Morgen ist der "Tag des afrikanischen Kindes"

Deshalb möchte ich euch heute etwas über das Leben der Kinder in Uganda berichten.

57 % der Bevölkerung Ugandas ist jünger als 18 und 52 % ist sogar jünger als 14 Jahre.

55 % dieser Kinder leben in mehrdimensionaler Armut – diese umfasst die Dimensionen Bildung, Gesundheit und Lebensstandard.

25 % leben in extremer Armut – viele Kinder sind extrem unternährt.

30 % der Kinder Ugandas haben keinen Zugang zu sauberem Wasser – nicht selten müssen sie zwischen 30 und 60 Minuten laufen, um an eine Wasserstelle zu gelangen.

Da überwiegend die Mädchen und / oder kleine Jungen für das Wasserholen
zuständig sind, ist das eine unglaubliche Belastung. Kinder, die mehrfach am Tag solche Strecken zurücklegen müssen um Wasser zu holen, können in der Regel nicht die Schule besuchen.

33% der Kinder haben keinen Zugang zu sanitären Anlagen. Die hygienischen Verhältnisse sind teilweise katastrophal. Deshalb sterben viele Kinder an vermeidbaren Krankheiten.
Kranke Mädchen werden seltener zu einer Gesundheitsstation gebracht als Jungen.

Das sind viele Zahlen und Fakten . . . man liest sie und denkt „das sind schwierige Umstände für Kinder“ . . . und vergisst es wieder.

Ist man aber im Land und sieht diese riesige Zahl Kinder – auch diese unglaubliche Zahl an Waisenkindern und Straßenkindern, dann fängt man zu ahnen, welche Probleme diese Kinder tatsächlich haben.

Geht man mit offenen Augen durch die Dörfer, dann stellt man fest, dass eigentlich eine ganze Generation fehlt. Es gibt alte Menschen und Kinder.

Oft betreuen die Großmütter mehr als 5 oder 6 Enkelkinder. Diese Großmütter sind oft schon zu schwach und vor allem zu arm, um diese Aufgabe wirklich stemmen zu können.

Manchmal können Waisenkinder in sogenannten *foster homes* aufgenommen werden - meistens kümmert sich eine *foster Mama* um eine unbestimmte Zahl
Kinder. . . . 15 - 70 Kinder sind keine Seltenheit. Für uns ist so etwas gar nicht vorstellbar. . . .

Eine dieser Foster Mamas habe ich einmal gefragt, wie sie es schafft, den vielen Kindern jeden Tag etwas zu Essen zu organisieren . Sie zuckte mit den Schultern und sagte *ich zocke*
Das bisschen Geld, das sie zur Verfügung hat, wird solange hin und her geschoben und hier etwas gestrichen und dort etwas abgezwackt, dass es fast immer irgendwie klappt. Manchmal - so sagt sie - koche sie auch erst abends spät . . . dann wären einige Kinder schon eingeschlafen . . . .

Wenn ich an afrikanische Kinder denke, dann habe ich Bilder im Kopf :

Bilder von Joel, der mit 7 Jahren sein erstes Paar Schuhe bekam. Ich hatte in ein Heim 2 große Taschen mit Kleiderspenden mitgebracht und die Foster Mama
teilte ihm dieses Paar Sandalen zu : Er lachte, jubelte, weinte, schrie und tanzte
gleichzeitig. Ich hatte Angst, dass er vor lauter Freude einen Herzschlag bekommt
und somit nichts mehr von seinen tollen Sandalen hat.


Bilder
von der 17jährigen Hanifa, die mir erzählte, es sei der schönste Tag ihres
Lebens gewesen als sie die Nachricht bekam, dass jemand in Deutschland ihre
Schulgebühren zahlen wird. Es sei ihr größter Traum, dass sie zur Schule gehen
darf. Sie hatte schon nicht mehr damit gerechnet, dass sie dieses große Glück
erleben darf. Mit unbändiger Freude begab sie sich in die Boarding School (eine Art Internat) und nur ein paar Wochen später stürzte in ihrem Schlafsaal die Decke ein. Hanifa, die in einem Doppelstockbett oben schlief, erlitt dabei relativ schwere Verletzungen – unteranderem eine Quetschung des Brustkorbes.
Trotzdem versuchte sie, kaum eine Unterrichtstunde zu verpassen. . .dieses Mädchen nahm viel auf sich, um ihren Traum vom Schulbesuch und derAussicht auf eine ordentliche Berufsausbildung und damit auf ein selbst bestimmtes Leben verwirklichen zu können. Mit einer unglaublichen Disziplin.

Bilder von hunderten von Schulkindern, die mich während des Besuches einer Schule umringten, weil ich die erste Weiße war, die diese Schule besuchte .
Diese Kinder waren allesamt stolz, dass sie eine Schule besuchen dürfen.

Bilder von Gorretti, einer heute 17jährigen, die im letzten Jahr ihren Realschulabschluss machte und mit großem Fleiß lernt, damit sie im nächsten Jahr ihr Abitur mit sehr guten Noten abschließen kann.
Vor 5 Jahren habe ich eine Schulpatenschaft für dieses Mädchen übernommen – das
heißt, ich habe ihre Schulgebühren bezahlt. Kurz nachdem ich diese Patenschaft
übernommen hatte, wollte es der Zufall, dass ich nach Uganda reiste und auf
dieser Reise auch Gorretti persönlich kennenlernen durfte. Diese Begegnung traf
mich mitten ins Herz. Ich glaube, es war für beide Seiten Liebe auf den ersten
Blick. Mittlerweile kenne ich die gesamte Familie: Mutter Aida und ihre beiden
großartigen Brüder Denis und Peter. . . . die 4 sind *meine ugandische Familie*
. . . für mich ist das wirklich ein Geschenk des Himmels.

Fast täglich tauschen wir kurze Nachrichten aus und halten uns gegenseitig aus dem Laufenden. Gorretti kann allerdings nur in den Ferien schreiben, weil Mobiltelefone in den Schulen verboten sind . ..

Seit ich Gorretti kenne , möchte sie Journalistin werden . . und ich bin sicher, sie wird eine großartige Journalistin . . sie schreibt schon jetzt sehr berührende Kurzgeschichten und wunderschöne Gedichte.

Bilder von David, Patience und Dinah. Drei Waisenkinder , die in einem reinen Kinderhaushalt leben. David muss mit seinen 12 Jahren als Haushaltsvorstand für seine beiden kleinen Schwestern (6 und 4 Jahre alt) sorgen. Sie leben alleine in dem Haus ihrer verstorbenen Eltern. Der einzige Schatz, den sie besitzen, ist ein sogenanntes *Memorybook*, ein Buch, das ihre aidskranke Mutter ihnen geschrieben hat. Darin erzählt sie von ihrer Familie – von Großeltern, Tanten, Onkel. Von den Wertvorstellungen und von Traditionen der Familie. Sie berichtet über ihren eigenen Werdegang über den des Vaters und über die Dinge, die sie sich für die Zukunft ihrer Kinder wünscht.

Oft werden Bilder mit in das Memorybook geklebt oder gemalt. Wie oft sitzen die drei vor der Hütte und schauen in das Buch und David liest seinen Schwestern daraus vor. Das ist traurig, hilft aber ein wenig gegen die Einsamkeit.

Manchmal kommt eine ehrenamtliche Mitarbeiterin von NACWOLA vorbei – sie besitzt selber nichts, aber sie gibt den Kindern etwas, was es für Geld nicht zu kaufen gibt : eine Schulter zum Anlehnen, Zeit für Gespräche, Trost und nicht selten auch ein Tuch zum Tränen trocknen.

Eine entfernte Tante zahlt die Schulgebühren für David – meistens zumindest - das ist sein ganz großes Glück.

In der Schule darf er auch mal Kind unter Kindern sein . . . vor dem Schulbesuch hat er allerdings viele Aufgaben zu erfüllen –u.a. geht er zusammen mit den beiden kleinen Mädchen etwa 3 km bis zur nächsten Wasserstelle um das Wasser für den Tag zu holen. Jedes der Kinder hat einen Wasserkanister – David trägt einen 10 Liter Kanister und die beiden Mädchen jeweils einen 5 Liter Kanister.
Die 3 Kinder haben sich einen kleinen Gemüsegarten am Haus angelegt.

Die beiden Mädchen versorgen diesen überwiegend.

Bilder von Peter, einem ehemaligen Straßenkind in Jinja, den ich zum ersten Mal vor 3 Jahren in der Mainstreet traf.

Er fiel mir wegen seiner unglaublich traurigen Augen auf und ich sprach ihn an. . . erst da sagte er , dass er schrecklichen Hunger hat. Diese Straßenkinder betteln meistens nicht.

Ich kaufte ihm eine größere Menge Bananen und eine Cola . . für ihn war das wahrscheinlich wie Ostern und Weihnachten zugleich. Mit großem Glück konnten wir ihn an ein foster home vermitteln. Heute geht er zur Schule, hat ein Bett zum Schlafen und meistens zumindest eine Mahlzeit am Tag. Er ist ein fröhliches Kind, das gute Noten in der Schule hat.

Oft höre ich so Aussagen wie „man kann ja nicht die ganze Welt retten“

Natürlich kann man das nicht !

Aber jedes Kind, das durch unseren persönlichen Einsatz ein klein wenig glücklicher ist, das in sicherer Umgebung leben und lernen kann, ist ein Erfolg und für dieses EINE Kind ist es die Chance auf ein selbst bestimmtes Leben. . . . und jedes dieser Kinder kann und wird dazu beitragen, dass sich das Leben in seinem Umfeld, seinem Dorf, seiner Region nachhaltig verbessert.

Das sind meine ganz persönlichen Gedanken zum „Tag des afrikanischen Kindes“.

Für mich ist dieses ehrenamtliche Engagement für die Kinder in Uganda eine Herzensangelegenheit. . . . und es erfüllt mich mit großer Freude. Natürlich gibt es auch Moment, in denen ich fast verzweifele weil ich – mal wieder - nicht weiß, woher das Geld kommen soll, das wir für die nächsten fälligen Schulgebühren, oder die nächste Teilzahlung für den Architekten oder aber für das Baumaterial benötigen. Aber irgendwie fügt sich (fast) alles . . .und nicht selten in der sprichwörtlich letzten Sekunde. . . .

Wer mehr über das Projekt für die Waisenkinder in Uganda wissen möchte, kann sich im Rahmen unseren *Kwa Moyo Stammtisches* am 23.06. um 18:30 im *Le Bistro* am Rathausplatz in Landau informieren. . . oder auch auf der Webseite www.kwa-moyo.de
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