalistischen Bedingungen nah an einen Realeinsatz herankam“, so Krauß.

55 Stunden Dauereinsatz und -bereitschaft, 55 Stunden voller Anstrengung, voller Herausforderungen und 55 Stunden mit wenigen Schlaf- und Ruhepausen „schlauchten die 41 Teilnehmer schon“, so der erfahrene Rettungshundeführer Ralph Krauß, aber: „Ziel war es, den Teilnehmern eine nicht alltägliche Einsatzsituation zu vermitteln, wie sie in der Realität jederzeit vorkommen kann.“ Gerade bei Auslands- oder Katastropheneinsätzen sind die Rettungshunde und ihre ehrenamtlichen Führer sehr gefragt.

Im schwierigen Gelände ist ein Rettungshund dem Menschen bei der Vermisstensuche oft deutlich überlegen: Ein Rettungshundeteam kann, abhängig von den Umständen der Einsatzlage, im Rahmen einer Flächensuche Wälder, Brach- und Grünflächen sowie Feldmark einer Größenordnung von 30.000 m² innerhalb von 20 Minuten sicher absuchen, auch wenn es sich um schwer zugängliche Gebiete handelt. Mit sechs Teams entspricht dies beispielsweise einer Suchgebietsgesamtfläche von 180.000 m² in 20 Minuten. Bei durchschnittlich drei möglichen Sucheinsätzen von jeweils etwa 40 Minuten pro Team und Tag können demzufolge sechs Teams bis zu 1.080.000 m² Fläche an einem Einsatztag absuchen. „Insbesondere in Einsatzgebieten, die für Suchmannschaften nur schwer zugänglich sind und zum Beispiel durch dichte Bewaldung auch einer luftgestützten Wärmebildkamera keine oder nur eine eingeschränkte Einsatzmöglichkeit bieten, stellen Rettungshunde somit eine effektive Ergänzung der sonstigen Einsatzmaßnahmen dar“, erklärt Ralph Krauß, der seit über fünfzehn Jahren in der Rettungshunde-Arbeit ehrenamtlich aktiv ist.

Das Resümee der Hundeführer nach drei Tagen im Regen, beim Marschieren und Suchen, war einstimmig: „Viel gelernt, wenig geschlafen, super Zusammenarbeit aller Gruppen, jetzt ab nach Hause, heiß duschen und lange schlafen.“ Die Bundeswehrführung des Lehrganges war von Disziplin, Einsatzbereitschaft und Ausdauer der „ehrenamtlichen Zivilisten“ sehr angetan. „Sie waren für uns eine wichtige und hilfreiche Unterstützung unseres Lehrganges, um diesen möglichst realistisch zu gestalten. Ein sehr eindrucksvolles Beispiel von zivil-militärischer Zusammenarbeit,“ so Hauptfeldwebel Rudolph lobend.

Mehr Informationen über die Johanniter-Rettungshundearbeit gibt's online auf www.johanniter-allgaeu.de.

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