Mein Navi spricht

Hundertwasser
Kassel: Kassel | Über die Unart, an den exotischten Orten sein Handy zu benutzen, ist ja schon viel geschrieben worden. Selbst das Ertönen von „Freude schöner Götterfunken“ in der Handtasche einer Trauernden bei der Beerdigung von Onkel Paul neulich, erzeugte nur ein Augenbrauenzucken beim predigenden Pastoren.
Und das Ertönen der Sesamstraßen-Erkennungsmelodie im Opernhaus in Hannover neulich, mitten in der Mordszene bei Don Giovanni, belustigte die meisten Zuschauer eher, als dass es sie empörte.

Wir haben uns daran gewöhnt, dass wir mit dem Segen der Elektronik auch den Fluch einkaufen.
Mein mobiles Navigationsgerät im Auto hat mir schon so manches Mal gute Dienste geleistet und mich, sogar in stockdunkler Regennacht, sicher zurück ins Hotel zur Post mitten in der Lüneburger Heide gebracht, nachdem ich vergessen hatte, mir den Weg dorthin einzuprägen..

Ein Wunder der Technik, wenn man es richtig zu bedienen weiß und ihm vertraut.
Es soll ja Männer geben, die bei einem neuen Navi sofort die voreingestellte Frauenstimme gegen eine Männerstimme austauschen, weil sie nicht glauben, dass Frauen sich in Geographie auskennen.
Andere tauschen die Stimme, weil sie sich von einer Frau schon einmal gar nichts sagen lassen. Machos!
Bei mir liegt das Problem mit den modernen, elektronischen Helferlein eher im Bereich der Unfähigkeit der richtigen Bedienung.
Nachdem ich neulich im Stau auf der A7 die gesamte Einstellung meines Navis derart verwirrt hatte, dass ich auf dem nächsten Parkplatz alles noch einmal neu eingeben musste, geriet ich beim nächsten Stop an einer Raststätte wegen eines dringenden Bedürfnisses derart in Panik, wieder etwas falsch zu machen, dass ich das Gerät kurzerhand ganz einfach eingeschaltet in meine Jackentasche steckte und zur Toilette ging. Es war eine dieser modernen, bei denen man vor dem Betreten 70 Cent zahlen muss und dann einen Gutschein bekommt.
Vor dem Drehkreuz hatte sich ein kurzer Stau aufgebaut, sodass ich zwischen einer beleibten Dame, die ihr Portemonnaie nicht fand, und einem eleganten Herren einklemmt etwas warten musste.
Just in dem Moment tönte es, laut und vernehmlich, aus meiner Jackentasche.
„Bei der nächsten Gelegenheit, wenn möglich, bitte wenden.“
Alles lachte, während ich panikartig nach dem AUS-Knopf suchte und schließlich froh war, dass mir das nicht drinnen, am Urinal stehend, passiert war.
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1 Kommentar
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Kurt Battermann aus Burgdorf | 15.10.2013 | 13:01  
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