Doppelter Filter gegen krankes Blut

Dr. Friedrich Lazarus, der Direktor der Medizinischen Klinik III, die auf Nieren- und Bluterkrankungen spezialisiert ist, hat im Klinikum Ingolstadt mit der Immunadsorption ein neues Verfahren eingeführt. (Foto: Klinikum Ingolstadt)

„Doppelt hält besser“, sagt man. „Doppelt heilt besser” könnte man im Falle eines neuen Verfahrens sagen, das seit Kurzem im Klinikum Ingolstadt eingesetzt wird. Die Immunadsorption sorgt nämlich im Gegensatz zu früheren Verfahren dafür, dass das Blut von schädlichen Antikörpern gesäubert wird und gereinigt dem Körper wieder zugeführt werden kann – ein sehr schonendes Verfahren, mit dem man bereits gute Erfahrungen gemacht hat.

Oft sind es Bakterien, Viren, Verletzungen, Unfälle oder andere Einwirkungen von außen, die einen Menschen krank machen. Es gibt aber auch Erkrankungen, die aus dem Körper selbst kommen. Bei verschiedenen Autoimmunerkrankungen greift die körpereigene Immunabwehr durch fehlgesteuerte Abwehrreaktionen körpereigene Zellen an und kann dadurch schreckliche Erkrankungen auslösen. Eine wichtige Rolle spielt dabei das Blut, über das die Antikörper im Körper transportiert werden. Bei manchen Erkrankungen hilft dann nur noch ein Blutreinigungsverfahren, durch das die schädlichen Antikörper aus dem Blutplasma entfernt werden.

Während bei bisherigen Verfahren immer wieder Fremdplasma mit entsprechenden Nebenwirkungen zugeführt werden musste, bietet ein neues Verfahren große Chancen für die Patienten. Bei der sogenannten Immunadsorption wird das körpereigene Plasma von den gefährlichen Antikörpern gereinigt und anschließend dem Körper wieder zugeführt. Die Methode steht seit Kurzem auch den Patienten im Klinikum Ingolstadt zur Verfügung. „Wir sind sehr froh, dass wir das neue Verfahren anbieten können, da es echte Vorteile für die Patienten bietet”, sagt Dr. Friedrich Lazarus, der Direktor der Medizinischen Klinik III, die auf Nieren- und Bluterkrankungen spezialisiert ist. Damit hat sie auch das Know-how und die Erfahrung mit solchen Verfahren außerhalb des Körpers, die bei solchen Therapien nötig sind.

Das „Herzstück“ des noch recht jungen, aber sehr erfolgsversprechenden Verfahrens ist eine unscheinbare Kunststoffröhre. In Verbindung mit einem modernen Gerät zur Blutreinigung kann sie bei seltenen, aber oft gravierenden Autoimmunerkrankungen den Betroffenen gute Heilungschancen bieten. In der Röhre befinden sich Filter, in denen die schädlichen Stoffe einfach hängen bleiben und so aus dem Blut entfernt werden – ein einfaches Prinzip, das in der Realität nicht ganz so einfach umzusetzen ist. Denn es gilt, im Wesentlichen nur die Stoffe herauszufiltern, die abgesondert werden müssen, während andere wichtige Blutbestandteile erhalten bleiben sollen.

Verträglich und ressourcenschonend
Das stellt das neue Verfahren sicher, bei dem zwei Filtervorgänge kombiniert werden. Der erste Filter trennt, an eine Blutreinigungsmaschine gekoppelt, das Blutplasma von den übrigen Blutbestandteilen, die wieder dem Körper zugeführt werden können. Das Blut wird dabei durch Hohlfasern aus Kunststoff geleitet, aus denen ausschließlich das Plasma austritt und so separiert wird. Während man bei bisherigen Verfahren wie Plasmaseparation und -austausch anschließend Fremdplasma zuführen musste, um das entfernte Plasma zu ersetzen, kann man nach einer erfolgreichen Immunadsorption das gereinigte Plasma dem Körper wieder zuführen.

Die Vorteile liegen auf der Hand: Der Körper verträgt das eigene Plasma besser und man kann auf die Gabe von Fremdplasma verzichten, das selbst Abwehrreaktionen auslösen kann. Denn auch wenn es die Patienten heilt, kann es zu solchen Folgen gegen das zugeführte Fremdeiweiß kommen, die dann zum Beispiel Fieber oder allergische Reaktionen auslösen können. Das neue Verfahren ist also nicht nur verträglicher und schonender für die Patienten, sondern auch ressourcensparend.

Die Methode lässt sich bei verschiedenen Autoimmunerkrankungen einsetzen, bei denen man die problematischen Antikörper aus dem Blutplasma entfernen muss. Das ist bei neurologischen Erkrankungen wie Multiple Sklerose oder Myasthenien der Fall, kann aber auch bei gastroenterologischen oder Herzkreislauferkrankungen sowie bestimmten Formen von Herzmuskelentzündungen der Fall sein. Lazarus und sein Team der Medizinischen Klinik III arbeiten daher auch eng mit anderen Fachbereichen wie Kardiologen, Gastroenterologen und Neurologen zusammen. Während die einen das Blut reinigen, sorgen die anderen zum Beispiel dafür, dass die Antikörper in Zukunft nicht mehr entstehen.

„Dafür wird man Arzt“
Mit dem Einsatz des Verfahrens hat man im Klinikum bereits sehr positive Erfahrungen gemacht. Erst vor Kurzem wurden zwei Patientinnen damit erfolgreich behandelt, darunter eine junge Frau, die an furchtbaren Lähmungen litt. Eine Autoimmunerkrankung hatte dazu geführt, dass Antikörper Botenstoffe im Körper angegriffen, damit die Signalübertragung zum Muskel unterbrochen und so ihre Muskeln gelähmt hatten. Die engagierte junge Frau konnte sich kaum mehr bewegen. „Das kann so weit gehen, dass man die Patienten beatmen muss”, sagt Lazarus. Inzwischen kann die junge Arzthelferin nicht nur frei atmen, sondern wieder ein völlig neues Leben führen. Nach nur drei Behandlungen mit der Immunadsorption waren die zuvor schweren Symptome beseitigt. „Ich wollte die Patientin an ihrem Krankenbett im Klinikum besuchen. Aber plötzlich war sie nicht mehr da”, erzählt Lazarus. „Sie war mit ihrem Freund in der Cafeteria. Vorher konnte sie das Bett gar nicht verlassen”, sagt er lächelnd. „Das ist ein tolles Gefühl. Dafür wird man Arzt.“

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