Zweite Münchner S-Bahnstammstrecke: Ohne Streckenausbau massive Verschlechterung für Pendler entlang S4-West und aus dem Allgäu

Ohne Streckenausbau Pasing-EIchenau wird es nicht nur in der S4, sondern auch in den Regionalzügen von und nach Kaufering so aussehen. (Foto: Münchner Merkur, 4.12.2015, mvz-tz)
Kaufering: Bahnhof |

Praktisch unbeachtet von Presse und Politik hat die Staatsregierung um die Jahreswende ein neues Nutzen-Kosten-Gutachten für die Zweite Münchner Stammstrecke veröffentlicht. Auf dem ersten Blick bringt dieses neue Konzept auch für die S4-Pendler Verbesserungen. Die S4 aus Geltendorf soll statt bisher alle 20 Minuten neu alle 15 Minuten verkehren, und daneben ist erstmals auch eine Express-S-Bahn ab Buchloe durch die 2. Stammstrecke vorgesehen. Erst ein genaueres Studium dieses Gutachtens deckt jedoch auf: In der Spitzenstunde am Morgen, wenn die Züge schon heute überfüllt sind, werden statt bisher neun S-Bahn- und Regionalzügen nur noch acht verkehren! Dies zeigt mit aller Deutlichkeit. Der mehrgleisige Ausbau der S4-West muss gleichzeitig mit der Zweiten Stammstrecke fertiggestellt werden.

Nachdem sich die Kosten für die Zweite Stammstrecke massiv erhöht hatten, hat das Bundesverkehrsministerium eine Aufdatierung des Nutzen-Kosten-Gutachtens von 2011 verlangt. Denn nur wenn der Nutzen-Kosten-Faktor den Wert eins überschreitet, ist eine Mitfinanzierung durch dem Bund gemäss dem Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz (GVFG) möglich. Die Firma Intraplan hat deshalb im Oktober 2016 eine neue Studie vorgelegt. Im Vergleich zur Studie von 2011 wird nicht mehr zwischen einem Startkonzept (Mitfall 6) und einem optimierten Bedienungskonzept (Mitfall 6+) unterschieden, sondern bei den Express-S-Bahnen wurden nun in jedem Fall angenommen, dass diese von ausserhalb des Verbundgebiets kommen (Augsburg bzw. Mering statt Mammendorf, eine zusätzliche Express-S-Bahn von Landshut). Neu wurde nun auch eine Express-S-Bahn von Buchloe und eine Express-S-Bahn zum Flughafen angenommen. Dafür ist die Express-S-Bahn nach Rosenheim (Teil vom Mitfall 6+) wieder verschwunden.

Schneller, aber deutlich weniger Platz in der Spitzenstunde

Der Nutzen für die S4-Pendler wird in der neuen Studie gross herausgestrichen. Die Fahrzeit von Geltendorf zum Marienplatz verringert sich durch die Einführung der Express-S-Bahnen von 47 auf 33 Minuten, jene von Fürstenfeldbruck von 30 auf 21 Minuten. Was jedoch verschwiegen wird: In der Spitzenstunde am Morgen erreichen aus der S4-West und von Buchloe statt heute neun S-Bahn- und Regionalzügen nur noch acht Züge den Bahnhof Pasing. Dies ist eine Verschlechterung sowohl für die Regionalzug- als auch die S-Bahnpendler. Statt sechs S-Bahnzügen (drei reguläre S4 alle 20 Minuten, drei Verstärker S4V zum Hauptbahnhof oder nach Höllriegelskreuth) verkehren künftig zwar auch sechs S-Bahnzüge (vier reguläre S4 und zwei Express-S14X bzw. S24X). Allerdings ersetzen diese zwei Express-S-Bahnen zwei der drei bisher verkehrenden Regionalzüge und sind deshalb bereits in Geltendorf sehr stark besetzt. Heute verkehren auf dem Abschnitt in der Spitzenstunde insgesamt 15 ET423 (drei S4-Langzüge, drei S4V-Vollzüge), künftig sollen 17 ET423 (drei S4-Langzüge, ein S4-Vollzug, ein S14X-Langzug und ein S24X-Langzug) verkehren. Man kann sich unschwer ausrechnen, dass die Überfüllung der S-Bahn noch massiv zunehmen wird, denn die zwei zusätzlichen Triebwagen (17 statt 15 ET423) müssen neben den S-Bahnfahrgästen noch die Fahrgäste von den zwei wegfallenden Regionalzügen aufnehmen.

Zweite Stammstrecke setzt S4-Ausbau voraus

Während bisher der S4-Ausbau immer mit dem Argument verschoben wurde, dass dieser die zweite Stammstrecke voraussetze, zeigt sich nun, dass es auch umgekehrt ist: Der Ausbau Pasing-Buchenau ist dringend erforderlich, um einen Kapazitätsengpass für die Pendler der S4 und aus dem Allgäu zu verhindern. Deshalb muss klar sein: Auf der von Verkehrsminister Joachim Herrmann zu erstellenden Prioritätenliste muss der S4-Ausbau ganz oben stehen. Der mehrgleisige Streckenausbau muss mindestens gleichzeitig mit der Zweiten Stammstrecke fertig werden.
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